S Y N A G O G E N

 

I N    R E C K L I N G H A U S E N

 

 

 

Wochenblatt für den Kreis Recklinghausen

 

 

Mehr als ein halbes Jahrhundert hielten die in Recklinghausen lebenden Menschen jüdischen Glaubens  ihre Gottesdienste (am Sabbat oder Feiertagen) in privaten Betsälen ab. Zuerst im Hause von Levi Michel (1824-1854) in einem von ihm eingerichteten  Betsaal hinter seinem Wohnhaus (Breite Straße). Nach Auseinandersetzungen innerhalb der jüdischen Gemeinde, Grund war wohl der für Gottesdienste nicht anständige Zustand des Betsaales, wurde der Gottesdienst in zwei getrennten Häusern abgehalten. Zur Schlichtung der Auseinandersetzungen band man  den Landesrabbiner, den Bürgermeister von Recklinghausen und den Landrat von Westerholt ein, der letztlich die Gottesdienste bis zur Klärung der Streitigkeiten untersagte. Notariell verpflichteten sich 1827 die Recklinghäuser Juden  den von Levi Michel eingerichteten Betsaal im Bruneschen Haus in der Breiten Straße für 12 Jahre zu mieten. Nach 1854 wechselten die Betsäle mehrmals.

 

 

 

 

 

Die erste Synagoge um 1900 Ecke Klosterstraße/Herzogswall, heute Standort der alten Feuerwache,

und Inserat Recklinghäuser Zeitung vom 31.3.1905.

 

 

Die zunehmende Zahl der Gemeindemitglieder und die verbesserte wirtschaftliche Struktur ließ den Plan zur Errichtung einer Synagoge heranreifen. 1877 stellte die Synagogengemeinde einen Antrag für den Bau einer Synagoge. Die Stadt Recklinghausen verkaufte der jüdischen Gemeinde ein rund 13 Ruten/180 Quadratmeter kleines Grundstück am Quadenturm. Nach Abklärung vielfältiger Fragen, Einholung von Spenden und Kollekten zur Finanzierung der Synagoge wurde das Gotteshaus 1880 eröffnet (s.v.Abb.). Dieses sollte 1900 erweitert werden.

 

 

      

Recklinghäuser Zeitung vom 25.8.1904, und die zweite Synagoge von 1904 auf einem Foto von 1913.

Inserat Gottesdienst Anzeige Recklinghäuser Zeitung 1908.

 

 

Man entschloß sich aber zu einem Neubau auf einem Grundstück (etwa 34 Ruten/475 Quadratmeter) des Fabrikanten Limper auf der Hedwigstraße 39 (heute Limperstraße)/Ecke Westerholter Weg. Im August 1904 wurde  der Neubau der Synagoge  eingeweiht (s.v.Abb.) Nach einem Abschiedsgottesdienst wurden die Thorarollen  aus der alten in die neue Synagoge überführt. Die vorzügliche Akustik war erwähnenswert.

 

Die im neuromanischen Stil erbaute Synagoge fiel 1938 in der Pogromnacht den Nazis zum Opfer und wurde danach  abgebrochen. Nach der Zerstörung der Synagoge fanden noch einige Zeit die Gottesdienste in einem Privathaus statt. Der Betsaal und die Synagoge der jüdischen Gemeinde befinden sich heute direkt neben dem Polizeipräsidium.

 

 

 

Aufnahme aus dem Jahr 1921

 

 

  

  

  Die zweite Synagoge in Recklinghausen in der Limperstraße 1925 (heute steht dort das Finanzamt),

Foto kurz vor der Zerstörung im Jahre 1938.

 

 

 

 

Die zerstörte Synagoge (Foto RZ 9. November 2013).

 Abbruchverkauf aus Recklinghäuser Zeitung vom 26. Januar 1939.

 

 

Quellen

Münsterland Monatsschrift für Heimatpflege 1921

Insertionen  Zeitungshaus Bauer Archiv

Fotos Repro Hermann Pölking

Ansichtskarten Eigenbestand