W E S T E R H O L T

 

 

 

 

Heimat- und Postgeschichte

 

Die Gemeinde Westerholt entstand aus einer Ansiedlung nördlich der Burg um die seit 1310 urkundlich bezeugte St.- Martini-Kirche. Die sogenannte  „Freiheit“ war von Wall und Graben umgeben, ihren Bürgern stand eine beschränkte Selbstverwaltung zu. Bis 1809 unterstanden sie dem Patrimonialgericht (Gerichtsbarkeit des Grundbesitzers) der Grafen von Westerholt. Das Amt Westerholt  vergrößerte sich 1926 durch Zuteilung von Teilen der Recklinghäuser Bauerschaften Ebbelich und Langenbochum und wurde 1938 zur Stadt erhoben. 1818 hatte Westerholt 694 Einwohner, 1938 rund 9400.

 

 

Westerholter Herren

 

Namensträger „von Westerholt“ traten bereits  1193 als Ministeriale (Staatsdiener) auf, die Burg Westerholt befand sich 1359 im Besitz Wessels von Westerholt, der sein Allod (Freigut ihm persönlich gehörend) und die Gerichtsbarkeit dem Erzstift Köln als Lehen übertrug nach dem Motto, unter dem Krummstab läßt sich vortrefflich leben. Anfang des 18. Jahrhunderts  war die Burg verfallen. Nach einem Brand im Jahre 1830 ließ der Graf Wilhelm von Westerholt ein neues Schloß bauen.

  

 

  

 

 Briefhülle der Hochlöblichen Regierung aus Münster an den Grafen von Westerholt

aus dem Jahre 1818 ohne Poststempel Münster, portofreie Steuer Sache.

Auf der Rückseite Taxvermerk "20".

 

 

Westerholt liegt rund 7 km westlich von Recklinghausen und ist seit der kommunalen Neugliederung zum 1. Januar 1975 Stadtteil der Stadt Herten. Das ehemalige Amt Westerholt löste sich 1911 aus dem Amtsverband Buer. Der Gemeinde selbst wurden am 23. Dezember 1938 die Stadtrechte verliehen. Eine Vergrößerung des Gemeindegebietes erfuhr Westerholt im Jahre 1926 durch Zuteilung von Teilen der Bauerschaften Ebbelich und Westerholt. Das Gemeindegebiet umfaßte 398 ha, wovon 208 ha landwirtschaftlich genutzt wurden. 1818 hatte der Ort 694 Einwohner, 1910: 3431 und 1938: 9389 Einwohner. Einstmals blühte in der Gemeinde das Tuchmachergewerbe. Heute ist der Bergbau noch vorherrschend. Die  Zeche Westerholt wurde 1907/10  abgeteuft. Eine Brauerei wurde zwischenzeitlich geschlossen.

 

Auch Westerholt verblieb bis 1802 bei Churköln und war den schnellen Machtwechseln der nachfolgenden Zeit wie alle anderen Gemeinden im Vest Recklinghausen unterworfen.  Postalisch wurde Westerholt bis zu dieser Zeit von den Boten der Städte und vom Vestischen Boten  versorgt. Letzterer hatte mindestens seit 1657 seinen Sitz in Buer.

 

 

 

Von Westerholt-Gysenberg Verwalter

des neuen Kreises Recklinghausen bis 1829

 

Lange Zeit waren die Herren von Herten Statthalter des Vestes. Das änderte sich aber 1802 nach der Säkularisation und mit der kommunalen Neuordnung der Landesteile Münster und Recklinghausen durch den Freiherrn vom Stein. Durch Regierungsverfügung vom 10. August 1816 erfolgte die Aufteilung des Regierungsbezirkes Münster in elf Kreise. Dabei wurde in dem neuen Kreis Recklinghausen das Gebiet des alten Vestes und die Herrlichkeit Lembeck zusammengefaßt. Der Kreis hatte eine Größe von zwölf Quadratmeilen und ca. 42 000 Einwohner. Die Geschäfte der neuen Kreisverwaltung leitete von 1816 bis 1829 als landrätlicher Kommissar Graf Wilhelm von Westerholt-Gysenberg. Verwaltungssitz war Schloß Westerholt. Als „Stab“ hatte der Graf zur Seite einen Kreissekretär, ein Kreiskopisten und einen Kreisboten.

 

 

Brief (Fragment) des Oberpräsidenten Vincke als „Königlicher- Landtags-Kommisarius“

an den landrätlichen Commissar (Beigeordneter) Graf von Westerholt, der den Brief an den

„Bürgermeister“ von Lembeck weitergab. Unterschrift „Vincke“ und Paraphe (Namenszug)

„Graf Westerholt“. Der Briefinhalt bezog sich auf eventuelle Wünsche zur Änderung von

Vorschriften durch den Grafen von Westerholt und des weiteren auf eine Liste zur Einberufung

der Provinzial-Stände  und deren Rückgabe durch den Bürgermeister von Lembeck.

