Edmund Billmann

Arenbergischer Regierungsdirektor und Geheimer Rat

 

1770 - 1811

 

 

Zur Person und zu Korrespondenzen aus den Jahren 1807 bis 1811

 

Im Februar 2011  jährte sich der 200. Todestag von Eduard Billmann.

An diesen für seine Zeit verdienstvollen Mann möchte diese Ausarbeitung erinnern.

 

 

 

Gerichtet war der nächst abgebildete Brief an den Regierungsdirektor und Geheimen Referendar Billmann in Recklinghausen. Geboren wurde er am 7. August 1770 und bekam bei der Taufe den Vornamen  „Edmund“. Nach  Beendigung seiner juristischen Studien an den Universitäten Duisburg und Köln promovierte Edmund Billmann zum Dr. jur. und wurde 1792 als Referendar beim kurkölnischen Hofgericht in Recklinghausen angestellt.

 

Billmann war ein Mann von glänzender geistiger Begabung und ein bedeutender Verwaltungsbeamter. Er leitete die Geschicke im Vest Recklinghausen, mit an erster Stelle der Regierung stehend aus der kurkölnischen Zeit durch die Säkularisation, dem Herzogtum Arenberg bis ins Großherzogtum Berg.  Auch als der Herzog von Arenberg seine Souveränität am 13. Dezember 1810 verlor, führte Dr. Edmund Billmann, mit allen Vollmachten ausgestattet, trotz angegriffener Gesundheit die Regierungsgeschäfte des mediatisierten (unterworfenen) Herzogs weiter.

 

 

Brief an den Regierungsdirektor Billmann "frey bis Dörsten"

mit einzeiligem bergischen Textstempel "ELBERFELD"

 

 

 

Düsseldorf, den 8. Oktober 1807

S.G.

Gestern wurde mir beiliegendes

Dupli (Doppel) insinuiert (angedeutet). Sorgen Sie gefälligst,

daß ich die Rechnung des Regierungsrats

Billmann ad exhibendum* erhalte.

CM Monten

 

Die eingelangte Rechnung wollen Ew. Wohlgeboren

dem Monten zugehen lassen. Mein letztes Schreiben

seither 14 Tagen her werden Sie wohl erhalten haben,

jetzo gehet allhier das Gespräch, daß Ew. ...

der Herzog von Arenberg das bergische wohl

kriegen sollte. Schreiben Sie mir, ob selbiges wahr

sein könnte, ich empfehle mich gehorsamst zu allen

und verfare wie allezeit

dero gehorsamster

Scriba

11. oct. 1807

 

 

*ad exhibendum: in der Art und Weise

 

Seine rechte Hand bei allen Regierungsgeschäften war der Geheime Referendar und Hofgerichtsrat Friedrich Carl Devens (a.a.O.), der spätere erste Vestische Landrat und Schwiegersohn Billmanns. Der hochverdiente Dr. Billmann starb am 16. Februar 1811 an  einem Nervenfieber. Seiner Witwe gewährte der Herzog von Arenberg unter dem 15. September 1811 „aus besonderer Rücksicht“ eine lebenslange Pension aufgrund der „geleisteten treuen Dienste“ ihres Gatten.

 

Dr. Edmund Billmann hinterließ drei Söhne und vier Töchter. Die älteste Tochter (siehe nachfolgende Korrespondenz Billmann 1810 und 1811 nach Aachen), Franziska Gertrud Antoinette (1796-1863) vermählte sich am 3. September 1821 mit dem wirklichen Hofgerichtsrat Friedrich Carl Devens. Sie verstarb auf Schloß Welheim bei Bottrop (heute abgerissen, wie viele andere Herrenhäuser auch).

 

Der älteste Sohn Friedrich (1798-1870), Fritz genannt in einer Korrespondenz  Billmann von 1821 nach Pont-a-Celles/Belgien (a.a.O.), war Königlich Preußischer Justizkommissar in Recklinghausen. Er war vermählt mit Susanne von Lausden. Der zweite Sohn Christoph (1801-1830), ebenfalls  erwähnt in der vorgenannten Korrespondenz, war  Justizkommissar in Dorsten und verheiratet mit Wilhelmine de Wollf. 

 

Die Vorfahren der Familie Billmann waren über Jahrhunderte in Kurköln und dem Vest Recklinghausen dem Juristen- und geistlichen Stande verbunden. Der Familienzweig des Regierungsdirektors Dr. Edmund Billmann allerdings ist ausgestorben.

 

 

 

Post aus dem

Herzogtum Arenberg  ins  Großherzogtum Berg

 

 Portofreier Dienstbrief mit Franchise „L.D.S.“ (Landes-Dienst-Sache)  und

einzeiligem bergischen Postwärterstempel „Meppen“ mit Punkt am Zeilenende an:

         Snr (Seiner) Wohlgeboren

Herrn Rgs. Director u. Geheimen Referendar

                                         Billmann

L.D.S.

