Abraham Wertheim Deutscher Kaufhauskönig

Deutsche Kaufhauskönige

 

A. (Abraham) W E R T H E I M

 W A R E N H A U S K O N Z E R N 

 

 Post- und Zeitgeschichte

Philatelistische Biographien

 


 

    

Wertheim Stralsund und Wertheim Rostock

 

 

 

Stammvater der Firma war Abraham Wertheim aus Anklam. Der Name Wertheim ist in der Tat abgeleitet von der Stadt Wertheim am Main. Der Vater von Abraham Wertheim, Joel Cohn, nannte sich nach einem Aufenthalt in dieser Stadt fortan Wertheim, behielt aber den Namen seiner Vorfahren, Lewin, noch eine Weile bei. Dieser Name erinnert an die Herkunft aus dem Priesterstamm der Leviten.  Männlichen Familienmitgliedern war es beim Gottesdienst vorbehalten, den Toraschrein zu öffnen die fünf Bücher Mosis herauszuheben und wieder hineinzustellen.

 

 

 

Absenderfreistempel der Stadt Wertheim am Main mit

Stadtsilhouette und Wappen, Namensgeberin für die Familie Wertheim.

 

 

 

Abraham Wertheim war zunächst Hausierer. Mit seinem Bruder Theodor verbrachte er einige Jahre in London (1841-1851). Es ist anzunehmen, daß beide von diesem Aufenthalt ihr Rüstzeug für den späteren Broterwerb mitbrachten. Nach ihrer Rückkehr zog es beide nach Stralsund. 1852 eröffneten sie in einem Mietshaus  einen kleinen Laden (Manufaktur- und Modewarengeschäft). 1855 heiratete Abraham Wertheim Ida Wolff aus Prenzlau. Diese gebar ihm neun Kinder.

 

Vier ihrer Söhne, Georg, Wilhelm, Franz und Wolf sollten zukünftig für den Aufstieg der Wertheims verantwortlich zeichnen, wobei Georg der führende Mann wurde. Auf Wunsch der Eltern absolvierten die Söhne von Abraham und Ida Wertheim eine gemeinsame Lehre bei der Textilgroßhandelsfirma Wolff & Apolant in Berlin. Es waren strenge Lehrjahre. Strebsam waren alle vier Brüder. Der Onkel, Inhaber von Wolff & Apolant, erließ Georg Wertheim eine Dreivierteljahr der Lehre und stellte ihn vollwertig mit Gehalt ein. Er knüpfte Kontakte in alle Richtungen und bewog seine Eltern, in Stralsund zu expandieren.

 

1875 wurde das erste Wertheim-Geschäft in Stralsund eröffnet. 1876 kehrten Hugo und Georg aus Berlin zurück und stiegen in das elterliche Geschäft ein. Das war der Beginn der Ära Wertheim. 1883 eröffnete Georg Wertheim die erste Filiale in Rostock.

 

 

 

 Das alte Kaufhaus in der Leipziger Straße

 

      

Farbige Litho-Karte1898 und schwarzweiß Karte 1902

 

 

 

1885 wagte Georg Wertheim dann den Sprung nach Berlin. Die Niederlassung in Berlin, Rosenthaler Straße, öffnete am 1. Oktober des gleichen Jahres  die Tore. Die jüngeren Brüder Wilhelm, Franz und Wolf folgten. Gemeinsam gründeten sie eine OHG, bei der Georg die Richtung vorgab. Später folgten dann das Haus in der Leipziger Straße.  Zu dieser Zeit wurden Massenverkaufsstätten zur  Versorgung  der   Bevölkerung gebraucht. Die Gebrüder Wertheim erkannten das. Durch unternehmerischen Wohlverstand, Großeinkauf und Weitergabe der Preisvorteile an die Kunden entwickelte sich das Firmenimperium rasant. Dazu kam die exklusive Ausstattung der Häuser im Innen- und Außenbereich.  Anfeindungen aus antisemitischen Kreisen und aus der restlichen Kaufmannschaft blieben nicht aus. Wertheim überstand sie alle; nur die Nazis nicht.

 

Der Neubau

 

 

 Der Wertheim-Neubau, erbaut vom Architekten Alfred Messel (1853-1909),

1897-1904 in der Leipziger Straße nach erfolgter Bepflanzung im  Herbst 1905.

