Recklinghausen - Kurkölnische Zeit

 

1236 - 1802

 

 

Kurbrandenburgische Reitpost Berlin-Kleve

 

Fürstbischöflich münsterische Landespost

 

 

 

Altes Stadtsiegel

 

 

 

 

Anfänge der Post

 

Die Stadt Recklinghausen, erstmalig in einer Urkunde für das Bistum Paderborn ausgestellten Urkunde des Kaisers Heinrich II. aus dem Jahre 1017 erwähnt, erhielt im Jahre 1236 durch Erzbischof Heinrich von Müllenark per Urkunde erweiterte städtische Gerechtsame. Ein Postwesen in der uns bekannten Form existierte zur damaligen Zeit nicht. Dennoch können wir die Überbringung der erwähnten Urkunde ohne Zweifel als die älteste bekannte Überbringung im postalischen Sinn  betrachten.

  

Ursprünglich bezeichnete das Wort „Post“ die Pferdewechsel- oder Raststationen der von Kaiser Augustus begründeten Nachrichten-, Personen- und Güterbeförderung im römischen Imperium, des „cursus publicus“. Eine solche Station hieß „mutatio posita“ (Wechselstation) oder „mansio posita“ (Raststation). „Posita“ wurde zu Post und bedeutete zunächst nur das Posthaus an der Straße, später dann die ganze Einrichtung. Für den privaten Verkehr war die Staatspost natürlich nicht zugelassen. Dazu mußten die schreibfreudigen Römer schon persönliche Boten in Anspruch nehmen. Seßhaftigkeit der Völker aber brachte das Bedürfnis mit sich, Nachrichten auszutauschen.

  

Seßhaft wurden die Menschen in und um Recklinghausen weit vor dem Jahr 1236. Um 790 vermutet man die Gründung der Urpfarre Recklinghausen. Schriftliche Überlieferungen aus diesen Zeiträumen  aber fehlen. Im Laufe der Jahrhunderte wandelte sich die Nachrichtenübermittlung über Boten bis hin zu einem geordneten Unternehmen.

  

Auch die Stadt Recklinghausen profitierte von diesem Wandel. Allein die Mitgliedschaft in der Hanse in den Jahren 1316 bis 1618 brachte einen großen Informationsfluß in Gang. Die Hanse unterhielt bereits Jahrhunderte vor Einrichtung einer neuzeitlichen Post regelmäßige und gut funktionierende Nachrichten-Verbindungen zwischen den ihr angehörenden Städten und Hansekontoren in Bergen, Brügge, London (Stahlhof) und Nowgorod; eine lebenswichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Geschäftstätigkeit der Hansekaufleute.

 

In kurkölnischer Zeit nutzte die Kirche als Landesoberhaupt diese Einrichtungen ebenfalls.

 

  

 

 

Stadtgründungsurkunde

 

Erste als Post zu bezeichnende Übermittlung

eines Schriftstückes nach Recklinghausen

 

Copy of the Municipal foundation document -

probably first postal delivery to Recklinghausen in  1236

 

Copie de Document de droit municipal -

peut-être premier correspondence á Recklinghause 1236

 

 

Leseabschrift der Stadtgründungsurkunde von 1236

(Recklinghäuser Zeitung 1936)

 The Municipal Foundation Document from 1236 legible

 L’ document de droit municipal de 1236 lisible

 

  Das Original dieser Urkunde befindet sich im Stadtarchiv Recklinghausen

 

 
 

 

Kurbrandenburgische Reitpost Berlin-Kleve

 

 

Friedrich Wilhelm (1640-1688), Kurfürst von Brandenburg, richtete im Jahre 1646 eine Postverbindung von Kleve nach Berlin ein. Die Reitpost durch Kanzleiboten überquerte zweimal wöchentlich die Lippe bei Dorsten. Die Poststrecke ging aus von Kleve - Xanten - Beeck - Lembeck - Dülmen - Münster - Lengerich-Osnabrück weiter nach Berlin. Diese Streckenführung hatte aber nur kurzen Bestand. 1649 dann wurde mit geänderter Streckenführung die Kurbrandenburgische Reitpost Berlin-Kleve eingerichtet. Diese Reitpost durchquerte das Vest Recklinghausen über Waltrop-Horneburg-Marl-Dorsten hin nach Kleve. Die Vestische Hauptstadt berührten beide Linien nicht. Vermutungen gehen dahin, daß die Preußische Postverwaltung Bedenken gegen die Errichtung einer Annahmestelle in der Stadt Recklinghausen gehabt habe, weil die Postboten durch das Schließen der Stadttore aufgehalten werden könnten. Der Postverwaltung in Berlin war es daran gelegen, für eine möglichst schnelle Beförderung und für die Einhaltung der Ankunfts- und Abgangszeiten der Boten zu sorgen. Die Kriegs- und Domänenkammer in Kleve ersuchte am 23. Dezember 1728 den Statthalter des Vestes, für Marl und Horneburg richtige Uhren mit viertel, halben, dreiviertel und ganzen Stunden anzuschaffen, damit seine säumigen Postillione mit Beweis bestraft werden könnten. Im gleichen Schreiben bittet die Klever Hofkammer den Statthalter zum Ausbessern der schlimmen Wege der Postkurse. In diesem Zusammenhang ist die Verordnung vom 7. September 1771 zu sehen (s. Abb.). Anscheinend hatten sich die Straßenverhältnisse bis zu diesem Datum nicht gebessert.

