Leonhard Tietz Belgien

 

 

 

 

Briefkopf aus dem Jahr 1911

 

Jugendstilbriefkopf  des „deutschen Kaufhauskönigs“ Leonhard Tietz.

Er wandelte 1905 seine Firma  in eine Aktiengesellschaft (AG) um.

Wenig  bekannt ist, daß Tietz  auch  in Belgien sehr aktiv war.

Es gab Warenhäuser in Antwerpen, Malines, Brügge, Brüssel und  Saint-Nicolaas.
 

 

 

 

Seit 1900 gründete die Firma Tietz in Belgien Filialgeschäfte, 1908 zusammengefaßt als Societe Anonyme Grands Magasins Leonard Tietz. 1910 wurde zur Weltausstellung in Brüssel ein riesiges Kaufhaus eröffnet.  Des weiteren beteiligte sich Tietz seit 1912 am Aufbau des holländischen Warenhausunternehmens de Bijenkorf  N.V. Amsterdam.

 

Die Zeit von der Gründung bis zum Ersten Weltkrieg war die Blütezeit der Kaufhäuser. Sie wurden beschrieben als Kathedralen des Verkaufs, wo man die Luft der Paläste und Tempel einatmen konnte. Die Inspiration für diese Art von Konsumtempeln bekam Tietz bei einem Besuch in  Mailand. Die atemberaubende Galerie Victor Emmanuelle II beeindruckte ihn immens. Große Glaskuppeln mit riesigem Lichteinfall, dazu eine Architektur, die selbst Könige und Fürsten zu einem Besuch veranlaßten.  Die großen Architekten ihrer Zeit konnten für die Planungen gewonnen werden.

 

 

Die erste Filiale in Belgien eröffnete Leonhard Tietz 1897 am Melkmarkt 10-12 in Antwerpen. Sie wurde in nur drei Jahren zu klein. In der Meir 82, der Haupeinkaufstraße von Antwerpen, konnte dann ein größeres Geschäft eröffnet werden. Der Name "Meir" entstammt  dem niederländischen Wort "Meere" (See). Tietz wählte für den Bau einen belgischen Architekten aus.

 

 

 

 

Niederlassung Antwerpen

 

 

 

Portogerechte Karte der Tietz AG mit Ansicht des imposanten Kaufhauses in Antwerpen.

Vorderseitig runder blauer Freigabestempel der Auslandsstelle Aachen (Zensurstempel).

Die Freimarke der 1. Centimes-Ausgabe, Ausgabe 1. Okt. 1914, ist mit einem

Einkreisstegstempel  Antwerpen 23.5.1915  10-11 V entwertet.

 

 

 

Deutsche Besetzungsausgaben

1. Weltkrieg 1914/1918

 

Landespost für das Generalgouvernement Belgien

 

 

Die auf den Karten aufgeklebten Briefmarken waren nicht Marken der kaiserlichen Reichspost, sondern Marken der neu errichteten, sogenannten „Landespost“. Die Landespost diente der Zivilbevölkerung des Besatzungsgebietes, dazu zählte auch die Firma Tietz, und sollte im allgemeinen nicht von den Truppen benutzt werden. Darauf wies der Aufdruck auf den Marken hin. Die Platten für die Aufdrucke mußten öfter erneuert werden. Dadurch ergeben sich zahlreiche Aufdruckverschiedenheiten.

 

Den Centimes–Aufdruck gibt es in zwei Fraktur-Schreibweisen:

 

Centimes auf der Ausgabe 1914 und Cent.  und auf der zweiten Ausgabe ab 1916.

 

Der Verwendungsbereich der Marken war zuerst auf das Besatzungsgebiet beschränkt, wurde aber später auf Deutschland, die verbündeten Länder und das neutrale Ausland ausgedehnt. Die Marken verloren ihre Gültigkeit mit der Einstellung des deutschen Postbetriebes.   

 

Die Korrespondenz der Tietz AG ist ausschließlich mit 10 Centimes/Cent. Marken beklebt. Einige der Marken tragen eine Firmenlochung. In Belgien heißen diese Art Karten mit Werbezudruck "Blegen" im Gegensatz zu den seit 1938 eingeführten Publibel-Karten/Ganzsachen mit Bild-Text-Werbezudruck auf der Anschriftenseite unten links.