 

 

 

Mit dem Warenhausbau am Leipziger Platz (1897-1904) durch Alfred Messel  war architektonisch wie geschäftsorganisatorisch der Typus des großstädtischen Warenhauses geschaffen. Es stand später dann unter Denkmalschutz. Die Außen- und Innausstattung wurde von namhaften Künstlern ausgeführt. Es war ein ästhetischer Einkaufstempel für alle Kunden; zur damaligen Zeit das größte und schönste aller Warenhäuser in Europa.

 

Mehrere Male hatte Georg Wertheim Kontakt mit dem Kaiserhaus, entweder bei Einladungen oder beim Kaiserbesuch im Warenhaus Leipziger Straße. Kaiser  Wilhelm II. gründete 1904 bei seiner Sommerresidenz in Kadinen, heute Kadyny, eine Majolika-Werkstatt, deren Produkte als Kadiner Kacheln beispielsweise in Berlin bei U-Bahnhöfen, repräsentativen Gebäuden (Wertheim am Leipziger Platz, Weinhaus Kempinski) und dem Trausaal der Synagoge Fasanenstraße Verwendung fanden. Da ihm eine geeignete Firma zum Vertrieb der Waren fehlte, empfahl  bei einem dieser Treffen der Textilfabrikant James Simon die Fa. Wertheim. Das Haus Wertheim übernahm dann exklusiv den Vertrieb der Majolika-Produkte aus der kaiserlichen Werkstatt.

 

 

 

 

     

 

 

 

 

Nicht ganz so glatt ging es mit Bruder Wolf. Dieser war sozusagen das schwarze Schaf der Familie. Vor die Entscheidung gestellt, Firma oder lebenslustige Gattin, entschied der sich für seine Frau. Nach Liquidation der Firma 1909 wurde Wolf ausgezahlt. Anstatt sich von den Pfründen zu ernähren, ging er das Wagnis ein, selbst ein Warenhaus zu gründen (s. Abb. links). Das war ein fataler Entschluß, der mit der W. (Wolf) Wertheim GmbH und der Übernahme des Passage-Kaufhauses in der Friedrichstraße 110-112 im Jahr 1911 unweigerlich zum Konkurs führte. 1914 wurde das Passage-Kaufhaus dann zwangsversteigert.  Die Geschichte mit dem jüngsten Bruder zog sich dennoch eine Weile hin. Er soll 1940 in einem Internierungslager ums Leben gekommen sein.

 

Die Wertheim - Häuser wurden in der NS-Zeit „arisiert“ und in AWAG (Allgemeine Warenhaus AG - siehe oben abgebildete Bunt-Ansichtskarte) unbenannt. Es nutzte dabei auch nichts, daß die Eigentümer  schon frühzeitig konvertierten.  Nach dem Krieg führte der Hertie-Konzern die Häuser weiter. Die Warenhaus Wertheim GmbH ist zur Zeit zu 100% eine Tochter der HERTIE Waren- und Kaufhaus GmbH, welche seit 1994 zu Karstadt gehört. Karstadt war 1994 der größte Warenhaus-Konzern Europas. Zur Zeit ist die Warenhausbranche aber in einem spektakulären Umbruch. Durch Machenschaften des Justiziars  der Hauses Wertheim, Joachim Lindgens, wurde ein Teil der Erben nach dem 2. Weltkrieg um ihren Besitz gebracht. Die Nachfahren klagen gegen die heutigen Eigentümer. Das Ende bleibt abzuwarten.

 

  

Umfassende Schilderungen zu Wertheim geben die

einschlägigen Veröffentlichungen.

 

 

Quellennachweis

 

Keller, Werner: Und wurden zerstreut unter alle Völker 1993

Mainczyk, Karl Heinz: Post- und zeitgeschichtliche Sammlungen

Neues Lexikon des Judentums 2000

Die Wertheims - Geschichte einer Familie Rowohlt Berlin 2005

Wertheim Presse - Info, zu Berlin-Steglitz/Schloß - Straße/1999

Wertheim illustrierter Hausprospekt 1931

Belege Eigenmaterial Slg. Mainczyk

©2007

 

 

Weiter siehe:

Wertheim Chronik in Bildern