 

Preußische Postanstalten waren im westfälischen Raum weitverzweigt. Für das Vest und für die Postbeförderung Recklinghausens sind die Postorte Dorsten, Haltern, Horneburg und Marl von Bedeutung. Sie lagen alle auf nichtpreußischem Gebiet und unterstanden dem im Herzogtum Kleve liegenden Postamt Wesel.

 

Während der Napoleonischen Zeit kam das preußische Postwesen im Vest zum Erliegen. Eingesetzt wurde sie wieder 1816, drei Jahre nach dem Fall des Großherzogtum Berg.

 

 

 

 

 

Dreißigjähriger Krieg

 

 

 

Altbriefhülle nach Störmede mit handschriftlichem Vermerk:

 

pr. Recelinchusen d. 2 xbr (Dezember) 1631

„Mon. ( Monsieur) Tüshaus schreibt daß viel

leut von Erwitte haben bey uns

quartier“

 

„von Erwitte“ ist nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Ort in Ostwestfalen. Hier handelt es sich um den ligistischen (verbündeten) Obristen Othmar von Erwitte, der mit seinem  Reiterregiment länger als alle anderen Parteien Recklinghausen  unsicher machte (1629-1631). „von Erwitte“ war mehr Freibeuter als Soldat und hinterließ ein schlechtes Andenken.

 

 

 

Leseabschrift der Anschriftseite:

 

 

                                                        Den hochedlen Gestrengen Bernhardten

                                                        Sylvester von Hoerde zu Stormede

                                                        Churf. Colnischen heimgelaßenen Rhatt

                                                        in Westphalen Meinen gnäd(igsten)

                                                        Herrn                    Stormede

 

Wrapper from „Thirty years war“ to Stormede/east part of Westfalia, with hand-written notice on the revers:

pr. Recelinchusen d. 2 xbr 1631 (2nd Dec. of 1631), „...many soldiers  are here“

 

Poste de campagne „La guerre de trent ans“ avec notice: „pr. Recelinchusen

2xbr (Dec.)1631“  á  Stormede/Westphalie de l´est.

 


 

 

 

Fürstbischöfliche münsterische Landespost

 

 

Münster, aber mehr noch Köln, waren für Westfalen seit jeher Drehscheiben zur Abwicklung des Nachrichtenverkehrs für den Brief- und Postverkehr. Aus einer gelegentlichen Fußbotenverbindung Münster-Köln, die sicherlich schon um 1236 Bestand gehabt haben dürfte, entwickelte sich die fürstbischöflich münsterische Kanzleipost für die erwähnte Strecke. Deren Postreiter, ebenso die Fußboten früherer Zeiten, berührten bei ihren Botengängen auch das Vest Recklinghausen. Für die Mitte des 16. Jahrhunderts läßt sich eine Straße von Münster - Dülmen - Haltern - Dorsten - Duisburg - Düsseldorf-Merheim - Köln nachweisen. Des weiteren bestand über kurze Zeit eine Wagenpost der fürstbischöflichen münsterschen Landespost im Jahre 1671 als Anschlußpost von Olfen über Recklinghausen und Horst nach Duisburg. Kurkölnische Post, und das war die Landespost, mußte aber, und das war bis 1809 der Regelfall, nach Dorsten zur Weiterbeförderung verbracht werden. Ein Postkurs lief nicht über Recklinghausen, und ein Postamt gab es auch nicht.

 

Spätestens Anfang des 17. Jahrhunderts verkehrte dann regelmäßig einmal wöchentlich die reitende Botenpost zwischen Münster und Köln, die in Münster von den aus allen Himmelsrichtungen aus dem Ober- und Niederstift Münster eintreffenden Boten Post zur Weiterbeförderung nach Köln übernahmen. Neben der  Reitpost kam ab 1. Januar 1723 eine Wagenpost Münster-Dorsten-Duisburg-Düsseldorf mit Anschluß an Köln hinzu. Bis zum Ende des alten Reiches 1803 besorgte aus dem kölnischen Vest heraus der vom Vestischen Landtag angestellte und besoldete Vestische Postbote den Briefverkehr  nach und von Köln. Der Bote ist in dieser Funktion seit 1657 nachweisbar. Hartnäckiges Festhalten der Vestischen Landstände an eben diesen Vestischen Boten, den sie als Quasizeichen ihrer Souveränität und Selbständigkeit gegenüber der kurkölnischen Regierungszentrale in Bonn gegen alle Angriffe über diese lange Zeit verteidigten, waren auch einer der großen Hemmschuhe für die Nichteinrichtung eines Postamtes in Recklinghausen.

