J O S E P H        R O T H

 

1 8 9 4    -    1 9 3 9

 

 

 

 

“Als österreichischer Monarchist, konservativer Mann

und unerbittlicher Feind jeder Regierung, an deren Spitze ein Tapezierer steht,

verzichte ich darauf, im „Dritten Reich“, derzeit Deutschland genannt, zu erscheinen“.

Joseph Roth

 

 

                                                                                                           

Joseph Roth  kam am 2. September 1894 im galizischen Brody zur Welt. Brody war Grenzstadt zum russischen Wolhynien und eine Stadt mit einem jüdischen Bevölkerungsanteil von über 80%.  Roth behauptete später in Schwaby geboren zu sein. Dieses und viele andere Ungereimtheiten sind wohl auf den Verlust seines Vaters zurückzuführen. Es zieht sich durch sein ganzes Werk.

 

 

 

Poststempel von Brody/Galizien,

dem Geburtsort von Joseph Roth.

 

15 Kreuzer Freimarke Doppeladler im Prägedruck

der österreichischen Post von 1. Juli 1863

 

 

 

Nach dem 1913 mit Auszeichnung bestandenen Abitur am Kronprinz-Rudolf-Gymnasium in Brody, eine Stätte deutscher Sprache und Geistes und zur Hälfte aus jüdischen Schülern bestehend, wechselte Roth nach Wien.  Sein in Lemberg begonnenes  Germanistik-Studium setzte er  dort  fort.  Schon bald erschienen in Zeitungen seine ersten Gedichte und Feuilletons. Sein Roman „Hiob“ kam 1930 heraus und war eine Überraschung. Nicht nur weil er einen frommen Joseph Roth erwies, sondern weil er eine Qualität hatte, die den glänzenden Schriftstellern der „Golden Twenties“ so selten gelingen wollte; er war zeitlos.  Mit seinem populären Roman „Radetzkymarsch“ (1932) hat Roth der im ersten Weltkrieg  versunkenen Donaumonarchie ein literarisches Denkmal errichtet.

 

 

    

 

 

Am 30. Januar 1933 verließ Joseph Roth Berlin in Richtung Paris, seit seinem ersten Besuch dort 1925 die Stadt seiner Träume. Den neuen Herrschern ließ er in einem offenen Brief mitteilen :“Als österreichischer Monarchist, konservativer Mann und unerbittlicher Feind jeder Regierung, an deren Spitze ein Tapezierer steht, verzichte ich darauf, im „Dritten Reich“, derzeit Deutschland genannt, zu erscheinen“.

 

Als Joseph Roth am 27. Mai 1939 im Pariser Hospital Necker unter elenden Umständen starb, erlosch eine Stimme in der deutschen Exilliteratur jener Jahre.  Nach dem frühen Tod ist sein Ruhm ständig gewachsen, sein Rang unter den großen Autoren  längst unbestritten.

 

 

 

Gedenktafel Kurfürstendamm 15 (1988 angebracht).

 

Foto: Privat 2007

 

 

 

 

Zur Bebilderung:

 

Die österreichische Post widmete Joseph Roth 1994

zum 100. Geburtstag die eingangs eingerückte Marke,

die vier Romane von Roth aufführt:

Das Spinnennetz - Radetzkymarsch -  Hiob - Die Kapuzinergruft

Zum gleichen Anlaß wurde in Brody ein Sonderstempel aufgelegt.

Der Schmuckbrief zeigt das von Joseph Roth besuchte Gymnasium.

Die Verlagsanzeige ist einer Frauenzeitschrift aus dem Dietz Verlag von 1925 entnommen.