Kurkölnische Wegegeld - Verordnungen

Brückengeld über die Emscher

 

 

 

 

Einblattverordnung zur Schonung der Straßen und Untersagung des Gebrauchs von Karren mit Rädern,

die mit Kopfnägeln beschlagen waren und damit die ohnehin schlechten Wege weiter ruinierten.

Den Schmieden wurde die Anfertigung mit einer Strafe von 5 Goldgulden untersagt.

Den Statthaltern im Vest Recklinghausen wurde die Einhaltung strengstens ans Herz gelegt.

 

Wie war das noch mit den Spikes in vergangenen Jahren?

 

Wege- und Brückengeld

 

Wegegeld, auch Chausseegeld, Wegezoll sind Bezeichnungen für Abgaben zur Benutzung von Wegen und größeren Straßen, früher als Chausseen bezeichnet sowie Brücken. Im Mittelalter wurden diese Gelder vielfach mit Geleitsabgaben und Zöllen eingezogen. Insbesondere in Deutschland bildete das Wegegeld eine wichtige Einnahmequelle.

  

In der Neuzeit allerdings wurde der Bau und die Unterhaltung von Wegen immer mehr als öffentliche Aufgabe verstanden. Die als Gebühren erhobenen Wegegelder deckten da nur noch einen Teil der Kosten. Der Wegfall der Gebühren erfolgte wegen der erheblichen Aufwendungen bei der Erhebung und der Verzögerung des Verkehrs. Im Laufe der Zeit wurden daher die Schlagbäume beseitigt, z.B. 1875 in Preußen. Eine Aufhebung der Brückengelder erfolgte erst später.  Selbst in neuerer Zeit sollte in Dorsten noch 1925 ein Brückengeld für die Postautos, die Post  vom Flugplatz Ruhrgebiet (a.a.O.) zum nächstgelegenen Postamt in Dorsten beförderten, erhoben werden.

 

 

Man beachte die Parallelen zu heute. Von der Mineralölsteuer z.B. wird nur ein Drittel für den Straßenbau verwandt. Der Rest dient zum Stopfen der Haushaltslöcher. Die Kraftfahrzeugsteuer gar ist eine Luststeuer aus dem Jahr 1913, die den Autofahrer zusätzlich belastet. Dem kann man nur mit dem schwarzen Humor von Kurt Tucholsky begegnen:

 

 

 

"...der ... (Autofahrer) ist an allem schuld!"

 

 

Diesen Humor hat die Elektronik nunmehr auf den Kopf gestellt. Vor dem Hintergrund der allgemeinen Wohlfahrt wird erhoben und belegt nach Herzenslust. Warum das viele Geld benötigt wird, wird dem Bürger nur euphemistisch erklärt. Ursachenforschung würde ja nur die Fehler der Politik aufzeigen und ist daher nicht opportun. Es ist ein immerwährender Kreislauf: Verfehlte Politik, Klientelwirtschaft; Gebühren-, Abgaben- bzw. Steuererhöhungen sind das Resultat. Anderer Leute Geld nimmt sich eben trefflich ein und gibt sich halt noch trefflicher aus. Sparsamkeit ist ein Fremdwort!

 

 

Brückengeldverordnung über die Emscher

 

 

 

Links Brückengeldverordnung  über die Emscher -  rechts Wegegeldverordnung.

Kurfürst und Post waren von der Erhebung der Gebühren verschont.

 

 

Zwischen der Stadt Recklinghausen und der Emsch/Emscher lag das Bruch. Vor 1830 stand dort kein einziges Wohnhaus. Genutzt wurde das Bruch als Viehweide, zum Torf- und Lehmstich und zum Streusammeln. Auch weideten dort die letzten Wildpferde unserer Region, die sogenannten Dickköppe. Auf Anweisung der preußischen Regierung in Berlin werden 1825 die Marken im Emscherbruch zugunsten von Ackerbau und Viehzucht  aufgeteilt. Diese Maßnahme bedeutete das Ende der traditionellen Wildpferdezucht. Seit 1369 wurden „Emscherbrücher Dickköppe“ zur Pferdezucht verwendet. Diese ausdauernden Wildpferde lebten in Rudeln auf über 40000 Morgen Wald-, Wiesen- und Sumpfgelände. Einmal im Jahr wurde das Dorf Crange, jeweils am Laurentiustag, dem 10. August, zum Mittelpunkt des Pferdehandels. Als letzter gibt 1834 Landrat Friedrich Carl Devens die Zucht auf. Auf diese eigenwilligen Pferde ist der hiesige Begriff " Du bist ein Dickkopp" zurückzuführen.

