W A L T H E R    R A T H E N A U

 

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„Rathenau war eine große Persönlichkeit des deutschen Bürgertums,

die in einer seltenen Weise Unternehmungsgeist mit philosophischem Denken vereinte“

Wolfgang Ruge/Historiker

 

 

 Männer aus der Geschichte Berlins: 6 Pfg. Walter Rathenau,

Portostufe für Drucksachen bis 50g aus offiziellem Ersttagsbrief

der Berliner Post mit motivgleichem Sonderstempel. 

 

Die Welt, in die Walther Rathenau am 29. September 1867 hineingeboren wurde, hatte unterschiedliche Gesichter. Die Wiege des Knaben stand im proletarischen Norden Berlins - in der Chausseestraße. Wißbegierig ließ der Aufwachsende sich von  den Arbeitern in der Dampfmaschinenfabrik seines Vaters die Produktionsgänge und die Fertigungstechniken erklären. Neben dem rast- und rücksichtslosen Vater stand die heiter ruhige Mutter. Inmitten von Ruß und Sachlichkeit baute sie für ihren ältesten Sohn Walther ein Leben mit Musik, Malerei und Literatur auf. Das war das andere Gesicht des späteren AEG-Chefs.

 

 

Zwei AEG Briefe aus der Schaffenszeit von Walter Rathenau:

20 Pfg. Germania vom 20.5.13 vor dem Ausbruch des 1. Weltkriegs,

und rechts vom 4.6.20 zu Beginn der Inflation.

 

 

Walther Rathenau studierte in Straßburg, Berlin und München Chemie, Physik, Philosophie und Maschinenbau. Zu seinen Lehrmeistern gehörten solche Kapazitäten wie Helmholtz und Dilthey. 1889 promovierte er mit einer Arbeit über die Lichtabsorption der Metalle. Im Hauptberuf ab 1899 AEG Direktor, war Rathenau auch Literat. Aufsehen erregte vor allem sein Aufsatz „Höre Israel“, in dem er die deutschen Juden aufforderte, in das moderne Preußentum hineinzuwachsen.

 

Als Wirtschaftsführer arbeitete Rathenau im Krieg wie im Frieden auf vielen Ebenen des damaligen Staates. Politisch ist er durch die Unterzeichnung des Rapallovertrages zwischen Deutschland und der Sowjetunion in Erinnerung. Insbesondere dieser Vertrag brachte Walther Rathenau Beschuldigungen in gemeinster Weise ein.  Diese giftige Saat trug ihre Früchte: Rathenau wurde im offenen Wagen auf dem Weg ins Ministerium am 24. Juni 1922 von Rechtsradikalen erschossen. Die Protestdemonstration am 25. Juni 1922 gegen den feigen Mord, an dem mehr als 750 000 Menschen teilnahmen, war einer der größten Aufmärsche, die Berlin je erlebt hat.


 

Der Vertrag von Rapallo

Deutschland und Rußland werden nach dem Ersten Weltkrieg Partner

 

 

Im Rahmen des Rapallo-Vertrags schrieb Georgi W. Tschitscherin

einen offenen Brief an Woodrow Wilson.

  

Nach dem Ersten Weltkrieg bestimmten weitgehend England und Frankreich die Entwicklungen. Deutschland und das nunmehr kommunistische Rußland waren international völlig ausgegrenzt. Als die beiden Staaten am 16. April 1922 im Vertrag von Rapallo Beziehungen zueinander aufnahmen, begannen sie auch ihren Weg zurück in die internationale Völkergemeinschaft. Der Versailler Vertrag hatte Deutschland politisch wie wirtschaftlich vor unlösbare Aufgaben gestellt.

 

 

 

 

Zeitgenössische Ansichtskarten von Rapallo

und dem Hotel Imperiale in Santa Margherita Ligure.

Dort wurde der Vertrag unterzeichnet.

 

Um über das Verhalten gegenüber Rußland zu entscheiden, fand im April 1922 in Genua eine große internationale Konferenz statt, die ohne Ergebnis blieb. Am Rande der Konferenz handelten die Außenminister Rathenau und Tschitscherin ein Abkommen aus, das sie am 16. April in Rapallo, einem kleinen Ort in der Nähe Genuas, unterzeichneten. In dem Abkommen verzichteten beide Staaten auf gegenseitige Kriegsentschädigungen und Ansprüche. Außerdem wurden die sofortige Aufnahme diplomatischer Beziehungen und die Anwendung der Meistbegünstigungsklausel beim gegenseitigen Handel vereinbart. Es war ein „ehrliches, aufrichtiges Friedenswerk. In diesem Friedensvertrag gab es weder Sieger noch Besiegte.“ England und Frankreich aber erkannten die Bedeutung dieses Abkommens  nicht.

 

Tatsächlich bedeutete das Abkommen von Rapallo einen ersten Schritt auf dem Weg der Durchsetzung neuer Völkerrechtsprinzipien. Zum ersten Mal wurde die Achtung der Souveränität zweier Staaten unterschiedlicher Gesellschaftsordnung festgeschrieben.