W A L T R O P

Postalische und historische Anmerkungen

 

 

 

 

Waltrop ist durch eine Ansiedlung auf dem östlichen Ausläufer des Recklinghäuser Landrückens, dem Waltroper Flachwellenland zwischen Emscher und Lippe, entstanden. Bis 1802 gehörte der Flecken zum Kurfürstentum Köln. Das ehemalige Dorf umfaßte sechs Bauerschaften: Holthausen, Brockenscheidt, Leveringhausen, Oberwiese, Elmenhorst und Lippe. Waltrop wurde 1938 „Stadt“. 1817 lebten dort 2543 Einwohner, 1938 dann 11249. Adelige Güter: Schörling, Wilbring, Kommende Horst, Bruchhausen, Dringenburg, Goy, Kaynhorst, Loburg, Tyding. Nur Wilbring - allerdings stark verfallen - blieb als Ruine erhalten.

 

 

 

 An den Vorstand der Schullehrer-Wittwen Unterstützungs-Anstalt

Herrn Caplan Halsband in Münster

 

Portofreie Dienstsache mit Fingerhutstempel Waltrop um 1833.

Caplan Halsband wird in der Zeitschrift für Philosophie und katholische Theologie

Bonn/Köln vom  25. Mai 1833 erwähnt.

 

 

 

Erste Poststation im Vest Recklinghausen war für den 1649 eingerichteten Postkurs des „Großen Kurfürsten“ von Berlin nach Kleve das Örtchen Waltrop. Von dort ging es weiter über Horneburg - Marl - Dorsten nach Kleve. Die Post am Orte wurde um 1780 von Boten besorgt. Für die danach folgende Zeit gibt es postalisch nur wenig zu berichten. Versorgt wurden die Waltroper weiterhin mit der wenigen Post, die sie schrieben oder empfingen, von den  umliegenden  Poststellen. Nach  der kurkölnischen Zeit folgte die arenbergische und bergische Zeit.

 

 

 

 Idealer Poststempelabschlag des Fingerhutstempels von Waltrop auf Brief an den

Herrn Domänen Rath Keller wohlgeboren in Essen aus dem Jahre 1837.

Der Brief war mit 1 ½ Sgr. austaxiert. Die rote Taxierung steht für bezahltes Porto.

 

Auf der Rückseite der Ausgabestempel von Essen.

 

 

 

Leseabschrift des Briefes an den Domänenrath Keller

vom 11. Dezember 1837 - Poststempel Waltrop 12.12.

 

 

 

                              

 

 

                                  Wohlgeboren Besonders Hochgeehrter Herr Domänenrath

 

So  sehr  gerne   ich  auch    Ihrer geehrten     Aufforderung         zu

genügen,  auf dem Morgen   früh an bestimmten Termin erscheinen

zu     wollen    beabsichtige,     so ist    mir    dieses    höflichst    er-

wiedernd    auf   Ihre   beyden geehrten    Zuschriften     vom     23

und    24 ten    Octn  wegen einer vorgestern      erhaltenen     nicht

unbedeutenden     Lieferung   doch  nicht  möglich,  und                  

muß  ich  deshalb  für  mich ganz gehorsamst     ersuchen,     diesen

Termin auf kommenden Dienstage den 18ten Dez gütigst verlegen zu

wollen, wo  ich   alsdan    ohnefehl eintreffen   und    auch    möglichst

betreffende     Gegenstände       zu beseitigen    suchen,   so   wie  die

bis   dahin   fälligen    Renten   pro 1837   gleichzeitig  mitüberbringen

werde:     ebenso       habe        die Zahlung    der   Renten   pro   1837

für     Wehlmann    an der     Lippe übernommen,     und           werde

diese    alsdan     entrichten.