 

Die fürstbischöflich münsterische Kanzleipost Münster-Köln dagegen fand schon 1800 ihr Ende. Die französische Okkupation des Erzstiftes Köln ließ dieser über 200 Jahre alten Institution keinen Raum.

 

 

 

 

 

Über Recklinghausen   -   St. Mauritz bei Münster

 

 

 

 

Kirchenbrief mit siebenzeiliger Ergebenheitsadresse:

 

Dem sehr verehrungswürdigen und vortrefflichen Herrn,

Herrn Christophorus Schedelich, Kapitularkanoniker

der sehr vortrefflichen Kollegiatskirche zu St. Mauritz vor den Toren  Münsters...

 

Roter Portovermerk  -frco. Recklingh. -, Briefhülle um 1700  lt.  Bistumsarchiv Münster,

Briefbeförderung durch  Thurn und Taxis/ fürstbischöfliche Landespost.

 

Envelope with handwritten notice -frco. Recklingh.-, postage free from Recklinghausen

to St. Mauritz, a  small village near Münster, the capital of  Westfalia nearly 1700.

 

Lettre avec remarque écrit á la main -frco. Recklingh. /port payé de Recklinghausen

á St. Mauritz prés Münster, la capitale de Westphalie, environ 1700.

 

 

 

 

 Recklinghausen - Dülmen

 

 

 

Kirchenbrief an:  Christoph (Adolf) Anton Bucholtz in Dülmen

 

 

Bucholtz  wurde am 27. Februar 1682 in Welbergen bei Burgsteinfurt  geboren

und 1705 zum Priester geweiht. Für die Zeit vom 1710 - 1716 wird er

als Kanoniker (Chorherr/Mitglied eines geistlichen Kapitels) in Dülmen genannt.

Bucholtz verstarb am 4. Oktober 1729 in Dülmen.

 

Parish letter, written between 1710 - 1729, with handwritten notice „Reckgh“ to Dülmen,

a  small  town near the north border of the county of Recklinghausen.

 

Lettre  de la paroisse avec remarque écrit á la main „Reckgh“ á Dülmen, une petite village

pres l´frontier du nord de département d Recklinghausen, environ 1710 -1729.

 

 

 

 

 

Recklinghausen   -  Haus  Hülshoff  bei Münster

 

 

 

Briefbeförderung durch die Reichspost, oben rechts gemäß

den Gepflogenheiten der Thurn und Taxisschen Post  der Herkunftsort:

 

„de Reclinghausen“  (von Recklinghausen)

 

nach Hülshoff bei Münster mit Portovermerk   - frei -  (um 1780).

 

Handwritten notice „de Recklinghausen“  (from Recklinghausen/Thurn and Taxis mark)

on letter with postage paid to Hülshoff, a small village near Münster, capital of Westfalia.

 

Lettre avec remarque écrit á la main „de Reclinghausen“

(port paye /Tour et Taxis) á Hülshoff,

une petite village prés Münster, la capitale de Westphalie.

 

 

 

 

Ellingen - Recklinghausen

 

 

Schreibschrift-Einzeiler in rot der Kaiserlichen Reichspostanstalt  Thurn und Taxis Ellingen/Bayern, Ort im Landkreis Weißenburg mit Leitvermerk über Frankfurt, Siegen und Essen nach Recklinghausen im Vest.

 

 

Briefhülle 1799 mit fünfzeiliger Ergebenheitsadresse:

 

„Einem Hoch- und Wohlgeborenen, Wohlgeborenen,

Edlen auch Ehrsamen und Hochgelehrten,

Unserer Kurfürstlich Regierungspräsidenten,

Directoren und Räthen lieben Getreuen

 

Recklinghausen                                         p frankfurt  Siegen

im Vest                                                     et Essen

 

Envelope with postmark „Ellingen“ (red), handwritten style

from Bavaria to Recklinghausen, circa 1780.

 

Correspondance á Recklinghausen de Ellingen/Bavière

avec marque postale á caractère d’écriture, environ 1780.


