Arbeiter-Turn-  und Sport-Bund

ATSB

 

 

Vor über 90 Jahren:

1. Deutsches Arbeiter- Turn- u. Sportfest  Leipzig 1922

 

 

 

 

Spendenvignetten zum 9. Bayerischen Arbeiter-Sängerfest 1914 in München.

 

 

Ende des 19. Jahrhunderts entstanden im Kaiserreich zahlreiche Arbeiterturnvereine als Gegenbewegung zur nationalistischen Deutschen Turnerschaft, die den Arbeitern wenig aufgeschlossen gegenübertraten. 1893 gründete sich in Gera der Arbeiter -Turnerbund (ATB). Nach dem I. Weltkrieg wurde der Bund in Arbeiter- Turn- und Sportbund (ATSB) umbenannt. Er war Dachverband vieler Arbeitervereine. In der Weimarer Zeit wuchs die Arbeiter-Turn- und Sport-Bewegung zu einer Massenbewegung von über 1,2 Millionen Mitgliedern an. 1922 wurde in Leipzig das 1.  Deutsche Arbeiter Turn- und Sportfest ausgerichtet. Es folgte das 2. Bundesfest vom 18. bis 24. Juli 1929 in Nürnberg. In Leipzig wurde 1926 die Bundesschule des ATSB eingerichtet. Diese Schule wurde zu einem großen Teil aus Sondermitgliedsbeiträgen finanziert. Die eigene Schule ersparte somit gemeinsame Lehrgänge mit den bürgerlichen Verbänden. Denn die bürgerlichen Verbände waren zu jener Zeit immer noch monarchistisch geprägt und diskriminierten mit ihrer Gesinnung die sozialistischen Sportler als „Novemberverbrecher“.

 

 

Arbeiter-Turnfeste

 

Zu Pfingsten, am 25. Mai 1912 findet das erste süddeutsche Arbeiter-Turnfest in Nürnberg statt. Die Betreuung des Großeinsatzes obliegt dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB a.a.O.). Arbeiter-Turnvereine aus ganz Süddeutschland kommen zu diesem Fest. Im gesamten Deutschland existieren 1912  250 Vereine mit über 200.000 Mitgliedern. Eine stolze Bilanz für den Arbeiter-Turner-Bund.

 

 

 

 

Sonderstempel  1. Deutsches Arbeiter- Turn- u. Sportfest  Leipzig 1922 auf Freimarke

von 1921 Arbeitergruppen, hier Schnitter, Inflations-Portostufe 150 Pfg. im Fernverkehr

auf Ansichtskarte vom Reichsgericht in Leipzig.

 

Leseabschrift der Karte:

23.7.22

Meine Lieben!

Komme Dienstag früh gegen 6 Uhr

erst an, von Richtung Gotha. Ab-

holen braucht Ihr mich nicht,

finde den Weg noch ganz gut.

Euer Günter Matthes.

 

Freundl Gruß erlaubt sich

Karl Wegnarek

 

 

 

Fotokarte vom Festumzug

 

 

 

Eindrücke von der

I. Internationalen Arbeiter-Olympiade

 

 

Arbeiter-Wintersport-Olympiade

 

1925 wurde diese Veranstaltung in  Scheiberhau im schlesischen Riesengebirge abgehalten.

Dem folgte die 1. Internationale Arbeiterolympiade in Frankfurt/Main vom 24. bis 28. Juli 1925,

die beide vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) betreut wurden.

 

 

 

 

 

 

 

 

Bericht zu den Vorbereitungen der Arbeiter Sommer-Olympiade 1925 in Frankfurt am Main

 

 

 

 

 

Nur knapp sieben Jahre hatte die Schule Möglichkeit, Übungs- und Jugendleiter des ATSB zu schulen und auszubilden. Nach der Machtergreifung der NAZIS besetzte die SA im März 1933 die Bundesschule der SPD nahestehenden Sportvereinigung und liquidierte/enteignete  den gesamten Arbeitersport. Damit war das Ende besiegelt.