 

Hochachtungsvoll zeichnet

Ew. Wohlgeboren

 

Waltrop              ganz ergebener

11 Dez 37            Beckmann

 

 

 

 

 

 

 

Erst Preußen richtete am 1. Juli 1834 eine Postsammlung in Waltrop ein. Diese war dem Postamt Dortmund unterstellt. Eine Briefsammlung war die schlichteste Einrichtung, die die preußische Post anzubieten hatte. 1847 folgte die Einstufung zur Postexpedition. Zum 1. August 1848 eröffnete in Waltrop eine Station für ordinaire Posten, die bis 1855 Bestand  hatte. Erster  Briefstempel war ein kleiner Einkreisstempel (der sogenannte Fingerhutstempel), dem ein Kastenstempel folgte.

 

 

 

 

  

2 Sgr  Freimarkenausgabe Kopfbild König Friedrich Wilhelm IV. (1795 - 1861).

Die 2 Sgr  entsprachen u.a. der Postgebühr für einen Brief bis 2 Loth

(1 Loth 14,606 Gramm) bei einer Beförderung bis 10 preußische Meilen (ca. 75 km).

Die Marke wurde am 15.11.1850 ausgegeben und  mit einem 

preußischem Vierringnummernstempel 1575 entwertet.

 

 

3 Silbergroschen, Ausgabe Mitte 1851 für Post über 20 Meilen,

beide Marken haben als Wasserzeichen einen Lorbeerkranz.

 

 

Nach der Flurbereinigung der preußischen Post im Jahre 1850 wurde die Post in Waltrop der OPD Münster unterstellt. Waltrop bekam den Status einer Postexpedition II und war auch Posthalterei. Es wurde der preußische Vierringstempel „1575“ zugeteilt (siehe Abbildung). Bezüglich der Einführung der preußischen Nummernstempel verweise ich auf meine Ausführungen unter "Ahsen".

 

 

 

Preußen Freimarkenausgaben 1 Sgr. von 1861 und 2x3Pfg. vom 1. April 1865,

Adlerzeichnung im Achteck auf unbeschriebenem Briefstück, entwertet mit Rahmenstempel Waltrop (ohne Jahr).

Portostufe für Briefe bis 10 preußische Meilen (1 Sgr.) und 6 Pfg. Bestellgeld im Ortsbestellbezirk.

 

 

Auch während des Norddeutschen Postbezirkes verblieb es bei einer Postexpedition II für Waltrop. Im Kaiserreich wurde aus der kaiserlichen Postagentur auf Grund des gewachsenen Postaufkommens erst ein Postamt III., dann II. Klasse. Mit der Bahnpost kam Waltrop erst im Jahre 1905 mit Einrichtung der Strecke Hamm - Oberhausen (Hamm Osterfelder Eisenbahn) in Berührung.

 

 

  

 

 Paketbegleitbrief für ein Paket mit 90 Reichstalern Inhalt an den Amtmann

der Stadtsparkasse Recklinghausen, Herrn Reiff wohlgeboren Recklinghausen.

Der Brief stammt aus der  Zeit  zwischen dem 1. Juni 1872 und dem 31. Dezember 1874,

denn die Thalerwährung  (1 Thaler = 30 Groschen) galt für den nördlichen Teil

des Reiches bis 31. Dez. 1874. Frankiert ist der Brief mit

Freimarken der Ausgabe „Großer Brutschild“ 1872. Laut Siegel (s. Abb.)

auf der Rückseite war der Absender die Kirchengemeinde Waltrop.

 

 

 

Das Posthandbuch von 1878 sagt folgendes über Waltrop aus:

Waltrop.  Dorf. Der aus lehmhaltigen Sande bestehende Boden ist im allgemeinen fruchtbar. Die 1343 katholischen Einwohner treiben Ackerbau und Viehzucht. Rektoratsschule.

 

Die Zeit ist auch an Waltrop nicht vorbeigelaufen. U.a. zwei Weltkriege haben die Stadt geschliffen. Sie hat sich dennoch weiterentwickelt. In Waltrop gibt es immer noch eine "Post", keine staatliche mehr, aber deren Nachläufer. Dafür können die Besucher aber vier technisch ausgefeilte Schiffshebewerke bestaunen.