Zur Geschichte

der genossenschaftlichen Kreditinstitute

 

 Ursprünge der Genossenschaftsbanken

 

 

 

Hermann Schulze-Delitzsch

 

 

Ihren Ursprung  hatten die Genossenschaftsbanken  im 18. Jahrhundert. Durch Hermann Schulze-Delitzsch (1808 - 1883)  und Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818 - 1888)   wurde diese Idee  in Deutschland  realisiert.

 

Im Jahre 1850 gründete der Richter und Politiker Hermann Schulze in Delitzsch/Sachsen den ersten Vorschußverein. Es war auch die erste gewerbliche Krediteinrichtung und Vorstufe der späteren Kreditgenossenschaften.  Für Tischler und Schumacher hatte er bereits 1849 zwei Rohstoffassoziationen ins Leben gerufen. Zielsetzung war, ohne Zwischenhändler Rohstoffe in großen Mengen zu beschaffen. Vorschußvereine sollten den Kreditmangel beseitigen und den Handwerkern Geld zu annehmbaren Bedingungen leihen.

 

In den Folgejahren entwickelte Schulze aus Delitzsch  als entscheidendes Merkmal für die genossenschaftlichen Institute das Prinzip der Selbsthilfe und der Haftungssolidarität. In einer 1855 veröffentlichten Schrift „Vorschußvereine als Volksbanken“ legte er die programmatischen Leitsätze für die  Kreditgenossenschaften dar,  die in den nachfolgenden Jahren eine stürmische Entwicklung erlebten. Ende 1859 gab es bereits 3 von diesen Vereinen.

 

Die Schulze-Delitzschen Vorschußvereine, benannt nach ihrem Begründer Schulze aus Delitzsch in Sachsen, stellten eine völlig neue Unternehmensform im deutschen Kreditgewerbe dar. Sie konnten damals nur als erlaubte Privatgesellschaften ohne eigene Rechtspersönlichkeit errichtet werden und mußten sich über die der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ihrer Mitglieder angepaßten Beiträge ein Grundkapitalaufbauen. Darüber hinaus, und das war entscheidend für die Kreditbasis der Vorschußvereine, mußten die Mitglieder mit ihrem gesamten Vermögen für die Verbindlichkeiten ihres Vorschußvereins haften. Erst die unbeschränkte Haftpflicht der Mitglieder machte die Vereine kreditfähig; denn gestützt auf die solidarische Haftung konnten sie Anlaufkredite bei anderen Banken aufnehmen und damit sofort ein wirksames Kreditgeschäft aufbauen, das ihre Entwicklung zu echten Banken förderte.

 

Bebilderung: Ansichtskarte mit Schulze-Delitzsch-Denkmal in Delitzsch aufgegeben am 23. Juli 1929

nach Bad Bibra sowie Sondermarke der Post aus 2008 zum 200. Geburtstag von Hermann Schulze-Delitzsch.

 

 

 

 

100 Jahre Volksbank Marl - Recklinghausen  e.G.

 

 „Philatelie rund ums Geld“

 

 

 Zum Volksbank Jubiläum richtete der Verfasser mit dem BSV Recklinghausen

in der Volksbank am Kurfürstenwall in Recklinghausen eine Briefmarkenausstellung aus.

Aus dem Ausstellungskatalog werden hier auszugsweise Passagen und Exponate wiedergegeben.

 

 

 

 

 

 

Der Originalscheck, ausgestellt auf das Bankhaus Rothschild in Paris,

war eines der Exponate, ebenso Notgeld der Stadt Recklinghausen.

 

 

Notgeldausgabe Recklinghausen von 1919, unterschrieben vom Bürgermeister Sulpiz Hamm.

Die Rückseite zeigt das Rathaus.

 

 

Siehe auch "Entstehung des deutsches Notgeldes"

 

 

 

 

  

WAZ Bildbericht Mittwoch 9. Juli 1997 - Mittig Leo Stratmann/Bankdirektor, links Horst Biaesch/Schatzmeister Briefmarkenverein und rechts Karl Heinz Mainczyk.

Die Häuserzeile am linken Bildrand der Ansichtskarte von 1908 ist der heutige Standort der Volksbank Recklinghausen, gekennzeichnet durch schwarzen Punkt.

 

 

 

 

Friedrich Wilhelm Raiffeisen

  

 

Waren die Volksbanken von Schulze-Delitzsch die Finanzierungsinstitute der kleineren und mittleren Gewerbetreibenden, so kümmerte sich Friedrich Wilhelm Raiffeisen besonders um die Belange der Bauern, wobei der äußere Anlaß die Mißernte von 1846 war.

