Ury Gebrüder

 

Warenhaus Leipzig

 

 

 

 


Die Ury Gebrüder stammen wie einige andere Kaufhauskönige aus dem Ort Birnbaum bei Posen. Das Warenhaus Ury war das erste Leipziger Warenhaus und wurde am 24. März 1896 von den Gebrüdern Moritz und Julius Ury am Königsplatz 15 gegründet. Kleine Preise bei großer Auswahl und zuvorkommender Bedienung führten zu großem Erfolg. 1913/14 verwandelte ein umfassender Umbau durch den Architekten Emil Franz Hänsel das Geschäft in einen sechsstöckigen Prachtbau mit Lichthof. Das Eingangsbild zeigt eine zeitgenössische Vignette mit Werbung für die Spielwarenabteilung.

 

 

 

Das Warenhaus Ury Gebrüder Leipzig Königsplatz 15.

Ansichtskarten von Warenhäusern waren als Feldpostkarten beliebt.

Neben dem Aufgabestempel Connewitz vom 8.12.16 zeigt die Karte noch den

Briefstempel der Kompanie und den Zensurstempel P.K.

 

 

Das ursprüngliche Sortiment von Kurz-, Weiß- und Wollwaren wurde mit dem Neubau stark erweitert.  Das Kaufhaus war als Arbeitsplatz attraktiv, da sich die Gebrüder Ury von Anfang an für ihre Mitarbeiter engagierten.  Für junge Mitarbeiter wurde eine obligatorische Fortbildungsschule mit unentgeltlicher Nutzung der Lehrmittel eingerichtet. Außerdem gab es einen Stiftungsfond für Angestellte in finanzieller Not. Jeder Mitarbeiter erhielt zum fünfjährigen Dienstjubiläum ein Sparbuch. Und bereits 1913 betrug der Jahresurlaub drei Wochen bei voller Gehaltszahlung. Das soziale Engagement der Gebrüder Ury ging in vielerlei Bereiche, jüdische wie nichtjüdische.
 

Im Jahr 1901 wurde in Zwickau das „Warenhaus Ury Gebrüder, Zwickau/Leipzig“ durch die Gebrüder Moritz und Julius Ury gegründet. Leiter des Warenhauses war Simon Schocken, der in die Familie Ury eingeheiratet hatte. 1923 dann Gründung einer AG zwecks Fortführung der von der Firma Ury Gebrüder in Berlin und Leipzig betriebenen Warenhäuser mit dem Sitz in Leipzig,  Königsplatz 15.

Im Zuge der "Arisierung" wurde 1938 das Leipziger Messeamt neuer "Eigentümer". Die Begründer Moritz und Julius Ury wurden schon 1937 gezwungen, aus dem Unternehmen auszuscheiden. Im Dezember 1943 wurde das Gebäude zerstört.

 

 

 

Aktie über 10000 RM - Ausgabe 1937, Auflage 140 Stück mit Unterschriften u.a.

von Moritz und Julius Ury. Druck Giesecke & Devrient, Leipzig/Berlin und dazugehörender Kuponbogen.

 

 

Im 1940er AG-Handbuch steht folgender Eintrag: "Das Vermögen der (jüdischen) Firma wird aufgrund der Verordnung vom 23.11.1938 abgewickelt". Die Familie Ury wanderte daraufhin nach Lafayette in die USA aus. Nach 1945 verlor die Familie dann ihren Leipziger Besitz  durch die Enteignungsmaßnahmen der Sowjets bzw. der "DDR" endgültig. Ihr blieb das Warenhausgrundstück in Berlin 65, Swinemünderstr. 86/87. Hinzuerworben wurde ein Kaufhaus im bayerischen Hof. Der AG Sitz wurde 1958 von Leipzig nach Wiesbaden verlegt. Seit 1972/73 ist das Unternehmen in den AG-Handbüchern nicht mehr aufgeführt.