                                           Recklinghausen

 

 

Die Postexpedition Meppen war dem Postamt Lingen im Departement der Ems unterstellt. Es war großherzoglich bergisches Postgebiet, lag aber auf fremdem Staatsgebiet im Herzogtum Arenberg. Die Verträge zur Einverleibung des Herzogtums Arenberg in das Großherzogtum Berg aus dem Jahre 1809 hatte Napoleon im März 1810 noch nicht ratifiziert. 

 

Zum 13. Dezember 1810 wurden dann die Gebiete nördlich von der Mündung der Lippe in den Rhein der kaiserlich französischen Post abgetreten. Napoleon hielt diese Maßnahme zur strengeren Durchführung der gegen England gerichteten Kontinentalsperre für notwendig. Der Postexpediteur zu der Zeit in Meppen hieß Frye. Er hatte ein Jahresgehalt von 220 Francs.

 

 

 

Korrespondenz mit der Tochter Antonett in Aachen

 1 8 1 0

  

 Rote Briefstempel der bergischen Postexpedition Recklinghausen und des

Leitpostamtes Dorsten sowie einzeiliger Stempel R.N.2. (2. nördlicher Bezirk).

Rayonstempel wurden zur besseren Gebührenfestsetzung angebracht.

Beigesetzt ein dreizeiliger Grenzübergangsstempel „Allemagne par Neuss“,

da der Brief  nach Aachen ins Kaiserreich Frankreich ging. Adressat war das 

Fräulein Billmann im Pensionat Sankt Leonhard in Aachen, rue de borcette.

 

Letter to Aix-la-Chapelle with undated hand-stamps „Recklinghausen“ and

„Dorsten“ (head post-office), rayon charge mark „R.N.2.“ and „Allemagne par Neuss“

 three-line-stamp for the frontier crossing to the empire  of France.

 

Lettre 1810 avec marques postales de Recklinghausen et Dorsten

(bureau principal), marque postale taxée „R.N.2.“ (Rayon nord 2) et marque postale

de trois lignes „Allemagne par Neuss“ pour le passage de la frontière

à Aix-la-Chapelle vers l’Empire français.


 

     Briefinhalt

 

   

Leseabschrift des Briefes von 1801 (1810). Bei der Datierung handelt es

sich um einen offensichtlichen Schreibfehler. Der Brief wirft

einige interessante politische Aspekte im Großherzogtum Berg

auf und gibt Einblick in die Familieverhältnisse. 

 

 

 

 

 

Seite 1

 

Die Lands Veränderung von Meppen und Dülmen

ist Dir bekannt, Devens hat mir gesagt daß er

Dir geschrieben hätte, und hat mir dabei versichert,

er hätts Dir in solcher Art geschrieben, daß Du

gar nicht brauchst besorgt zu sei, ist dieses war,

schreibe es mir doch, Du kannst ja ein apartes Zettel-

chen rein legen. Wie kommt es, daß Devens so lange

keinen brief von Dir erhalten hat. Ich hoffe doch

nicht, daß Du noch krank bist, dieses macht mich oft

recht besorgt. Wenn Du nicht wohl bist und Deine Sache

sich nicht ganz ordentlich einstellt, dann mußt Du oft

ein fußbad nehmen, und wenn es erforderlich ist,

so mußt Du einen Arzt brauchen, schreibe mir hier über.

Papa last dich viel schönes sagen, er ist die weih-

nachts Tage mit Devens nach Welheim gewesen

und auch nach Oberhausen. Das das fest (Vest) wechgehen

soll weiß mann noch gar nicht, wenigstens von

Paris aus schreiben sie nichts davon, und hieraus

sollte mann vermuten, daß wier blieben, und

unser Herzog noch was dazu kriegte, wier wollen

das beste hoffen, Dein Vater hat noch guten Muth,

wenn wir auch sollen bergisch werden, so hoffe ich,

der Hiemmel wird doch für uns sorgen,

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seite 2

 

auf gott muß mann sein Vertrauen setzen und

sich fleißig zu ihm hinn wenden, ich danke dem

almächtigen,  das unser gute und liebe Papa geschickt

und fleißieg ist, und Devens hat auch nichts zu

fürchten, er wird auch sein Brot wieder finden.

Daß Du ihm so gut bist und ihm recht lieb hast, freut

mich sehr und ich hoffe, der Himmel wird Dich auch

glück und segen geben. Daß Du wieder tanzen lernst,

ist recht gut, halte Dich doch dran, wenn es immer

möglich ist; denn es ist sehr nützlich und auch eine

gute bewegung, wenn Du gelegenheit hast, dann

lerne doch etwas singen. Herr Sruba ist gar nicht

wohl, ich bin bange, er macht es nicht lange mehr.