 

Ins Bruch führte der Bruchweg, der aber nur als namenloser Weg erwähnt wurde. Bekannt sind aber Namen für den Weg in Höhe der heutigen Herner Straße als "stenwegh" um 1566 oder als "Stenweg na dem brocke (Bruch)" um 1590. Die Wege im Bruch  waren die schlechtesten im Vest Recklinghausen. Sie konnten nur mit Gefahr passiert werden. Noch schlimmer aber muß der Übergang über die Emscher gewesen sein. Ein Brückenschlag lag da nahe. Für 1769 wird eine Brücke über die Emscher erwähnt (siehe auch Abb. Brückengeldverordnung von 1782). Für den Erhalt der Brücke wurden per Verordnung von 1782 Gebühren erhoben. Von der Gebührenpflicht befreit waren unter anderem die Vestischen Landstände und die Post.

 

Lange hat die Brücke anscheinend nicht gehalten. Wie festgehalten wurde, war die Saubrücke bei Haus Strünkede um 1800 kaum mit einem Pferd zu passieren. Fahrzeuge fuhren durch eine Furt. Das war aber nur bei niedrigem Wasserstand und gutem Wetter möglich. Bei schlechtem Wetter mußten Umwege von zwei Stunden gemacht werden, um die Mark oder das Vest zu erreichen. Bürgermeister Wulff ließ darum eine Brücke über den Nebenarm der Emscher errichten, wobei er sich den Zorn des Landbesitzers und eine Menge Ärger einhandelte. Diese Brücke war aber für den Fahrzeugverkehr nicht entsprechend zugeschnitten. 1811, nach Vereinigung des Vestes Recklinghausen und des Herzogtum Arenberg zum Großherzogtum Berg regte der Bürgermeister (Maire) von Herne an, an Stelle der beim Gut Strünkede anzulegenden Treibbrücke eine Fahrbrücke zu bauen, damit die Passage zwischen Recklinghausen und Herne durch die stets anstehenden Wasserfluten nicht gehemmt werde. Bürgermeister Wulff sicherte seinem Amtskollegen Unterstützung zu. Wie zu allen Zeiten ging es auch hier um die Kosten. Jeder wollte bauen - aber keiner wollte etwas abgeben oder auf etwas verzichten. Damit begann ein jahrelanges Hin und Her.

 

Auch als das Vest und die Mark 1813 zu Preußen kamen, war der Brückenwunsch noch wach. Er konnte aber dennoch nicht realisiert werden, obwohl es immer zweckmäßiger wurde, für die aufblühende Wirtschaft eine gut funktionierende Brücke zu bauen. Die Vermarktung  der erschlossenen Kohlevorkommen hemmte die nicht vorhandene Brücke, aber auch den Verkauf von Feldfrüchten auf den Märkten im Vest und der Mark. Man kam einfach nicht schnell genug vom Fleck. Auch litten die Pferde bei der Durchfurtung und wurden durch die Anstrengung unbrauchbar. Die Bürgermeister von Recklinghausen und Herne trafen sich 1821 bei Albert Haarmann an der Saubrücke zu einer Besprechung über den Brückenbau. Der Kostenvoranschlag belief sich auf 400 Taler.

 

Dennoch traten immer wieder Schwierigkeiten auf, so durch das vom Junker Forell von Strünkede vertretene Alleinbaurecht der Brücke. Durch die Rückständigkeit des auf seine angeblichen Rechte pochenden Junkers dürfe der Brückenbau nicht behindert werden, schrieb Bürgermeister Wulff 1825 an den Oberpräsidenten der Provinz Westfalen, von Vincke. Verbunden mit dem Schreiben war der Vorschlag, die Emscher zu durchstechen und zu begradigen, womit nur Vorteile für Haus Strünkede verbunden waren. Weitere vier Jahre vergingen, bis dann endlich die Brücke 1829 fertiggestellt wurde. Die Kosten betrugen mittlerweile 825 Taler. Das heutige Baurecht ist so gestaltet, daß quasi jedermann in Baumaßnahmen über die Instanzen einreden kann. Diese Einreden verzögern Baumaßnahmen  und verteuern die Vorhaben immens. Daran hat sich zweifelsohne auch über die Zeiten wenig geändert.