Schlegel Brauerei Recklinghausen

 

Chronik in Bildern

 

 

Recklinghausen hat eine alte Brautradition. Von altersher waren das die sogenannten Hausbrauereien. Um 1870 gab es solche in der Geldstraße, Münsterstraße und am Kunibertitor (Villa Franka/Schauburg). Durch fühlbar werdenden Druck der Konkurrenz aus dem nahen Dortmund schritt man daher in Recklinghausen zur Gründung einer Handelsbrauerei. Die spätere Schlegel Brauerei geht auf die Brauerei Krutmann, später Pott & Göbel zurück. Aus kleinsten Anfängen bauten die beiden Herren die Brauerei auf. Erweiterungsbauten und großer Bedarf an Waren- und Darlehenskrediten brachten es mit sich, daß nach zehn Jahren Betriebsführung eine Aktiengesellschaft gegründet wurde.

 

Erster Vorstand der neuen Aktiengesellschaft "Recklinghäuser Brauerei AG, vormals Pott und Goebel" bestand aus den Herren Clemens Mittelviefhaus (Ziegeleibesitzer), Stadtrat Hermann Bresser, Bankdirektor Josef Heitmann und Justizrat Franz Merkers. Dieses Gremium stand für eine größere Entfaltung und der Ausdehnung der Lieferbezirke. Bis zum Ersten Weltkrieg expandierte die Brauerei. Der Krieg aber brachte drastische Einschränkungen mit sich. Erst 1919 zeigte sich eine fühlbare Entspannung und Besserung der Geschäftslage. Die wirtschaftliche Not drückte auf die kleinen, nicht so kapitalkräftigen Betriebe. Beherrschend für das Gebiet von Pott & Goebel war die Schlegel-Scharpenseel-Brauerei AG Bochum. Schlegel war dann allerdings 1920 nach der Übernahme nur noch die einzige Brauerei auf Stadtgebiet.

 

 

Brauerei AG Station Recklinghausen Hauptbahnhof

 

1902 Brauerei Recklinghausen-Ost Horneburger Straße

 

 

 

Recklinghäuser Zeitung 11. Juni 1908

 

Unter "Diverse" Pott & Göbel

 

 

Einer, der  alte Brauereitradition als Handwerkskunst annahm, war der spätere Brauereidirektor Josef Kipp (1886-1961). Nach einer Lehre bei Mittelviefhaus trat er als Neunzehnjähriger 1905 in die Brauerei ein. 1911 erhielt er Prokura und wurde 1921 Direktor der Schlegel-Brauerei Recklinghausen. 1955 feierte er sein 50jähriges Dienstjubiläum. Er engagierte sich neben seiner Brauereitätigkeit auch im öffentlichen Leben Recklinghausens, u.a als plattdeutscher Autor. Nach ihm benannt ist die Josef-Kipp-Stiege auf dem ehemaligen Brauereigelände.

 

Nachfolger, und gleichzeitig letzter Brauereidirektor, wurde 1962 bis 1975  Kurt Parbel. Auch er engagierte sich vielfältig die Brauerei in den Mittelpunkt gesellschaftlichen Lebens zu stellen. Seit 1963 wurden die Stadtprinzenpaare in der Brauerei vorgestellt. Für die Besucher aus den Partnerstädten war der Schalander, ein Gemeinschafstraum der Bierbrauer, eine Stätte der Begegnung mit dem  Rat der Stadt und der Bürgerschaft.

 

1963 wurde das sogenannte "Vest-Pils" von OB Heinrich Auge (SPD) angeschlagen. Ein feines Pilsner-Bier, welches seinen Namen Dr. jur. Adolf Scharpenseel verdankt. Die Stadt erlaubte die Aufnahme des Stadtwappens. Auch mit diesem Bier expandierte die Schlegel-Brauerei ständig bis in den norddeutschen Raum. In Flensburg-Kupfermühle lag die nördlichste Gaststätte, die Vest-Pils ausschenkte.

