J O S E P H   S C H M I D T

Tenor - Kantor

 

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Zum Todestag am 16. November

 

 

  

„Es wird im Leben, Dir mehr genommen als gegeben...!

Bezeichnender Titel eines von Joseph Schmidt gesungenen Liedes 

 

 

 

2004 wäre Josef Schmidt 100 Jahre alt geworden. Das, was an Lebensjahren weniger begnadeten Stimmen vergönnt ist, versagte das Schicksal diesem brillanten Sänger. Die Deutsche Post AG verausgabte 2004 zum 100. Geburtstag von Joseph Schmidt eine Gedenkmarke.

 

Joseph Schmidt wurde am 4. März 1904 in Dawideny, damals noch österreichisch, später rumänisch, heute ukrainisch, als Sohn eines Pächters geboren. Früh zeigte sich seine musikalische Begabung. Schon als Kind sang er in der Synagoge von Czernowitz. Nach ersten Studien in dieser Stadt führte ihn sein Weg nach Berlin. Trotz seiner immensen Begabung  war Schmidt  der Weg zur Opernbühne versperrt - er war ungewöhnlich klein.

 

 

 

 

Dawideny in der Bukowina (Buchenland),

Geburtsort von Joseph Schmidt:

Österreichischer Fingerhutstempel

auf 10Kr ultramarin/schwarz auf

 Ausgabe mit Doppeladler.

 

 

So debütierte er im April 1929 in einer Rundfunkaufführung von Meyerbeers „Afrikanerin“. Sein Erfolg war sensationell und innerhalb kürzester Zeit avancierte er zum absoluten Radiostar seiner Epoche. Innerhalb einer Zeitspanne von nur 8 Jahren durchlebte Joseph Schmidt unvorstellbare Triumphe. Insgesamt sang er  37 Opernpartien.  Er drehte auch Filme mit Musik der damaligen  Erfolgsautoren Hans May und Ernst Neubach. Mit der Premiere seines Films „Ein Lied geht um die Welt“ im Berliner Ufa-Palast am 9. Mai 1933 erreichte seine Popularität ihren Höhepunkt in Deutschland.

 

 

 

 

Joseph Schmidt besang Schallplatten der Firmen Parlophon und Ultraphon mit Musik aus Opern und Operetten.

Die Abbildungen zeigen Frankotyp-Absenderfreistempel der tschechischen Post und der Post des Deutschen Reiches.

 

 

 

Wegen der politischen Gegebenheiten in Deutschland  konnte Joseph Schmidt seit 1933 nicht mehr nach Deutschland zurück. Die Nazis verwehrten ihm den Zutritt zum Funkhaus. Mit seinen Gastspielreisen bereiste er danach die ganze Welt. Millionenfach gehen seine Schallplatten um den Erdball. Sein Publikum fand er auf Konzertreisen durch ganz Europa, im Orient, dem Nahen Osten und 1937 in den USA. 1942 flüchtete er illegal in die Schweiz, um einer Deportierung durch die Nazis zu entgehen. Er wurde in das Internierungslager Girenbad eingewiesen, wo er bald darauf am 16. November 1942, mittellos, von den Strapazen der Flucht gekennzeichnet und von den Ärzten schlecht versorgt, einem Herzanfall erlag. Zum 90. Geburtstag von Joseph Schmidt widmeten ihm die Freunde der Israelischen Briefmarke in Wien (FIB) den eingangs abgebildeten Sonderstempel mit den Noten eines seiner bekanntesten Lieder.

 

 

   

Die Grabstätte Joseph Schmidts in Zürich auf dem

           israelitischen Friedhof "Unterer Friesenberg".             

Foto: I. Mainczyk 1995

 

 

 

 

 Sonderbriefmarke zum 100. Geburtstag von Joseph Schmidt

und

Sonderstempel „Funk-Stunde“

Im Jahre 1921 prägte Hans Bredow das Wort „Rundfunk“. Die Verfügung des Reichspostministers  über  die Aufnahme des Unterhaltungsrundfunks ergeht am 24. Oktober 1923. Bereits zum 29. Oktober 1923, 20 Uhr, geht die Radio-Stunde AG (ein Jahr später: Funk-Stunde) im Berliner Vox-Haus, Potsdamer Straße 4, auf Sendung (Welle 400m, 0,25 kW). Die „Funk-Stunde AG“ gehörte zum reichsweiten Verbund für den Programmbetrieb.

 

 

       

Sonderstempel mit fehlendem „S“ bei Erstau(s)gabe sowohl im Berliner-

als auch im Bonner Stempel. Die Stempel wurden unverändert weiterverwendet.

Unverständlicherweise wurde die Marke auch noch im unsäglichen Braundruck hergestellt.

 

 

 

Filmprogramm zum Joseph Schmidt-Film von 1933. Die Musik stammt von Hans May, Produzent war Richard Oswald.

Für alle drei endete mit diesem Film ihre Karriere in Deutschland. Als Juden mußten sie Deutschland verlassen. 

 

 

Für viele Künstler war die Funk-Stunde Sprungbrett für deren Karriere. Auch Joseph Schmidt sang bei der Funk-Stunde. 1933 begann die „Funk-Stunde“ eine neue Reihe von Interviews mit Künstlern des Rundfunks. Joseph Schmidt fiel die Ehre zu, der erste dieser Portraitierten zu sein. Es war  das Jahr, wo  hernach  landesweit nur noch linientreue Stimmen zu hören waren. Die Karriere Josephs Schmidts in Deutschland ging eben in diesem Jahr abrupt zu Ende.

 

 

Programmheft zur Ernst Neubach Filmproduktion von 1958, die den Filmtitel

von 1933 mit der Musik von Hans May wieder aufgriff. Der Filmbiographie,

laut Vorspann aus dem Leben nacherzählt, war nur geringer Erfolg beschieden,

trotz großartiger schauspielerischer Leistung von Hans Reiser in der Rolle

von Joseph Schmidt. Die Mutter von Joseph Schmidt spielte Annie Rosar.

 

 

 

 

Herzlichen Dank  für Ihre Aufmerksamkeit und viel Spaß

beim gemeinsamen Steckenpferd

Judaica, Philatelie und postalische Zeitgeschichte!