L E O N H A R D       T I E T Z

  

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Kaufhaus in Köln Hohe Straße

     

 

1879 eröffnete der 30jährige Kaufmann Leonhard Tietz aus Birnbaum/Warthe mit einem Startkapital von nur 3000 Talern in Stralsund einen winzigen Textilladen mit 25 Quadratmetern Verkaufsfläche. Das Besondere an dem kleinen Textil-Geschäft waren neuartige Usancen, die von den damals im Einzelhandel üblichen Methoden abwichen. In einer Zeit, in der man in den Geschäften noch feilschte und anschreiben ließ, verkaufte Tietz Qualität zu festen Preisen und nur gegen bar. Diese Usancen übernahm Leonhard Tietz auch in dem 1882 eröffneten Haus in Elberfeld. Dort, im ersten großen Industriezentrum Deutschlands, aber auch in der Umgebung,  war auch eine Vielzahl an Lieferanten zu hause.

 

 

 

 

 

Einkreisstempel Köln vom 16.11.23  8-9 N auf 2x5 Mrd. Freimarken

Rosette/Korbdeckel-Muster mit durchstochener Zähnung.

 Dieses war der Tarif vom 12.11.23 für Briefe im Fernverkehr bis 20g.

 

 

 

1891 richtete Leonhard Tietz seinen ersten Laden in Köln in der Hohen Straße ein. Das war zugleich das erste Warenhaus im Westen Deutschlands, dem viele Filialen im In- und Ausland folgten. Auch den Hauptsitz des Unternehmens verlegte Leonhard Tietz nach Köln. Schon zwei Jahre später hatte er zwei weitere Geschäfte in Köln eröffnet und konnte expandieren. 1892 folgte das Warenhaus in Aachen in der Großkölnstraße. Ab 1896 zog die Firma dann auf den Aachener Markt.

 

 

 

 

   

Auch für die Wohlfahrt der Betriebsmitglieder setzte man sich ein.

Ferienhäuser, z.B. in Daun/Eifel, wurden den Beschäftigten zur Verfügung gestellt.

Feldpostkarte aus Daun-Ferienhaus Tietz.

 


 

1914 wird als größtes und modernstes Warenhaus Europas ein Neubau an der Hohen Straße eröffnet. In diesem Gebäude befindet sich der heutige "Kaufhof". Im selben Jahr starb Leonhard Tietz. Der älteste Sohn des Firmengründers, Alfred Leonhard Tietz wurde Generaldirektor. 1929 hatte das Geschäftsunternehmen 34 Filialen und 15.000 Angestellte.

 

 

 

 

Das Warenhaus Tietz am Corneliusplatz wurde 1906 erbaut.

 


 

Das bald von ihm planmäßig aufgebaute Filialsystem in den Städten des wirtschaftlich aufblühenden Rheinlandes ermöglichte ihm, nach dem Erfolgsrezept „Großer Umsatz, kleiner Nutzen“ zu arbeiten. In den Jahren 1889 bis 1905 errichtete  Leonhard Tietz in Westdeutschland seine ersten elf Häuser. Dort war es schon ein Erlebnis einzukaufen: Die ersten elektrischen Bogen- und Glühlampen erstrahlten, elegante Pariser Modelle vermittelten den Hauch von Luxus und junge, stets tiefschwarz gekleidete Verkäuferinnen zeigten den Kunden das immer vielfältiger werdende Sortiment. Seit 1900 wurden mehrere Zweigniederlassungen in Belgien eröffnet (a.a.O.). Hauptsitz der Firma aber war Köln. Als erster deutscher Warenhaus-Unternehmer wandelte Tietz seine Firma 1905 in eine Aktiengesellschaft um.

 

Wieder waren es die Nazis, die ein blühendes deutsches Unternehmen zerstörten.  Im Zuge der „Arisierung“ im Jahre 1933 wurden auch die Inhaber der Firma Tietz gezwungen, ihr Eigentum aufzugeben. Alfred Leonhard Tietz muß im September 1934 seinen Posten im Aufsichtsrat endgültig verlassen. Der Firmenname mußte in "Westdeutsche Kaufhof AG/vormals Tietz" geändert werden. Der Zusatz wurde 1936 gestrichen. Im Zweiten Weltkrieg arbeitete der "arisierte" Kaufhof mit rationierten Lebensmitteln und Handelsgütern. Bei der Bombardierung Kölns 1942 durch die Alliierten  wurde das Gebäude weitgehend zerstört.

 

Der Wuppertaler Unternehmer Abraham Frowein, Präsident der Internationalen Handelskammer, trat für die Belange der Familie Tietz ein. Er saß in fünfzehn Aufsichtsräten und hatte somit eine Vielzahl an Verbindungen, um die Tietz AG und die Tochterfirma Ehape zu retten.  Letztlich waren seine Bemühungen vergebens.  Frowein ermöglichte die Emigration der Familie Tietz nach Palästina, wo Alfred Leonhard Tietz nur 58jährig  verstirbt. Seine Witwe wanderte in die USA aus.

 

 

 

 

Absenderfreistempel der Kanzlei Frowein/Wuppertal

 

 

 

Frau Margarete Tietz besuchte in Begleitung Ihres Schwiegersohnes Dr. Jason gelegentlich Berlin und wohnte im Hotel am Zoo (a.a.O.), einem vom Architekten Alfred Messel um 1900 erbauten Haus am Kurfürstendamm 25. Margarete Tietz stirbt 1972 im Alter von 85 Jahren in den Vereinigten Staaten von Amerika. 

 

Nachkriegszeit

 

Der „Kaufhof“ kam nach 1945 in den Tagen des Wirtschaftswunders wieder schnell zu Umsatz und Geld, zeigte sich kulant und fand die ehemaligen Aktionäre, die noch aus den Familien Tietz und Schloß am Leben waren, im Rahmen der Wiedergutmachung "großzügig" ab.  Mitglieder der Familie Tietz gehörten nach dem 2. Weltkrieg weder dem Aufsichtsrat an noch waren sie in der Firmenleitung tätig.

 

Kaufhof war vor Karstadt die "Nummer Eins" der großen deutschen Warenhäuser und konnte sich Anfang 1994 durch die Übernahme von Horten noch vergrößern. 1996 kam dann die  Verschmelzung von Kaufhof und Asko auf die neue Metro AG in Köln. Das wird wohl nicht der letzte Besitzstand des vom Kaufmann Leonhard Tietz 1879 in Stralsund gegründeten Unternehmens sein.

 

Die Kaufhof AG gehört heute (2010) noch zur METRO. 1996 erwarb eben diese METRO 95 % des Horten-Kapitals. Die 37 Horten-Kaufhäuser wurden dann der Kaufhof AG übertragen. So schließt sich der Kreis um den Arisierer Horten.

 

  

 

  

Absenderfreistempel der Kaufhof-Filialen in 22a Düsseldorf, Portostufe 20 Pfg für Briefe im Fernverkehr aus 1953,  13a Nürnberg, Portostufe für Inlands-Drucksachen bis 20 g und 4,-- DM Portostufe für Maxibriefe bis 1000 g.

 

 

Kaufhof Briefmarkenausstellung in Dortmund: Sonderbriefumschlag zur Olympiade in Mexiko.

Der Wert zu 30 + 15 Pfg. zeigt die jüdische Sportlerin Helene Mayer, die 1936  bei den Olympischen Spielen in Berlin eine Silbermedaille für Deutschland erringen konnte.

 

 

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