S. A.   W E Y L  &  S O H N.                W E Y L  &  C O H E N

 

H A L T E R N   U N D   B O C H O L T

 

 

 

 

Die Firma geht auf den Itzig Weyl (1805-1892) zurück. Dieser besaß in Haltern Webstühle, die er bei den Bauern in der Halterner Umgebung  leihweise unterstellte. Das Webgeschäft hat er zusammen mit seinem Vater Salomon Abraham Weyl betrieben, wie aus der Vertreterkarte zu entnehmen ist. Am 24. Mai 1862 ließen Vater und Sohn in das  neue Handelsregister in Bocholt die Firma S.A. Weyl & Sohn, Haltern, eintragen. Laut Handelsregistereintragung vom 19. Mai 1866 war deren alleiniger Inhaber dann der Itzig Weyl.

 

Trotz des Firmensitzes Haltern hat sich die Haupttätigkeit wohl mehr und mehr nach Bocholt verlagert, denn Itzig Weyl baute in der Kaiser-Wilhelm-Straße in Bocholt ein repräsentatives Backsteinhaus. Um 1869 wurde dann ein Compagnon in die Firma aufgenommen. In Haltern wurde ab 1840 ein Manufaktur- und Mode-Waren-Lager unterhalten. Es befand am Markt in Haltern in einer Stube beim Buchbinder Schürmann.

 

Die mechanische Weberei hatte 1879 laut Anlagen-Verzeichnis 58 männliche, 36 weibliche  und 8 jugendliche Beschäftigte. Die Firma wurde aber noch im gleichen Jahr im Handelsregister gelöscht. Eine weitere Eintragung im Handelsregister vom 11. September 1879 weist die neu gegründete Firma S.A. Weyl & Sohn in Bocholt aus. Eingetragen waren Abraham, Samuel und Simon Albert Weyl. Zunächst wurde bei Albin Tangerding & Comp. zur Miete gearbeitet. Dann wurde aber auf dem eigenen Grundstück neben dem Familiensitz mit 179 Beschäftigten produziert. 1897 kam an der Ecke Frankenstraße/Friesenstraße eine Spinnerei und eine Garnbleiche hinzu.

 

Am 19. Juni 1911 war zu lesen, daß Abraham Weyl gestorben ist und seine Nachfolger seine Witwe sowie die Söhne Hugo (1871-1934) und Sigismund (1875-1921) sind. Nachfolger des 1920 verstorbenen Samuel Weyl waren seine Witwe und die Söhne Ernst und Carl. Carl Weyl wurde in der deutschen Spinnereiindustrie bekannt, weil an der Bremer Baumwoll-Börse eine bestimmte Baumwoll-Type den Namen „Carl Weyl“ erhielt.

 

Sigismund Weyl war maßgebend am Verkauf der Firma S.A. Weyl & Sohn sowie der benachbarten Firma Gebrüder Braunschweig an die Rudolf Karstadt AG nach dem Ersten Weltkrieg beteiligt. In dieser Aktiengesellschaft wurde neben Vertretern der alten Firma Gebr. Braunschweig auch Sigismund Weyl Vorstandsmitglied. Ernst, Carl und Hugo Weyl wurden stellvertretende Vorstandsmitglieder. Karstadt strebte mit dem Ankauf der Firma Weyl u.a. eine größere Eigenfertigung an.

 

 

 

 Die Vertreterkarte ist frankiert mit einer 1/3 Groschen Freimarke der Post des Norddeutschen Bundes (Norddeutscher Postbezirk),

Ausgabe Januar 1869;  Portostufe für Drucksachen. Entwertet ist die Briefmarke  mit einem Kastenstempel Haltern

mit einer Verzierung in Form ein Rosette. Es handelt sich bei dieser preußischen Stempeltype um eine späte Verwendung,

da zwischenzeitlich bereits bei den preußischen Postämtern ein Zweikreisstempel mit Jahreszahl eingeführt wurde.

 

 

  

Haltern und Bocholt   Datum des Poststempels

 

Herrn          A. I. Wolff

                   Sobernheim

 

Hiermit erlauben uns Ihnen die ergebene Anzeige zu machen, daß

unser S. Weyl binnen Kurzem das Vergnügen haben wird Sie zu besuchen.

Beehren Sie denselben gütigst mit recht vielen Ihrer geschätzten Aufträ=

ge, denen wir stets unsere ganze Aufmerksamkeit widmen werden.

 

In dieser Erwartung grüßen Sie freundschaftlich und ergebenst

 

S.A. Weyl & Sohn.        Weyl & Cohen

 

 

Quellen

Biographie Stadtarchiv Haltern

Werner Schneider Jüdische Heimat im Vest

Bebilderung Eigenmaterial