Volksfreund

 

Sozialdemokratische Tageszeitung

1919 - 1933

 

 


30. April 1919

 

 

 

Entwicklung der Recklinghäuser Presse

im Zeitraum Januar bis April 1933

Vier lokale Zeitungen werden zum betreffenden Zeitpunkt in Recklinghausen gelesen. Der sozialdemokratische "Volksfreund", die nationalsozialistische "National-Zeitung - Organ des Gaues Westfalen-Nord der NSDAP (NZ)", das Zentrumsblatt "Recklinghäuser Volkszeitung (RVZ)" und die politisch ungebundene "Recklinghäuser Zeitung (RZ)". Während der "Volksfreund" bis zu seinem Verbot am 28.02.1933 sehr kritisch und stellenweise polemisch die politische Entwicklung seit dem 30.01.1933 kommentiert, die NZ dieselbe Entwicklung in eindeutiger Weise begrüßt, verläuft die Entwicklung der beiden anderen Zeitungen weniger gradlinig. Die RVZ setzt in den ersten Wochen nach dem Antritt des Hitler-Papen-Kabinetts noch alle Hoffnungen auf eine tragende Rolle des Zentrums in der kommenden Entwicklung, behält sich dabei aber eine gewisse Distanz vor. Im Verlaufe der Beschränkungen durch die Notverordnungen vom 04.02.1933 und vom 28.02.1933 verschwinden kritische Untertöne in der Berichterstattung jedoch vollständig.
 

 

Die RZ begrüßt zwar die Regierungsübernahme eines Kabinetts unter der Führung Hitlers als einen parlamentarisch geführten Neuanfang, berichtet aber anfänglich durchaus noch kritisch über Ausschreitungen von SA-Verbänden. Ab Mitte Februar finden sich dann auch in der RZ keine kritischen Töne mehr, und am 20.04.1933 feiert die RZ bereits den Geburtstag des "Volkskanzlers Hitler". Spätestens mit dem Verbot des "Volksfreundes" am 28.02.1933 existiert damit in Recklinghausen keine freie Presse mehr.

 

 

Der Volksfreund

 

Die Zeitung wurde ursprünglich unter dem Namen "Volksblatt" gegründet. Die Umbenennung in "Volksfreund" wurde im ersten Halbjahr 1920 vorgenommen. Mit dieser Zeitung hatte die SPD ein Sprachrohr für Recklinghausen und in den angrenzenden Kreisen. Die Buchdruckerei und Verlagsanstalt E. Graf & Co in Bochum druckte den Volksfreund. Die Hauptgeschäftsstelle und die Schriftleitung war zunächst im Haus Herner Straße 8a, später dann Herner Straße 17 untergebracht. Die Redaktion war zugleich Parteibüro. Verleger war die Verlagsgesellschaft und Druckerei Max König GmbH in Recklinghausen, Herner Straße 8a. Der Einzelpreis betrug 1920 pro Ausgabe 15, 1930 dann 10 Pfennige. Der Volksfreund war eine Tageszeitung. Neben dem ausgeprägten politischen Teil beinhaltete die Zeitung einen Wirtschaftsteil, Sport, Anzeigen, Vereins- und Behördenmitteilungen. Der heimische Maler Otto Kolbe entwarf 1928 für das im Auftrag des Magistrats der Stadt Recklinghausen herausgegebene Buch "Deutschlands Städtebau" (Dari-Verlag Berlin) eine Werbseite für den Volksfreund (s. Abb. links).

 

 

 

Auszugweise zeigt diese Ausarbeitung Artikel aus den Jahren 1919 - 1930.

Im Stadtarchiv kann man sich umfassend informieren.

 

 

 

 

Und ihr Genossen:

Nicht gelesen - nichts gelernt?

 

 

 

 

 

 

 

 

Dem Volksfreund war ein langes Leben zum Wohle der Sozialdemokratie und der Bevölkerung versagt. Die Nazis sorgten, wie eingangs erwähnt, mit aller Macht für ein Ende der sozialdemokratischen Zeitung "Volksfreund" . Die letzte Ausgabe erschien am 27. Februar 1933. Nachfolger war die sogenannte "Nationalzeitung", Herausgeber ein Dr. Alfred Meyer. Nach dem 2. Weltkrieg ist es der SPD nicht wieder gelungen, für unsere Region eine sozialdemokratische Zeitung herauszugeben. Abgedeckt wird heute der Markt mit meist gegenströmigen Blättern.   

 

 

 

Quellen:

LWL: Presse bis 1933

Dari-Verlag Berlin 1928

Stadtarchiv