 

Im Zuge wirtschaftlicher Konzentration im Braugewerbe wurde durch Aktienumtausch 1:1 am 1. Januar 1971 die Schlegel-Brauerei mit der Dortmunder Union-Brauerei AG verschmolzen. Die drei Hauptaktionäre Westfalenbank, Maschinenfabrik Eickhoff und die Privatbrauerei Jacob Stauder/Essen bewilligten sich 1970 noch schnell eine Erhöhung des Aktienkapitals aus Gesellschaftsmitteln und gaben danach ihre Beteiligung an die Dortmunder Union ab. Einen kräftigen Schluck aus der Pulle nannte das ein Kleinaktionär.

 

Die ganze Raffsucht der Dortmunder-Union nutzte nichts. Schon 1972 fusionierten diese mit der Schultheiss-Gruppe und sind heute auch nur noch Legende. 1975 wurde dann in Recklinghausen der letzte Sud angesetzt und der technische Betrieb nach Bochum verlegt.  Damit erlosch eine fast hundert Jahre bestehende Brauerei.

 

 

 

1925 Werbung

 

 

Werbung Dari 1927 - 1928

 

 

Links mit den Betrieben in Bochum - Recklinghausen - Herne

und Malzfabrik Giersleben Anhalt

 

 

Gutschrift mit rückseitiger Werbung Malz- und Schwarzbier.

Letzteres war bei uns weit vor dem Fall der Mauer bekannt.

 

 

Schlegel Werbung Festschrift Gesangsverein Gutenberg 1930

 

 

 

 

Der spätere Brauereidirektor Kurt Parbel

 

Angesichts der Knappheit des für ein Kampfblatt geeigneten Personals stellte die National-Zeitung (NZ) mit Kurt Parbel einen jugendlichen Schriftleiter ein, der gerade erst im Jahr zuvor sein Abitur gemacht hatte. Als Gründer des NS-Schülerbundes in Recklinghausen 1931, dann bis zur Fusion mit der HJ als dessen Gauführer in Westfalen-Nord gehörte er zu den „jungen Sturmsoldaten der nationalen und sozialistischen Revolution“, gleichwohl zur kleinen Garde der „alten Kämpfer“. Entsprechend entwickelte der NSDAP-Kreispresseamtsleiter die NZ zur „Vorkämpferin für das neue Deutschland“ (NZ 29.05.1936).

 

 

 

 

Frankotyp Freistempel Bochum und Olympia-Werbung 1936

 

 

 

Auszug aus dem Bericht zum Geschäftsjahr 1936/37

 

 

 

 

Betrieb Bochum

 

 

 

Kondolenzen - Musterbetrieb - Bilanz 1937

 

 

 

 

Aktien zu Zweihundert und Tausend Reichsmark Januar 1938

 

 

 

 

Bescheinigung über eingezahlte Arbeitslosen-Versicherung Beiträge 1938/40

und Einladung zur Weihnachtsfeier 1939.

 

 

Frankotyp Freistempel 1941 Schlegel Recklinghausen

 

 

 

Eine doch bescheidene Entlohnung bei der Menge Bier?

 

 

 

Die Brauerei sorgte nicht nur für den Haustrunk sondern auch für Kartoffeln

 

 

 

 

Flaschenetikett und Siegelmarke

 

 

 

1959 Schlichte Werbung Festschrift 50 Jahre Victoria 09

 

 

 

Tag der offenen Tür 1969

Schlegel-Brauerei Recklinghausen

 

 

Links die alte Brauerei - rechts Brauereidirektor Kurt Parbel mit 2 Schlegel-Blonden

 

 

 

Die Schlegel-Blonden im Einsatz

 

und bei der Büroarbeit - rechts Weihnachtsfeier 1969 im Schalander

 

 

 

Gratulationsschreiben zur Vermählung

 

Unterschrieben von den Herren Deventer -

Kurt Parbel ppa.  und Schlegel

 

 

 

Quellen

Werbung Dari 1928/1929

Schlegel-Scharpenseel Brauerei Jahresabschlußbericht 1936/37

Kurt Parbel 100 Jahre Schlegel Brauerei 1984

Mündliches Gesprächsprotokoll mit Herrn Kurt Parbel

Bebilderung eigene Vorlagen