B E T H E L   H E N R Y   S T R O U S B E R G

  

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Bethel Henry Strousberg, ursprünglich Baruch Hirsch Strausberg, wurde 1823 in Neidenburg/Ostpreußen geboren. Er kam mit 12 Jahren in eine Lehre nach London, wo er im Zuge der Christianisierung den englisch gefärbten Namen annahm. 1861 ging er für ein Konsortium englischer Kapitalisten nach Berlin und vermittelte diesen die Konzession zum Bau der Tilsit-Insterburger Eisenbahn. Bald schon unternahm er selbst die Gründung von Bahngesellschaften und brachte den Bau von einem halben Dutzend großer Bahnlinien in Mittel- und Ostdeutschland, Ungarn und Rumänien zustande.

 

Die Finanzierung der Bauten führte er in einer Weise aus, daß die Lieferanten eine Beteiligung  an den neugegründeten Unternehmungen (Aktien) und dazu noch reichliche Gründungsgewinne erhielten. Strousberg wurde in wenigen Jahren ein reicher Mann und nahm in der Berliner Gesellschaft eine glanzvolle Stellung ein. Drei Jahre gehörte er auch als Mitglied der Konservativen Partei dem Norddeutschen Reichstag an. Als ehemaliger Journalist hielt Strousberg die Beziehungen zur Presse schon für wichtig, als viele ihre Bedeutung noch nicht recht erkannt hatten. Mit der Gründung der Tageszeitung „Die Post“ (siehe Abb.) schuf er sich sogar selbst ein Sprachrohr, das in der Öffentlichkeit ein günstiges Klima für seine vielfältigen, aber auch riskanten Unternehmungen schaffen sollte.

 

 

 

Längeren Bestand als seine Unternehmungen hatte die von

Strousberg gegründete Tageszeitung „Die Post“

 

 

 

Den ersten Anstoß zu seinem geschäftlichen Zusammenbruch gaben 1870 seine Unternehmungen in Rumänien, die er nach einem Konflikt mit der rumänischen Regierung liquidieren mußte. Die Anklagerreden Eduard Laskers im Preußischen Abgeordnetenhaus deckten schließlich das „Gründungs-System Strousberg“ in allen Einzelheiten auf. 1875 gerieten die Unternehmungen von Strousberg in Preußen, Österreich, Rumänien und Rußland in Konkurs. Er selbst wurde in Rußland wegen betrügerischen Bankrotts verurteilt und starb späterhin in kärglichen Verhältnissen. Trotz seines unrühmlichen Ausgangs hat Strousberg in der Entwicklung der deutschen Volkswirtschaft im 19. Jahrhundert eine große Rolle gespielt.

 

 

 

 

Quellen

 

Manfred Ohlsen: Der Eisenbahnkönig

Verlag der Nation Berlin 1987

Abbildung: Eigenbeleg

 

 

 

Für Ihren Besuch bedanke ich mich.