Wachenfeld & Gumprich

Bankgeschäft Schmalkalden

 

 

 

 

Historische   Altstadt

 

Die Bausubstanz Schmalkaldens stammt überwiegend aus der Zeit des 16. bis 18. Jahrhunderts. Die alten und ohnehin schon verwohnten Häuser litten insbesondere  während der „sozialistischen Hochkultur“. Nach dem Zusammenschluß der beiden deutschen Landesteile wurde stetig am Stadtbild gearbeitet und restauriert, so daß die Stadt ohne Zweifel zu einem Schmuckstück der Region wurde. Ein Gang quer durch die Stadt, vom Markt bis zum Weidenbrunner Tor, erschließt dem Besucher die wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Rathaus, Stadtkirche St. Georg, Insel und die  Salzbrücke befinden sich auf dem Weg, eingefaßt von schmucken Fachwerkhäusern. Dann geht es auf die Wilhelmsburg mit dem schönen Ausblick über die Dächer der Stadt. Hier meint man, die Schornsteine und deren Rauch mit den Händen fassen zu können.

 

 

Blick über den Marstall zum Schloß 1942

 

 

Zu Füßen der Burg liegt der Marstall mit seinen mächtigen Mauern. Schmalkalden ist das Tor zum Thüringer Wald. Rund um die Stadt gibt es Wanderwege bis hin zum berühmten „Rennsteig“ und dem „Trusetaler Wasserfall“. Im Winter lädt die Gegend zum Skilanglauf und Rodeln ein. Nicht vergessen dürfen wir das historische „Hirschessen in Schmalkalden“, daß wegen der politischen Gegebenheiten erst wieder nach der Wende auflebte.

 

 

Firmenbrief

 Auslandsfrankatur 25 Pfg. Hindenburg-Medaillon vom 1. Oktober 1932.

Auffrankiert mit 15 Pfg. Freimarke der Serie Reichspräsidenten vom 1. September 1928

für Briefe bis 40g lt. Tarif vom 15. Januar 1932. Entwertet mit Einkreisstempel Schmalkalden vom 18.9.33.

Rückseitig Ausgabestempel Teheran vom 30. IX 33.

 

Wachenfeld & Gumprich wurde 1881 in dieser malerischen Stadt gegründet. Das Bankhaus wurde zunächst als offene Handelsgesellschaft geführt. Das Haus zählte zu den Provinz-Privatbanken mittlerer Größe, die sich aufgrund guter Vernetzung mit der heimischen Wirtschaft und Industrie bis in 1938 als rentabel erwiesen. Die Bank befand sich seit Mitte der 1920er Jahre im Besitz von drei Familien/Erbengruppen Gumprich, Böckstiegel und Wachenfeld. Bis zur "Zwangsarisierung" 1938 wurde das Kapital der Bank von drei Firmenleitern und 8 weiteren, teils jüdischen, teils "arischen" stillen Gesellschaftern gehalten. 1930 wird das Bankhaus in eine Kommanditgesellschaft/KG umgewandelt. Das Bankhaus beschäftigte bis zu 30 Mitarbeiter und war ein Ausbildungsbetrieb mit zeitweise bis zu sieben Filialen.

 

Im November 1938 schieden unter massivem Druck der NSDAP-Kreisleitung  neben den jüdischen  Teilhabern Max Gumprich und Albrecht Böckstiegel fünf weitere stille Teilhaber aus der KG aus. Der "arische" Schwiegersohn Erich Steuer verblieb in der Firma. Als neuer Teilhaber trat über die Bank für deutsche Industrie-Obligationen deren stellvertretender Direktor Hans von Dadelsen in das Bankhaus ein. Das Nachfolgeunternehmen hieß dann Wachenfelds Erben & von Dadelsen KG. Max Gumprich wurde wie viele andere jüdische Bürger in das KZ Buchenwald verbracht. Nach Zustimmung zur Enteignung seines Vermögens konnte er danach mit seiner Gattin über Kuba in die USA fliehen.

 

Das Bankhaus wurde nach dem Verbot privater Bankgeschäfte der SMAD in der SBZ 1949 von Amtswegen im Handelsregister gelöscht. Die Akten der Firma übernahm letztlich 1993 das Thüringische Staatsarchiv in Meiningen.

 

 

Quellen u.a

Thüringisches Staatsarchiv Meinigen

Die Arisierung der Privatbanken im Dritten Reich Ingo Köhler 1993

Eigene Recherchen

Belege eigene Slg.

 

SMAD= Sowjetische Militäradministration in Deutschland

SBZ=Sowjetische Besatzungszone  (Ostzone)