 

Lochungen  auf  Briefmarken

 

Die englische Bezeichnung lautet - perfin - private Lochung. Diese Lochungen wurde von Firmen und Behörden auf deren Markenbestände zum Schutz gegen mißbräuchliche Benutzung angebracht. Die Durchlochungsmaschine wurde 1867 von dem Engländer Joseph Sloper erfunden, patentiert und am 13. März 1868 postamtlich zugelassen. Es folgte 1874 die Schweiz, Frankreich 1876 und Deutschland 1877.

 

Privat gelochte Marken sind im eigentlichen Sinn für den Sammler wertlos. Sie haben aber dennoch ihren eigenen Reiz und finden Platz in verschiedensten Sammlungen. Es gibt immer mehr Sammler, die sich mit der Herkunft dieser aus Buchstaben oder Symbolen bestehenden Merkmale auf den Marken befassen. Inzwischen sind diese Lochungen untersagt, da von interessierter Seite zum eigenen Nutzen viel Unfug damit getrieben wurde.Diese privaten Lochungen sind nicht zu verwechseln mit amtlichen Lochungen, z.B. den Eisenbahnmarken von Bayern. Amtliche Lochungen machen die Marken, im Gegensatz zu den privaten Lochungen, nicht wertlos. Dennoch wurden von privater Seite immer wieder unerlaubte Lochungen auf seinerzeit kursierenden Marken angebracht. Bekannt sind da insbesondere die LUPOSTA Lochungen Berlin aus dem Jahre 1962 u.a. Machwerke mehr.


 

 

Zweigniederlassungen in Belgien

Brüssel

  

 

 Der nachfolgende Schriftverkehr zeigt die Geschäftsverbindungen ins Kaiserreich auf.

Augenfällig gestaltete Firmenkarte aus dem Jahre 1914 noch ohne Zensurvermerke.

Verwendet wurde eine Freimarke  Deutsches Reich Germania-Muster mit Aufdruck Belgien 

10 Centimes auf  10 Pfg in Frakturschrift. Entwertet wurde die Marke mit einem 

Einkreisstegstempel mit Bogen oben und unten  Brüssel vom 4.11.1914  6-7 N.
 


 

Zweigniederlassung Brüssel

Briefmarken mit Firmenlochung Großes "T" im Kranz

 

 

   

 

  In braun gehaltene Firmenkarte  mit portogerechter 10 Centimes Frankatur der 1. Ausgabe nach Bayern.

Entwertet wurde die Marke mit einem Zweikreis-Maschinenstempel mit Wellenmuster vom 22.1.1917.

Der Stempelkopf hat den belgischen Sprachgewohnheiten zufolge eine zweisprachige Inschrift, französisch und flämisch.

Vorderseitig ovaler blauer  Zensurstempel der Militärischen Überwachungsstelle Brüssel und  Kontrollgangsstempel.


 

Zweigniederlassung Brüssel

 

    

 

  In blau gehaltene Firmenkarte  mit portogerechter 10 Cent. Frankatur der 2. Ausgabe nach Bayern mit Firmenlochung.

Entwertet wurde die Marke mit einem Zweikreis-Maschinenstempel mit Wellenmuster vom 22.1.1917.

Der Stempelkopf hat den belgischen Sprachgewohnheiten zufolge eine zweisprachige Inschrift, französisch und flämisch.

Vorderseitig ovaler blauer  Zensurstempel der Militärischen Überwachungsstelle Brüssel und Kontrollgangsstempel.


 

 

Zweigniederlassung Brüssel

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  Dekorative Firmenkarte der Tietz AG mit  Abbildung des Brüsseler Warenhauses.

Portogerechte 10 Cent. Frankatur der 2. Ausgabe mit Firmenlochung vom 21.VI.1917.

Entwertet wurde die Marke mit einem Zweikreis-Maschinenstempel mit Wellenmuster.

Der Stempelkopf  ist nur einsprachig gehalten. Vorderseitig ovaler blauer  Zensurstempel

der Militärischen Überwachungsstelle Brüssel und Kontrollgangsstempel.


 

 

 Tietz - Kaufhaus  Antwerpen/Belgien

 

Der Anteilsschein wurde errichtet vom Notar Maitre Alphonse Cols aus Antwerpen.

Veröffentlicht wurde die Ausgabe am 11. Oktober 1908 im "Moniteur Belge" (belgisches Staatsblatt).

Unterschrieben ist das Dokument u.a. von Leonhard Tietz.

 

 

 

Aktie - Statuten - Coupons

(Original Slg. Mainczyk)

 

 

 

 

 

Quellen:

Leonhard Tietz -Ein Wort über ihn und sein persönliches Werden-

von Mathieu Schwann

Kaufhof Internetauftritt - Belege eigene Sammlung