 

Während andere Organisationen nach dem Kriege ihre eigenen Verbände wieder einsetzten, die bis heute Bestand haben, verzichtete die SPD unter Kurt Schumacher darauf - vorgeblich zugunsten einer demokratischen und freiheitlichen Einheitsbewegung, dem "Deutschen Sportbund". Eine Frage stellt sich in diesem Zusammenhang: „Welchen Nutzen hatte der Verzicht für die Sozialdemokratie?“. Die Antwort: „Keinen Nutzen!“ Die Einbringung brachte kaum sozialdemokratischen Einfluß  zustande. Der DSB und seine Nachfolger sind immer noch gegenströmig ausgerichtet. Ein ähnliches Verfahren spielte sich später mit der sozialistischen Jugend "Die Falken" ab.

 

 

 

Arbeiter-Theater-Bund

 

Die Bestrebungen der Arbeiterschaft auf diesem Sektor tätig zu werden, stoßen im Kaiserreich meist auf materielle und politische Schwierigkeiten. Der „bürgerliche Theaterbetrieb“ verschließt sich ihnen weitgehend. 1906 schließen sich die verschiedenen Arbeiter-Theater-Gruppen zu einem Deutschen-Arbeiter-Theater-Bund zusammen. Auch für den ASB entwickelt der Arbeiter-Theater-Bund Theaterstücke, die bei Kolonnen-Feiern und Jubiläen zur Aufführung kommen.

 

 

Brief aus der Schweiz an den Jahn-Verlag in Leipzig. 

Im Wappen die Losungsworte der Schweizer Vereinigung: Frisch - Frei - Stark - Treu.

Der 1910 von Alfred Jahn gegründete Verlag war bis 1933 der bedeutendste sozialistische Arbeiter-Dramen

und Singspiel-Verlag in Deutschland. Alfred Jahn, 1886 geboren, war seit 1907 Mitglied der SPD.

Die 30 Rappenmarke Wilhelm Tell wurde mit einem Einkreisstempel Bern-Bahnhof vom 22.6.25 - 14 entwertet.

 

 

Arbeitersport

2. Bundesfest 1929

  

 

3 Pfg. Goethe-Freimarke mit Endlos-Werbestempel Nürnberg 4.2.29-11.

8 Pfg. Auslandsfrankatur Reichspräsident Ebert entwertet mit einem Maschinenstempel zum gleichen Anlaß.

 

 

 

 

 

Nachverwendete Festkarte zum Arbeiter-Sängerfest in Hannover von 1928 mit Ansicht des Volksheims in Hannover.

Frankiert ist die Karte mit einer Nothilfemarke vom 2. Februar 1932 Abb. Zwinger in Dresden mit Aufdruck des neuen Wertes

und des Zuschlags auf der ursprünglichen Nothilfemarke der Ausgabe Bauwerke vom 1. November 1931.

Postkarte 5 Pfg. von 1924, Abb. stilisierter Adler, entwertet mit einem Werbestempel:

"1. Südwestddeutsches/Arbeiter-Turn-/u. Sportfest/vom 4-6-8. Mannheim".

 

 

 

Arbeiter-Ruder-Sport

 

1892 in Berlin gegründet unter dem Namen  „Vorwärts“ mit einem eigenen Mitteilungsblatt. 1919 gab es 475 Mitglieder. 1921 Anschluß an den Arbeiter-Wasser-Sport. Mit diesem Verband gehen sie 1921/22 zum Arbeiter-Turn- und Sportbund und bilden eine eigene Sparte.

 

Arbeiter-Schwimmer-Bund

 

In Berlin wird durch die Vereine „Neptun Weissensee“ und „Vorwärts Berlin“ am 21. Nov. 1897 der Arbeiter-Schwimmer-Bund gegründet mit einen eigenen Organ, der „Arbeiter-Schwimmer-Zeitung“. 1906 werden die ersten Vereine außerhalb Berlins gegründet (Kassel, Leipzig, Breslaus und Elberfeld). 1912 gibt es 42 Ortsverbände.

 

Arbeiter-Segler

 

Mit dem Zusammenschluß von Arbeiter-Vereinen im „Berliner Wett-Segel-Verband“ wird der Verband Freier Segler gegründet. Als Symbol der Arbeiter-Segler gilt ein roter Ball im weißen Feld. 1925 treten die Arbeiter-Segler der Zentralkommission für Arbeitersport- und Körperpflege bei. 1929 gibt es 33 Ortsverbände mit 1915 Mitgliedern und 1346 Booten.

 

 

 

Quellen

 

Arbeiter Olympiade 1925 Verlag Fr. Wildung Berlin

Belege eigene Sammlung

Michel Ganzsachen Katalog Deutschland