 

 

 

Dorsten - Kirchhellen

 

Botenbrief

 

 

Brief  aus dem Jahre 1793 an den Geistlichen Herrn Devens in Kirchhellen. Der Inhalt betrifft Nachforschungen/Nachfragen  über den Verbleib von Obligationen bzw. Akten. Der angeschriebene Geistliche gehörte zum Kreis der Familie Devens, aus der der spätere erste Landrat des Kreises Recklinghausen, Friedrich Carl Devens hervorgegangen ist. Aus diesem Grund wurde der Brief unter Recklinghausen eingerückt. Des weiteren wird der Name Ass. (Assessor) Jeibmann erwähnt. Hier handelt es sich um den im Brief nach Mengede vom 24. März 1799 genannten Advocaten Dr. Jeibmann aus Recklinghausen.

 

 

Kirchenbrief - postalische Vermerke zeigt die Briefhülle nicht.

Es ist anzunehmen, daß der Brief per Boten überbracht wurde.

Das Siegel auf der Rückseite ist nicht identifizierbar.

 

 


 

Leseabschrift des Altbriefes

                  von

 Dorsten nach Kirchhellen

 

 

                Hochwürdiger

                Hochgeehrtester Herr Canonicus! 

 

in Betreff des Status Ca. repfort muß ich erst

von Kolln Taxen laßen Kommen, ehe ich im

stande bin,  denselben ganz vorzulegen,

und ich werde desfalls am nächsten Dienstag

dahin schreiben.

        

Ob die Webersche Obligation bei mir sey,

und ob sie jemals in meinem bewahr gewesen,

weiß ich gar nicht, wohl aber meine mich zu

erinnern, daß vor geraumen jahren zwischen

Herrn Vilsenley und Weber einiger schriftwechsel

gewesen, woran ich Herrn Vicarium noch nicht lange

vor seinem Absterben erinnert, der aber nichts

davon wissen wollen, obgleich ich Herrn Ass. Jeib-

mann als gegenstand in selbiger Sache nannte.

inzwischen  habe ich schon hin und wieder aufge-

sucht, finde aber nichts von den Nachrichten,

werde auch ferner suchen und wenn etwas

vorhanden, so werde selbst gleich zustellen,

wenngleich  ich schwerlich glaube, daß Herr Vicarius

seelig, wenn er mir die Originalnachrichten auch

ehemals eingehändigt haben sollte, selbige bei

mir so lange belassen haben würde, weil er

wohl allzu vorsichtig war.

        

nebst höflichster Rückempfehlung an Herrn

Commissarii hochwürden habe die Ehre zu seyn

 

 

             Dorsten, den               Euer Hochwürden

             17. April 1793             Gehorsamer Diener

                                               Gahlen 


 

 

 

Recklinghausen - Mengede

 

 

B O T E N P O S T

 

 

Brief aus dem Jahre 1799 von Recklinghausen nach Mengede bei Dortmund ohne jeglichen postalischen Vermerk. Botenbrief, wahrscheinlich befördert durch den Vestischen Boten, den die Vestischen Landstände bei ihrem Schriftverkehr in Anspruch nahmen.

 

 

 

Euer Hochedelgeborenen

Herren Herren Wünnenberg

zu

Mengede

                    

Absender war der Advocat Franz Jeibmann,

Breite Straße 14 in Recklinghausen.

 

 

Letter from Recklinghausen to Mengede near Dortmund

without any postmarks, „posted by messenger“  1799.

 

 

Lettre de Recklinghausen á Mengede prés Dortmund

sans marques postales -Postes messager - 1799.

 

 

 

 

 

Leseabschrift:

 

Da Euer Hochedelgeboren der

Vorschlag des Sellinghoffschen,

künftigen jacobi 2 Terminen

auf einmahl zu berichtigen

nicht aufrichtig ist, so will gegen

selbigen gleich nach den Oster-

ferien voranfahren, und die

45 (Reichs) Thaler zu entrichten Executive (vollzugsweise)

beitreiben, ich empfehle mich

und erharre mit aller Hochach-

tung zu sein 

 

                                                       

Euer hochedelgeborenen

Recklinghs

                                                        Ergebenster Dr.

den 24. Märtz

                                                Jeibmann

         1799

 

 

 

Der Brief wurde ohne Korrekturen wiedergegeben.

 

 

 

 

 

Quellen:

 

Archive folgender Städte halfen mit Angaben:

Münster, Meppen, Dülmen, Bistumsarchiv  Münster,

Leseabschriften Burghardt, Dr. Werner,  Stadtarchivar

und Herausgeber des Vestischen Kalenders, Recklinghausen

Dorider, Dr. Adolf: Das Vest Recklinghausen 1948

Dorider, Dr. Adolf: Geschichte der Stadt Recklinghausen 1955

Mainczyk, Karl Heinz:  Belege Slg. Recklinghausen - Heimat postalisch -

Vestische Kalender mit div. Artikeln