Zum 90. Geburtstag

 

 

 

 

Rolf Abrahamsohn 

 

Geboren wurde Rolf Abrahamsohn am 9. März 1925 in Marl-Hüls als zweiter von drei Söhnen des Kaufmanns Artur Abrahamsohn und seiner Ehefrau Else. Er besuchte die evangelische Schule in Marl-Brassert bis zur Pogromnacht 1938. In dieser Nacht wurde sein Vater von SA - Schergen zusammengeschlagen und dessen Textilgeschäft angezündet. Das Geschäft wurde "arisiert", und die Familie mußte Marl verlassen. Kurz nach der Pogromnacht wurde Rolf Abrahamsohn von den Nazis verschleppt, erst in das Ghetto - Riga in Lettland, dann in ein KZ. Weiter ging es nach Stutthoff bei Danzig, von dort nach Buchenwald. Zwischendurch mußte Rolf Abrahamsohn in Bochum Bomben entschärfen. Mit 15 Jahren kam er ins KZ, mit 20 Jahren befreiten ihn die Russen auf der Festung Theresienstadt.

 

 

Die Werbeanzeige „Arthur Abrahamsohn“ wurde erst kürzlich

in einer Jubiläums-Broschüre der SPD aus dem Jahre 1952 entdeckt.

 

 

Er wog zu dieser Zeit nur 86 Pfund und war nicht in der Lage, in ein anderes Land auszuwandern, zumal er auch keine Verwandten im Ausland hatte. Seine ganze Familie, die beim Pogrom noch lebte, wurde von den Nazis ermordet. Rolf Abrahamsohn, einziger Holocaust-Überlebender seiner Familie, ging nach Marl zurück und führte das Geschäft seines Vaters nach dem Zweiten Weltkrieg weiter. Er war engagierter Vorsitzender der damals noch recht kleinen jüdischen Kultusgemeinde für den Bereich Bochum-Herne-Recklinghausen.

 

 

 

Rolf Abrahamsohn (1. von links) 1998 auf der Briefmarkenausstellung

anläßlich des Jubiläums "50 Jahre Israel" im Kreishaus Recklinghausen

  Foto: Karl Heinz Mainczyk 1998

 

 

Am 9. März 2005 feierte Rolf Abrahamsohn seinen 80. Geburtstag im Rathaus seiner Geburtsstadt Marl in Westfalen. Paul Spiegel, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland und mit Rolf Abrahamsohn seit über 60 Jahren bekannt, würdigte den Jubilar als Mittler zwischen Juden und Nicht - Juden. Der frühere Chef der jüdischen Kultusgemeinde, Träger des Bundesverdienstkreuzes und der Julius-Armbrunn-Medaille habe das Gespräch mit der Jugend gesucht. Bitterkeit und Anklage sind trotz aller Vorbehalte von ihm nie ausgegangen.

 

 

Seine Vorbehalte sind berechtigt; wir haben alle Kraft einzubringen, damit uns die Vergangenheit nicht einholt.

 

 

Rolf Abrahamsohn (Mitte) bei der Eröffnung der "Vest-Brief 2000" im

Kreishaus Recklinghausen. Rechts im Bild Landrat Hans-Jürgen Schnipper,

links Karl Heinz Mainczyk, damaliger Vorsitzender des

Briefmarkensammler-Verein Recklinghausern e.V.

    Foto: I. Mainczyk

 

 

 

 

 

Herzlichen Dank für Ihren Besuch

 

Abrahamsohn, Rolf: Bericht vom 9. November 1978 WDR 2, Ü-Wagen, Carmen Thomas (Auszug).

Der gesamte Bericht ist im Gedenkbuch „Jüdische Heimat im Vest“ nachzulesen.

Bildmaterial: Judaicasammlung Mainczyk "Vest Recklinghausen"

Eigene Recherchen - Eigene Fotos