Preußische Post in Recklinghausen

Zweiringstempel mit Jahreszahl

1863 - 1867

 

 

Zweikreisstempel mit Jahresangabe

auf preußischer  1 Sgr. Marke 1861

 

 

Postalisches

 

Die Post in Recklinghausen verwendete ab 1863 den abgebildeten Zweiringstempel mit Jahreszahl. Oben zwischen den Ringen der Ortsname in Antiqua-Versalien, unten die Stundenzahl stets mit den Unterscheidungsbuchstaben V=vormittags, N= nachmittags für die Aufgabezeit. Im Mittelkreis das Monatsdatum in Zahlen nebeneinander, meist nur durch Abstand, aber auch durch Striche getrennt. Darunter ist die Jahreszahl immer nur in den Endzahlen angegeben. Die Jahreszahlen wurden in unterschiedler Stärke verwendet.

 

Die früheste Verwendung ist lt. Thalmann 1862 für Saarlouis nachgewiesen. Für Recklinghausen war dieser Poststempel ab Mitte 1863 über den Norddeutschen Postbezirk hinaus bis 1872 bei der Reichspost in Verwendung. 1867 geht die Thurn- und Taxissche Post gegen eine Entschädigung an Preußen über. Nachfolger der preußischen Post wird danach der Norddeutsche Postbezirk für die seit 1867 im Norddeutschen Bund zusammengeschlossenen deutschen Staaten.

 

 

Historisches

 

Am 23. Mai 1863 wird in Leipzig der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein von Ferdinand Lassalle gegründet. Der Verein faßt bereits im Jahr 1864 im Ruhrgebiet Fuß.  Im gleichen Jahr gründet sich der Recklinghäuser Turnverein von 1863. Am 1. Juni 1863 erläßt die preußische Regierung eine Presseverordnung zur Zensierung der Zeitungen. Die ersten Gaslaternen brennen in Recklinghausen am 24. Dezember 1864. Das Gaswerk wurde von der AG Bagel aus Wesel gebaut. Im gleichen Jahr wütet die Cholera im Ruhrgebiet und im  Kreis Recklinghausen. Allein hier sterben 54 Menschen. Das Bergwerk Julia/Barillon bei Recklinghausen (Herne) wir 1867 errichtetet. 1884 erfolgte dann eine Durchbruch zur Zeche Recklinghausen (Clerget) in Hochlarmark.

 

Das Jahr 1867 war politisch gezeichnet von der Errichtung des Norddeutschen Bundes. Dieser war damals der erste föderativ organisierte deutsche Staat und Vorläufer des deutschen Kaiserreichs. Mit seiner Verfassungsgebung wandelte sich der Bund zum ersten deutschen Bundesstaat.

 

 

 

Post - Behändigungs - Schein

 

Zweikreisstempel Recklinghausen auf Post-Behändigungs-Schein

(Insinuationsdokument). Innen großes Negativ-Postamtssiegel Recklinghausen.

Auf der Rückseite abgeschlagen sind je ein Ausgabestempel Recklinghausen und Dorsten.

 

Justiz-Franchise "VOIGT" über die Zustellung des Testaments

vom 18. Mai 1861 laut Verfügung vom 9. Oktober 1863

in der G.A. (Grundbuch Angelegenheit) Großfeld.

Das oben bezeichnete Testament des Königl pr. Gerichts Dorsten,

adressiert an die Witwe Heinrich Wesener zu Recklinghausen,

habe ich empfangen.

 

Recklinghausen, den 5. October 1863

Unterschrift:

Frau K. Wesener

 

Das Testament wurde Frau Wesener vom vereidigten Briefträger

der Königlichen-Post-Expedition, Biel, insinuiert.

 

Großes Postsiegel und Unterschrift

 

 

 

 

 

Das Insinuationsdokument war eine formale Mitteilung des Gerichts über eine Angelegenheit,

die bei Gericht anhängig war. Der veraltete Begriff stammt aus dem Römischen Recht.

Heute wird eine Postzustellungsurkunde verwendet .

 

 

 

Sylvesterbrief vom 31.12.63 an die Regierung zu Münster

 

 

 

 

 

Poststempel mit fehlender Jahresangabe 1864

 

Dienstbrief vom 3.1.64 von Dr. Drecker an den Amtmann Wiesmann in Datteln.

Der Dienstbrief war irrtümlich in blau als nicht bezahlt austaxiert,

dann doch wieder gestrichen.  Dr. Drecker wohnte lt. Häuserbuch Holzmarkt 5.

 

 

 

 

Die Zahlen für die Daten im Stempel waren beweglich.

Die Typen fielen z.T. verschieden groß aus (s. Abb.).

In den Jahren 1864 und 1865 ist das zu beobachten.

Gelegentlich wurde auch mit einem Trennstrich,

fallend oder steigend, gearbeitet (Bild mittig).

 

   

 

 

 

Kopfstehende Datumseinsätze

 

Die Datentypen wurden von Hand eingegeben.

Da kommen Dreher schon mal vor.

 

 

Preußische Ganzsache 1862 Adler im Hochoval zu 1 Sgr. rosa mit schwarzem Überdruck.

Wertstempel rechts stehend, Wertziffer beidseitig aufgedruckt.

 

 

 

Posteinlieferungsschein über eine Geldsendung

von Recklinghausen nach Haus Grimberg bei Bochum

 

Posteinlieferungsschein ohne Ortseindruck.

Zur Kennzeichnung des Aufgabepostamtes wurde ein

einzeiliger Bergischer Textstempel verwendet.

 

 

 

Briefhülle aus dem letzten Jahr der Preußischen Post

 

Unfrankierter Brief, dementsprechend in blau austaxiert

an Freiherr Clemens-August Droste zu Senden (1821 - 1875).

Auf der Rückseite der Ausgabestempel von Senden.

 

 

 

Quellen

 

Anderson: Die Bezeichnung der Poststempelformen

Michel Ganzsachen Katalog Deutschland

Friedr. Wilh. Thalmann: Preußische Poststempel

Vestische Zeitschrift 1980/81

Chronik des Ruhrgebiets: WAZ Buch Chronik Verlag Dortmund