Poststempel 2. preußische Form auf portofreiem Brief

"H. Stände Sache" nach Westerholt.

 

   

Trockensiegel des Oberpräsidenten und  Leseabschrift:

diejenigen ... der Vorschriften bemerklich machen, bei

welchen eine Abänderung Ihnen erforderlich erscheint, so

wie die etwa zu wünschenden Zusätze, oder nähere Bestim-

mungen derselben.

 

 

Münster, den 18. März 1826

Der königliche Landags - Commissarius

Oberpräsident von Westfalen

 

Vincke

 

 Ludwig Friedrich Wilhelm Philipp Freiherr von Vincke 1774 - 1844

Oberpräsident der Provinz Westfalen 01.08.1816 - 02.12.1844

 

 

 

 

Für seine Tätigkeit brachte Graf Wilhelm (*1784 Münster) einige Erfahrung mit. Er hatte seinem Vater,  Ludolf Friedrich Adolf Graf von Westerholt-Gysenberg, vormals Statthalter des Herzogs von Arenberg im Vest, bei dessen Aufgaben unterstützt und an den Universitäten Bonn und Heidelberg juristische Kenntnisse erworben.  Auch war er u.a. zur Zeit des Großherzogtums Berg Maire (Bürgermeister) von Buer ( 1811-1815). In den 13 Jahren seiner Tätigkeit für den Kreis Recklinghausen trieben vor allem der Oberpräsident von Vincke aus Münster und Minister a.D. Freiherr von und zum Stein den Aufbau der ständischen  Ordnung voran. Wilhelm von Westerholt-Gysenberg starb nach längerer Krankheit 1852. Sein Nachfolger und erster Landrat des Kreises Recklinghausen wurde 1829 Friedrich Karl Devens.

 

 

 

Westerholter Schloß 1900 von der Teichseite.

 

 

Mit der Ausdehnung der preußischen Post auf das flache Land im Jahre 1847 gingen Postboten von Buer aus dreimal wöchentlich nach Westerholt am Dienstag, Donnerstag und Sonnabend. Da die damaligen vestischen Dörfer für größere Postanstalten noch keinen ausreichenden Postverkehr hatten, bestellte man in ihnen sogenannte Briefsammler. 1847 war das in Westerholt der Landbriefsammler  und Wirt Galland als erster Postchef.  Diese Landbriefsammler erfüllten die Funktion einer Poststelle ohne Zustelldienst „und sammeln die Korrespondenz der Landbewohner“ zur Weiterbeförderung. Bei Zustellung eines Briefes durch den Boten wurde ein Silbergroschen Zustellgebühr fällig, bei Paketen betrug die Gebühr zwei Silbergroschen, eine für die Landbevölkerung damals nicht gerade geringe Belastung.  

 

 

 

 

Die Grafen beliebten in jener Zeit oft zu reisen, sei es ach noch so beschwerlich in unseren Augen.

Die Einladungen zu den Kreistagssitzungen scheinen den Adressaten, wo auch immer,

stets erreicht zu haben. Dieser Brief wurde mit einer blauen "4" austaxiert, weil er unfrankiert

im Postgebiet Königreich Hannover aufgegeben wurde. Blau war auch die vorgeschriebene

Stempelfarbe im Postgebiet Hannover. Bis zum 20. September 1864 hatte dort Hannover

die Posthoheit. Die Einladung ist signiert vom Grafen Westerholt-Gysenberg.  

 

 

   

Erst 1870 während der Zeit des Norddeutschen Postbezirkes bekam Westerholt eine  Postexpedition II als ständige Posteinrichtung und Anlaufstelle für Postkunden. Die Postexpedition gehörte zur OPD Münster. Mit der Eröffnung der Hamm-Osterfelder Eisenbahn im Jahre 1905 wurde Westerholt auch an die Bahnpost angeschlossen. Westerholt überlebte die Eingemeindungen 1926. Die letzte Gemeindereform machte dann aus der Stadt Westerholt einen Stadtteil von Herten. Betrachtet man die langen Verbindungen beider Orte, so machte dieser Zusammenschluß auch Sinn. Postalisch lebte Westerholt in seinen Poststempel bis zu diesem Zusammenschluß weiter.

 

 

 

 

Erster Westerholter Poststempel & Westerholter  Notgeld

 

 

 

Postformulare sind philatelistische Materialien, die so oder überhaupt nicht in Katalogen aufgeführt

werden und zu den wenig beachteten Kleinodien der Philatelie zählen.

 

 

  

  Der Zwischenschein mußte bei Aushändigung des Postsparbuches zurückgegeben

werden und galt als Empfangsbestätigung über die Aushändigung des Postsparbuches.

Das Postformular wurde mit einem Zweikreisstempel "21a Westerholt Kr. Recklinghausen",

Unterscheidungsbuchstabe "a" signiert am 27.3.(19)57.