P A U L          S I N G E R

 

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"...ein unversöhnlicher Feind des Militarismus und des Opportunismus!"

 

 

Fotokarte mit Signatur zum Tod von Paul Singer

 

 

Der Sohn einer kinderreichen jüdischen Kaufmannsfamilie wurde am 16. Januar 1844 in Berlin geboren, besuchte eine Realschule (1851 - 1858) und lernte selbst den Beruf des Kaufmanns. Mit seinem Bruder Heinrich gründete er die „Damenmäntelfabrik Gebrüder Singer“ in Berlin. 1868 wurde Singer Mitglied des Berliner Arbeitervereins und gehörte der SDAP (Sozialdemokratische Arbeiterpartei) seit ihrer Gründung  1869 an.

 

Er war befreundet mit August Bebel und Wilhelm Liebknecht und half beim Aufbau der Parteiorganisation. Durch Geschäftsreisen nach London hielt er Kontakt zwischen der deutschen Parteiführung und Karl Marx und Friedrich Engels. 1883 wurde er in die Berliner Stadtverordnetenversammlung und in den Reichstag gewählt. Beiden Häusern gehörte er bis zu seinem Tode an. Trotz seines Reichtagsmandates  wurde Paul Singer im Zuge der Bismarckschen Sozialistengesetze 1886 aus Berlin ausgewiesen. Er setzte sich für sozial Schwache ein. Sein Engagement macht ihn in Berlin überaus populär. Er war der anerkannte Führer der Berliner Arbeiterbewegung und Vorsitzender der sozialdemokratischen Fraktion.

 

 

 

Zeitgenössische Ansichtskarte mit dem Berliner Rathaus,

dessen Grundstein 1861 gelegt wurde.

Hier tagte die Stadtverordnetenversammlung mit Paul Singer.

 

1884 gründete er das legal erscheinende sozialdemokratische „Berliner Volksblatt“ nebst einem Verlag (Vorwärts). Im selben Jahr in den Reichstag gewählt, vertrat er bis 1911 ununterbrochen den IV. Berliner Reichstagswahlkreis und entwickelte sich zu einem „unserer besten Reichstagsmänner“ (Engels). Von 1900 - 1911 vertrat er die deutsche Sozialdemokratie im Internationalen Sozialistischen Büro. Bis zu seinem Tode am 31. Januar 1911 war Paul Singer ein unversöhnlicher Feind des Militarismus und des Opportunismus. Seine Beisetzung am 5. Februar 1911 wurde zu einer der größten Demonstrationen der Berliner Arbeiter vor dem I. Weltkrieg.

 

 

Verlagsbrief-Einschreiben aus 1931 mit Marken aus der Präsidentenserie,

entwertet mit einem Einkreisstempel mit Gitterbogen Berlin 13.

 

Aktuelle erinnert das "Paul-Singer-Haus", dem Sitz des heutigen "Vorwärts",  in Kreuzberg an den großen Sozialdemokraten. Zu einer ehrenvollen Briefmarkenausgabe für Paul Singer hat die SPD es bis heute nicht geschafft.

 

 

                            Fotokarte: Vorwärts Buchdruckerei Paul Singer und Co. Karten Nr. 189.