Wertheim nach dem 2. Weltkrieg

 

 

 

Der Geschäftsbetrieb der umgetauften Wertheim-Häuser (AWAG) wurde gleich nach Kriegsende unter dem alten Namen Wertheim wieder aufgenommen. Die Trümmer in den ausgebombten Häusern wurden beseitigt. Die Verwaltung wurde in das Columbushaus am Potsdamer Platz untergebracht, welches die sowjetische Militärbehörde aber bereits 1946 beschlagnahmte. Endgültig abgetragen wurde das Haus dann nach dem Mauerbau 1961, weil es für die Mauerschützen strategisch ungünstig am Potsdamer Platz lag.

 

 

 

Das Columbushaus am Potsdamer Platz 1932

 

   

1948 gingen dann alle in Ostberlin liegenden ehemaligen Wertheim-Gründstücke und Häuser im Zuge der Enteignungen in "Volkseigentum" über; ohne Rücksicht auf die stattgefundene Arisierung. Das hatte zur Folge, daß nach Arisierung durch die Nazis nunmehr bis auf den heutigen Tag die Erben alle Ost-Ansprüche verloren haben. Das ist die Nachhaltigkeit  der Nazi Maßnahmen und der kommunistischen Folgemaßnahmen. Über die Kommunisten haben die Nazis so ihre Ziele fast umfassend erreicht.

 

 

Postkarte der A. (Abraham) Wertheim GmbH, Rosenthaler Straße in Berlin C 8

 

 

 

Das neue Haus in Steglitz

 

Wertheim besaß aber auch noch Grundstücke im Westteil von Berlin. In der Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg kam es zuerst zu einer Geschäftseröffnung, die 1963 zugunsten des Hauses in Steglitz aufgegeben wurde. In Steglitz war bereits 1929  ein Neubau geplant, der dann durch die Nazis verhindert wurde.  1952 wurde das Haus in unmittelbarer Nähe des Titaniapalastes eröffnet. Zur Eröffnung kam auch Georg Wertheims Tochter aus den USA. Auf einem anderen Wertheim-Grundstück am Kurfürstendamm kam dann 1971 ein großes Geschäft hinzu (s.Abb.)

 

 

 

 

 

 

 

 

Rede des Aufsichtsratsvorsitzenden

der Wertheim A.G. für Handelsbeteiligungen am 18. Juli 1952,

gehalten anläßlich der Eröffnung des Hauses Steglitz, Schloßstrasse

 

  

Meine Damen und Herren!

 

Namens der Firma Wertheim heiße ich Sie heute in unserem neuen Hause herzlich willkommen. Es ist mir eine ganz besondere Freude, heute zu Ihnen sprechen zu können. Mein Dank gilt allen Behörden und den hier erschienenen Behördenvertretern und den Vertretern der Banken, deren Hilfe wir es verdanken, daß wir diesen schönen Bau errichten konnten. An der Spitze der Berliner Behörden habe ich die besondere Freude, das Oberhaupt der Stadt Berlin, Herrn Professor Dr. Reuter, hier begrüßen zu können. Der unseres Hauses gilt weiterhin den Firmen, die an diesem Bau mitgearbeitet haben und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Er gilt in ganz besonderem Masse den Architekten dieses Hauses, den Herren Soll und Werth.

 

Was Sie, Herr Soll, hier geschaffen haben, wird einmal – das ist meine Überzeugung – richtungweisend sein für den Bau der neuen Warenhäuser in Deutschland.

 

Ich begrüße auch die Vertreter der Presse und danke ihnen für ihr Erscheinen.

 

Sie alle kennen das Schicksal, daß das Haus Wertheim in dem letzen Krieg und in den Nachkriegsjahren genommen hat. Sie alle kennen als alte Berliner das Haus Leipziger Straße. Es war eine Sehenswürdigkeit Berlins und zugleich das größte und schönste Warenhaus Europas, das jeder Berliner mit Freuden besuchte und mit Stolz seinen auswärtigen Besuchern zeigte und es gab keinen Ausländer, der nach Berlin kam und Wertheim nicht gesehen hätte. All´ dies gehört der Vergangenheit an. Während des Krieges wurde ein Warenhaus nach dem andren ein Opfer der Bomben und nach dem Kriege wurden sämtliche Häuser enteignet. Geblieben war lediglich der stolze Name. Aus den kleinsten Anfängen ist dann in den Nachkriegsjahren die Firma Wertheim wieder aufgebaut worden und heute eröffnen wir das erste Haus, welches wieder würdig des Weltnamens Wertheim ist.

 

Wenn wir hier in dem blumengeschmückten Hause stehen und es nun seiner Bestimmung übergeben, so wollen wir des Mannes gedenken, der diesem Unternehmen den Namen gegeben hat: des königlichen Kaufmanns Georg Wertheim, und wir freuen uns besonders, daß wir seine Tochter bei uns begrüßen können, die die weite Reise von New York nicht gescheut hat, um an der Eröffnung teilzunehmen.

 

Wir hoffen, daß der heutige Tag der Beginn eines neuen Abschnitts in der Geschichte des Hauses Wertheim sein möge und daß aus den Ruinen unserer anderen Häuser nach Vereinigung von Ost und West wieder neues Leben erblühen möge.

 

Ich darf Sie bitten, sich durch eine kleine Erfrischung zu stärken und anschließend mit der Geschäftsleitung und mir die Vorbesichtigung vor der offiziellen Eröffnung vorzunehmen.

 

  

 Der Regen konnte die Besucher nicht davon abhalten,

zur Wertheim Eröffnung nach Steglitz zu kommen.

 

 

 

Firmenfreistempel „Wertheim“ mit neuem Gesicht.

 

 

Sommer-Schluß-Verkauf bei Wertheim i

 Berlin-Steglitz in den 1950er Jahren. 

 

 

Brief - Verschlußvignette
 

 

 

     

 

  

Eine neue Generation von Kaufhäusern:

Wertheim Kaufhaus Kürfürstendamm in Berlin

Foto: I. Mainczyk 1999

 

 

 

Quellennachweis

 

Keller, Werner: Und wurden zerstreut unter alle Völker 1993

Mainczyk, Karl Heinz: Post- und zeitgeschichtliche Sammlungen

Neues Lexikon des Judentums 2000

Die Wertheims - Geschichte einer Familie rowohlt Berlin 2005

Wertheim Presse - Info, zu Berlin-Steglitz/Schloß - Straße/1999

Wertheim illustrierter Hausprospekt 1931

Belege Eigenmaterial

 

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Weiter siehe:

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