S A L M A N    S C H O C K E N

  

1 8 7 7   -   1 9 5 9

 

Deutscher Kaufhauspionier

 

 

 

 

Salman (eigentlich Salomon) Schocken wurde am 29. September 1877 in Margonin bei Posen geboren. Er gründete 1901 in Zwickau zusammen mit seinen Brüdern Julius und Simon den bekannten Warenhauskonzern unter Einbeziehung des angeheirateten Teils der Warenhaus Ury Gebrüder in Leipzig (s. Aktie). 1907 firmierte das Unternehmen erstmals als "I. Schocken Söhne" in Zwickau. 1909 - 1913 wurden Kaufhäuser in Aue (Bild links von 1914), Planitz, Meißen, Zerbst, Cottbus und Frankenberg eröffnet. Der Konzern verfügte 1933 über ein weit verzweigtes Filialnetz mit mehr als 30 Geschäften; alle außerhalb Berlins. Das Hauptbüro befand sich in Zwickau. 

 

Im November 1933 wurde der Warenhaus-Konzern in eine Aktiengesellschaft mit 4,2 Millionen Mark Kapital bei 3,75 Millionen Mark offenen Reserven umgewandelt. Dem Aufsichtsrat gehörte auch Julius Schocken, der Leiter der Bremerhavener Niederlassung, an. In deutschen Wirtschaftskreisen war Salman Schocken namentlich dadurch bekannt geworden, weil er die Grundfragen des Warenhauswesens in Schriften und Vorträgen vielfach erörterte und insbesondere die Warenhaus-Idee theoretisch fundierte.

                     

1931 gründete Salman Schocken den Verlag gleichen Namens. Er brachte bis 1938 etwa 150  Buchtitel heraus. Verlegt wurden u.a. die Autoren Leo Baeck, Martin Buber, Franz Kafka. Der Verlag wollte mit der Schocken - Bücherei das jüdische Schrifttum „aller Länder und Zeiten“ dem Leser in sorgfältiger Auswahl und Bearbeitung zu erschwinglichen Preisen anbieten.

 

Salman Schocken lebte bereits seit 1933 in Palästina und den USA. Eine Bibliothek mit über 50000 Bänden wurde von ihm in Jerusalem eingerichtet. Sein Sohn Gershom (Gustav) Schocken war Direktor des 1939 gegründeten Verlagshauses „Schocken Publishing House“ in Tel-Aviv sowie Verleger der Tageszeitung „Haaretz“ (Das Land) und Abgeordneter der Knesset. Samuel Schocken gründete 1945 in New York die „Schocken Books Inc.“.

 

 

 

 

 

     

  Portostufe 6,-- Mark gemäß Posttarif vom 1.10.1922 für Inflationsbriefe

im Fernverkehr, frankiert  mit einem waagerechten Paar der Serie Posthorn

ohne Unterdruck aus Mai 1922 vom Hauptbüro in Zwickau. 

 

  Rechts: Inflations-Postkarte, Porto 1,25 Mark im Fernverkehr gemäß Posttarif vom

1.1.1922 von einem Zweig der Familie Schocken, die im damaligen Bereich

Posen/Schlesien Handel betrieben. Frankiert wurde die Karte mit einer

50 Pfg. dunkelrötlichlila und einer 75 Pfg. lila der Germania-Ausgabe 1920.

 

 

  

   

Ansichtskarten aus dem Verlag Kaufhaus Schocken-Stuttgart,

links Glashaus-Treppenturm A, rechts Turm-Treppenhaus B.

 

 

       

Zur Nazizeit wurde der Warenhaus-Konzern Schocken  1938 „arisiert“ und firmierte unter dem Namen „Merkur AG“. Nach dem Krieg wurde es auf sowjetisch besetztem Gebiet ein „Konsum“, wobei die Machthaber der „DDR“ in den Publikationen alle Erinnerungen an Schocken untersagten.

 

1953 wurden die Warenhäuser im Westen an Helmut Horten verkauft (siehe a.a.O. „Arisierung“ Alsberg). Aus Merkur&Horten wurde dann die Horten AG. Nach Übernahme durch den Kaufhof (Leonhard Tietz a.a.O.) gehört alles heute zum Metro-Konzern.  Erst im Jahre 1995, Jahre nach der Vereinigung von zwei Teilen Deutschlands, wurde im Zwickauer Ortsteil Weißenborn ein kleiner Gedenkstein zu Ehren der Familie Schocken errichtet.

 

 

 

Die Einrichtung eines Ferienheims in Rautenkranz/Vogtland bot zahlreichen

Angestellten ein preiswertes Urlaubsquartier (Ansichtskarte 1920).

 

 

 

Die Schocken - Kaufhäuser in Stuttgart und Zwickau u.a. wurden vom Architekten Erich Mendelsohn (1887-1953) erbaut. Mendelsohn gehörte zu den bedeutendsten Vertretern des modernen Geschäftshausbaues.

 

Salman Schocken verstarb während einer Reise am 6. August 1959 in Pontresina. Der Großkaufmann, Volkswirtschaftler und Zionist setzte sich sein Leben lang für den Aufbau Palästinas ein. Die größte private Judaicasammlung und eine umfangreiche Kunstsammlung wurden von ihm hinterlassen.

  

Absenderfreistempel

 

Absenderfreistempel wurden 1920 anläßlich des Weltpostkongresses in Madrid für den internationalen Postverkehr zugelassen, wobei rote Stempelfarbe vorgeschrieben war (mit Ausnahmen). Diese Freimachungsform ist besonders interessant für Firmen mit hohem Postaufkommen und dient bei sauberen Abschlägen zugleich als Firmenwerbung. Die  Form der Absenderfreistempel hat häufig gewechselt und ist von Land zu Land unterschiedlich. Erfinder der Absenderfreistempelgeräte im Jahre 1897 war J. Baumann aus Regensburg in Bayern. 

 

 

 

 


Absenderfreistempel des Haupthauses in Zwickau (Sachsen) aus dem

Jahre 1931, der unverändert noch 1936 in Gebrauch war, obwohl die

„Arisierung“, der Raub jüdischen Eigentums bereits voll im Gange war.

 

 

 

 

Quellen

 

Doch das Zeugnis lebt fort/Verlag Leber Berlin 1965

Judaicasammlung M.

Neues Lexikon des Judentums/Schoeps 2000

Bebilderung Eigenmaterial

Aktie gem. Auktionsbeschreibung