Die Großmutter befiendet sich auch nicht gut,

sie muß schrecklich husten, was soll mann machen,

sie ist eine alte frau und hat ihre Kinder

versorgt. Du erhälst hier einen brief von finchen

er ist schon recht alt, Devens hat ihn immer

vergessen ein zu schließen, Du mußt Dir bei

finchen hier von nichts merken lassen, Dein Vater

und auch die Kinder wünschen Dir mit mir einen

glücklichen ausgang vom alten Jahr und einen

fröhlichen eingang im Neuen jahr, adieu

liebe Antonett, bleibe gesund, dieses wünscht

Dir Deine Dich ewig liebende Mutter

A. Billmann

Viele tausend Grüße von die

Großmutter

Recklinghausen 20ten December

1801 (1810)

 

 

Recklinghausen - Aachen

 1 8 1 1

 

Ähnlicher Brief aus der gleichen Korrespondenz und Adresse in Aachen im damaligen Kaiserreich Frankreich. Auffallend ist, daß die Postbediensteten  zum Teil sehr nachlässig mit den Poststempeln umgegangen sein müssen; entweder die Stempel wurden zu fett aufgesetzt oder sie wurden nicht sauber abgeschlagen. Dessen ungeachtet haben die Briefe ihr Ziel erreicht. 

 

 

 

Letter 1811 to Aix-la Chapelle in the empire of France,

similar to the previous cover. 

Lettre analogue pour  Aix-la-Chapelle 

pour  l’Empire français 1811.

 

 

 

Beide Briefinhalte betrafen Familienangelegenheiten. Der erste Brief, geschrieben von der Mutter,  wurde irrtümlich auf 1801 datiert. Richtig ist aber 1810. Der zweite Brief stammt vom Vater. Das war der „Herzoglich Geheime Rat und Regierungsdirektor Dr. Jur. Edmund Billmann“. Die Familie wohnte auf der Breite Straße 5. Fünf Kinder zählte die Familie. Franziska Gertrud Antoinette Billmann, das älteste hier angeschriebene Kind, geboren am 27. März 1796,  vermählte sich am 3. September 1821 mit dem wirklichen Hofgerichtsrat Friedrich Carl Devens, dem späteren ersten Vestischen Landrat. Sie starb am 13. Oktober 1863 auf Schloß Welheim bei Bottrop. Die Familie des Regierungsdirektors Dr. Edmund Billmann ist ausgestorben.

 

      

 

Briefinhalt

 

   

Leseabschrift des Briefes

vom 22. Januar 1811

 

 

Der Brief wird mit Zeilen der Mutter eingeleitet und schließt mit denen des Vaters, rund einen Monat vor seinem Tod am 16. Februar 1811.  

Das Adieu läßt darauf schließen, daß Billmann sein nahes Ende kommen sah.

 

 

Liebe Antonett

  

Sehr angenehm war mir Deinen letzten Brief

in dem er mir die Versicherung von der völigen

herstellung Deiner gesundheit gab. Neues

kann ich Dir nichts schreiben, es ist hier alles stielle,

als daß wir hier im Hause alle gott lob noch gesund

sind. Devens sein Nahmenstag ist wie ich

glaube denn 5ten Merz, es wäre doch wohl schicklich,

wenn Du ihm dann etwas von Deiner Handarbeit

schicktes, Du mußt aber so etwas wehlen was nicht

so viel gastgeld kostet. Vorigen sonntag war

ball, wo aber nur scharpanict seine schülerinnen

tanzten. Die Kinder machten aber ihre sache

so schön, daß es würcklich die mühe werth war, es

zu sehen, lisette ist die Meisterin, sie wurde

allgemein bewundert, die leichtigkeit ihres

Körpers und überhaupt ihr ganzer anstand

ist sehr schön, adieu Liebe Antonett lebe recht

wohl, ich Küsse Dich herzlich und bin ewig Deine

wohl meinende Mutter auch viele Grüße von

die Kinder.

 

 

 

Zeilen des Vaters

 

Von Tag zu Tag war ich Willens, dir auf

den Neuhjahrs Wunsch französisch zu antworten,

 

Seite 2 

 

der große Wust meiner Geschäfte hat es aber

nicht erlaubt. Neues gibt es nicht sonderlich

viel, außer daß die Sache wider Capelle

und Consorten nunmehr entschieden ist.

Straube ist losgesprochen, Kock auf Lebens-

zeit zum Zuchthause, und Capelle zum

Tode des Stranges verurtheilt worden.

Letzterer sucht jetzt Begnadigung beim Fürsten nach.

Die gute Großmutter ist noch immer

krank; das immerwährende Husten

und Auswerfen schwächt sie so, das sie

fast nicht auf sein kann; ich fürchte,

daß es kein gutes Ende nimmt, indeß

was soll man thun, Sie ist eine alte

fromme Frau, die ihre  Kinder ver-

sorgt hat, und für sich keine Anhäng-

lichkeit an einem siechen Leben haben

kann, welches mit beständigen Körper-

lichen Schmerzen verbunden ist. Ihr

Muth und ihre Geduld sind immer

noch gleich groß.

Adieu liebe Antonett, ich bin

ewig Dein Vater

 

22. Jenner 1811

 

Billmann

 

 

 Die Leseabschriften sind sprachlich ohne Korrekturen wiedergegeben.


In Verbundenheit zu unseren lieben Freunden in den Partnerstädten

wurde versucht, die philatelistischen Beschreibungen

der Briefe teilweise in englisch und französisch wiederzugegeben.