 

Raiffeisen, der zu dieser Zeit als Bürgermeister in Weyerbusch/Westerwald tätig war, versuchte die Not der Bevölkerung durch gemeinsamen Ankauf von Saat- und Setzkartoffeln, schließlich  auch durch eine eigene Bäckerei, zu lindern. Die zur Durchführung gegründete Kommission nannte sich „Brotverein“ und hatte im Wesentlichen karitativen Charakter.

 

In der Zeit von 1848 bis 1851, als Raiffeisen Bürgermeister in Flammersfeld war, entstanden die eigentlichen Raiffeisengenossenschaften; zunächst im Dezember 1849 der „Flammersfelder Hülfsverein“ zur Unterstützung unbemittelter Landwirte und im Mai 1854 der „Heddersdorfer Wohltätigkeitsverein“. Letzteren wandelte Raiffeisen später in den „Heddersdorfer Darlehensverein“ um.

 

Auch die landwirtschaftlichen Kreditgenossenschaften nahmen steilen Aufschwung. Im Jahre 1883 gab es bereits 500 derartige Kreditgenossenschaften. Immer häufiger wurde Raiffeisen, sehr zur Verwunderung dieses bescheidenen Mannes, von zahlreichen interessierten Stellen um Rat und Hilfe gefragt. Zunächst kamen die Anfragen aus den anderen Teilen Deutschlands, insbesondere auch aus größerem Besitz, aber bald auch aus den dem europäischem Ausland. Delegationen aus Österreich-Ungarn, der Schweiz und den Niederlanden, den skandinavischen Ländern, aus Frankreich, Italien und Spanien  suchten Kontakte oder Gespräche mit ihm, um seine Genossenschaften an Ort und Stelle kennenzulernen.

 

 

Noch zu seinen Lebzeiten entstanden in diesen Ländern Genossenschaften nach dem von ihm geschaffenen Vorbildern. Sie breiteten sich mit einer ungewöhnlichen Schnelligkeit aus. Bereits vor dem 1. Weltkrieg gab es Raiffeisengenossenschaften in fast allen europäischen Ländern, ferner in Asien und Amerika, besonders in einigen lateinamerikanischen Staaten sowie in zahlreichen afrikanischen Kolonialgebieten. 

 

Was diese vor  fast 150 Jahren entwickelten Gedanken und Grundsätze für die zeitgenössischen Betrachtungen so bemerkenswert macht, ist ihre unverminderte Aktualität, die sich in einer anhaltenden Ausstrahlung äußert.  Die meisten Entwicklungsländer sind überwiegend Agrarländer. Ihre Landwirtschaft besteht in der Regel aus Millionen kleiner Bauern, die sich in der gleichen Lage befinden wie die Bauern und Handwerker in den armen Westerwalddörfern zu Raiffeisens Zeiten. Ihre Betriebe sind zu klein, um auf moderne  und lohnende Wirtschaftsformen umgestellt zu werden. Sie erzeugen und vermarkten auf die ihnen gewohnte primitive Weise und sind auf Gedeih und Verderb den die Märkte beherrschenden Händlern ausgeliefert. So kann es nicht verwundern, daß sich die Blicke der Entwicklungsländer, wenn sie die Bedeutung genossenschaftlicher Einrichtungen erkannt haben und nun darangehen, Genossenschaften ins Leben zu rufen, immer wieder auf Deutschland als die Urheimat und den geistigen Ausgangspunkt der ländlichen Genossenschaften richten und daß sie Rat und Hilfe bei den deutschen Genossenschaften suchen. Leider erlahmen weltbefruchtende Kräfte in Deutschland immer mehr. Die Unternehmen  richten sich nur noch auf schnellste Amortisation ein. Der Name „Raiffeisen“ ist zu einem über die ganze Welt verbreiteten Begriff geworden. Das Werk seiner Genossenschaftsgründungen hat schon zu seinen Lebzeiten über die deutschen Grenzen hinaus gegriffen. Heute arbeiten nach dem „System Raiffeisen“ fast unzählige Genossenschaften in über hundert Ländern aller fünf Kontinente.

 

Bebilderung: Absenderfreistempel der Gemeinde Hamm Sieg, Geburtsort von F.W. Raiffeisen sowie Sondermarke der Bundespost 1958 aus der Wohlfahrtsserie Landwirtschaft.

 

 

 

Quellen

 

Ausarbeitung und Zusammenstellung (hier Auszug) von Karl Heinz Mainczyk anläßlich

 

100 Jahre Volksbank Marl - Recklinghausen  e.G.

 

In Teilen aus Report Nr. 138 - ARGE DMG  e.V.) 1997/2010)

 

Bebilderung Eigenmaterial