Schiffshebewerk Henrichenburg

Post und Geschichte

 

  

In der Bauerschaft Oberwiese, die zur Stadt Waltrop gehört, an der Grenze zu Datteln und Castrop-Rauxel, befindet sich das „Alte Schiffshebewerk“ von 1899. Eigentlich war die Anlage auf  Henrichenburger Gebiet geplant. Aus verwaltungstechnischen Gründen aber wurde die Anlage dann auf Waltroper Gemeindegebiet gebaut. Im Zuge der vorangeschrittenen Planungen und der damit verbundenen Verfestigung des Namens „Henrichenburg“ in  den öffentlichen Unterlagen beließ man es bei dieser Namensgebung - bis heute.

 

 

Colorierte Ansichtskarte, die das „Alte Schiffshebewerk“

von der Unterseite um 1910  zeigt.

 

 

Zum Überwinden eines Höhenunterschiedes von rund 14 Metern im Verlauf des Dortmund-Ems-Kanals am o.g. Ort entschloß man sich, keine Schleuse, sondern ein Hebewerk zu errichten. Das hatte den Vorteil, daß beim Schleusengang nur wenig Wasser verloren ging. Bei den zahlreichen Schleusungen ein erheblicher Kostenpunkt.

 

Das am 11. August 1899 durch den damaligen Kaiser Wilhelm II. eingeweihte „Schiffshebewerk“ - ein für die  Zeit nach Größe und Bauart einmaliges technisches Wunderwerk - ist zu einer bleibenden Sehenswürdigkeit und zu einem beliebten Ausflugsziel als Industriedenkmal geworden. Zur Schulzeit des Verfassers in den 50er Jahren  war es freudige Pflicht, das Schiffshebewerk mit der Schulklasse zu besuchen.

 

 

Das alte Schiffshebewerk vom Oberwasser 1955 und Blick auf den Trog zum Unterwasser 1952.

 

 

Das Bauwerk wurde als Schwimmhebewerk errichtet. Die zu hebenden oder zu senkenden Schiffe fuhren hierbei in einen mit Wasser gefüllten Trog ein, dessen Gewicht durch 5 Schwimmer (luftgefüllte Eisenbehälter) getragen wurde, die sich in fünf Tiefbrunnen von 30 Metern Tiefe schwimmend auf und ab bewegten.

 

Der Hebe- oder Senkvorgang wurde durch die Ab- oder Zugabe einer kleinen Menge Wasser  in den Trog  und nur mechanisch ohne Energiezufuhr  bewerkstelligt. Dieses mehr als 100 Jahre alte technische Denkmal ist auch ein Zeichen qualitativ guter Arbeit  der ausführenden Firma Haniel und Lueg aus Düsseldorf. Ein Blick in Vergangenheit dieser Region weist den Weg für die Zukunft der ansässigen Firmen - Qualität und nicht Quantität - doch wer schaut schon  zurück?

 

 

Landpoststelle Schiffshebewerk

 

 

     

 

 In Oberwiese am Hebewerk gab es eine Landpoststelle (1944 bis Anfang der 1960er Jahre).

Vorher wurde der anfangs gezeigte Poststempel Schiffshebewerk verwendet, der beim Postamt Waltrop geführt wurde.

Der aufzugebenden Post wurden die oben gezeigten Dreizeiler beigesetzt als Hinweis auf den Aufgabeort.

Das nächstliegende Postamt, u.a. auch Recklinghausen, stempelte dann die Marke mit einem Poststempel ab.

Eingerückt wurde ein relativ seltener Einschreibeklebezettel der Landpoststelle.

Später wurden dann beim Postamt in 4355 Waltrop verschiedene Handwerbestempel

mit Hinweis auf das Schiffshebewerk eingesetzt.

 

 

 

Der Trog hatte eine Länge von 68, eine Breite von 8,6  und eine Wassertiefe von 2,5 Metern. Damit konnten Schiffe bis 750 Tonnen geschleust werden. Bis zur Außerbetriebsetzung des Schiffshebewerkes im Jahre 1970 erfüllte es ohne wesentliche Störungen seinen Dienst. Mittlerweile sind noch drei Hebewerke hinzugekommen: zwei Schachtschleusen (das Bild zeigt die stillgelegte alte Schachtschleuse) und das neue Hebewerk mit zwei Schwimmern, die je nach Bauzeit den aktuellen Beförderungszahlen Rechnung trugen. Auch das neue Hebewerk steht im Jahre 2006 vor der Schließung, so daß nur noch die neue Schachtschleuse den Betrieb aufrecht erhält.

 

 

Die alte Schachtschleuse Sommer 1950 vom Unterwasser gesehen.

 

 

 

Quellen

Broschüre Hebewerk Wasser- und Schiffahrtsdirektion West

Archivmaterial - Bebilderung