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M A X      A R N H O L D

 1 8 4 5   -   1 9 0 8

 Bankhaus Gebrüder Arnhold

 

 

 

  

 Reichspost-Absenderfreistempel Frankotyp,

Portostufe für Briefe im Ortsbereich

 

 

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts veränderte sich rasant das wirtschaftliche Leben in den deutschen Staaten. Insbesondere die Metropolen zogen tatkräftige Menschen an. Industrie und Handel nahmen ernormen Aufschwung. Zu den zahlreichen Neugründungen gehörten auch Privatbanken. Ein junger Mann aus Dessau erkannte diese Chance. Max Arnold, 1845 in Dessau als Sohn jüdischer Eltern geboren,  gründete 1864 als knapp Zwanzigjähriger in Dresden eine Bank. Sein Kompagnon war bis 1876 Ludwig Philippson. Begonnen wurde mit vier Mitarbeitern. Das Bankhaus entwickelte sich zu einem führenden Unternehmen. Der Hauptsitz des “Bankhauses Gebrüder Arnhold“ befand sich im Zentrum der Stadt an der Waisenhausstraße 20/22.  Später gab es noch zwei Zweiggeschäfte in der Neustadt an der Hauptstraße sowie im Ortsteil Plauen an der Chemnitzer Straße 96. Dazu kam eine Berliner Repräsentanz, die vom Familienmitglied  Hans Arnhold geleitet wurde.

 

1881 wurde die Bank M. Schie, 1897 die Koppel & Co. integriert. Geschäftsbeziehungen unterhielt die Bank auch zum Ausland, insbesondere nach Österreich, der Tschechoslowakei, Holland, Großbritannien und den USA. 1925 beteiligten sich Gebr. Arnhold zusammen mit der Morgan Bank, New York, an der Bankgesellschaft M. L. Biedermann & Co. in Wien. Dieses Bankhaus geht auf eine Gründung durch Michael Lazar Biedermann im Jahre 1792 zurück.

 

 

 

Firmenbrief (Ausschnitt) mit Absendereindruck und Postfreistempel,

Inflations-Portostufe zu 1000 M  für Briefe bis 20g  im Fernverkehr

gem. Tarif vom 1.8.1923, einen Tag vor Portoerhöhung auf  20 000 M.

 


 

Zum 50jährigen Bestehen im Jahre 1914 präsentierte sich die Bank Gebr. Arnhold in bester finanzieller Verfassung. Die Bedeutung des Hauses resultierte vor allem aus zwei Geschäftszweigen: aus Emissionsgeschäften verschiedenster Art (Aktien/Obligationen u.a.), sowie aus der Förderung (Finanzierung) von Industrie und Handel. Ein spezielles Interesse galt dem Brauereiwesen, was sich in Gründung einer „Bank für Brauereiwesen“  und mit dem Engagement für die Keramik- und Porzellanindustrie dokumentierte. Anerkennung erwarb sich das Bankhaus Gebr. Arnhold auch mit sozialem Einsatz. 1899 wurde der „Gebrüder Arnholdsche Pensionsverein“ zur Alters-, Witwen- und Waisen-Versorgung der Angestellten des Bankhauses gegründet. Im 1. Weltkrieg wurden Mittelstandsküchen eingerichtet, und in der Inflationszeit gab es Kinder- und Rentnerspeisungen. Zu 75 % finanzierte das Bankhaus das 1926 eröffnete „Georg-Arnhold-Bad“, welches die Nazis dann in „Güntzwiesenbad“ arisierten.

 

 

Frühe Reichspost Absenderfreistempel Frankotyp

mit mittig angeordneten Zählziffern klein und groß,

enger und weiter Abstand zwischen Wertrahmen und Stempelkopf.

 

 

Nach dem Tod von Max Arnhold im Jahre 1908 übernahm sein Bruder Georg vorerst als Alleininhaber das Bankhaus. Er war ein Motor der wirtschaftlichen Entwicklung und beeinflußte entscheidend den Aufschwung. Als Königlich Sächsischer Geheimrat saß er als Aufsichtsrat in vielen Unternehmungen, war Konsul von Württemberg, Förderer zahlreicher Vereine und engagierte sich mit seiner Frau 1899 in der Deutschen Friedensbewegung, ebenso in der Esperantobewegung. Große Summe spendete er für das Gemeinwohl. Georg Arnhold starb im Jahre 1926. Sein Sohn Adolf trat an die Spitze der Bank, die nun rund 500 Mitarbeiter zählte.

 

 

   

Reichspost Absenderfreistempel Frankotyp links mit mittig angeordneten großen Zählziffern

der Repräsentanz Berlin – Auslandsportostufe.

Absenderfreistempel rechts mit hochstehenden kleinen Zählziffern

der Repräsentanz Berlin – Auslandsportostufe.

 

 

 

Die Machtübernahme durch die Nazis bedeutete auch für das Bankhaus Gebrüder Arnhold das Ende. Die Nachfahren mußten Deutschland verlassen und faßten in anderen Ländern Fuß. Dort profitierten die aufnehmenden Staaten vom Fleiß, der Intelligenz und dem Engagement der Familienmitglieder  Arnhold.

 

Die enteigneten Grundstücke u.a. wurden im Zuge der Zusammenführung der beiden Teile Deutschlands gemäß Einigungsvertrag an die jüdischen Alteigentümer zurückübertragen. Die Geschäfte auf Dresdener Terrain werden von der Privatbank „Arnhold and Bleichröder“ in New York, Besitzer Henry Arnhold, geleitet.