Postgeschichte Recklinghausen

Der Kasten- oder Rechteckstempel

1852 - 1863

 

 

 

 

Postalisches

 

Über preußische Poststempel konnten die Sammler über die Jahre eine Menge in Erfahrung bringen. Basierend auf frühe Veröffentlichungen, insbesondere von Friedrich Wilhelm Thalmann im Jahr 1925 und von Kurt Marbach 1936 haben wir beste Anhaltspunkte zur Aufarbeitung örtlicher Poststempelsammlungen. Allein Thalmann konnte 1925 auf über 50 Quellen für seine umfassende Arbeit zurückgreifen. Das zeigt, daß die Poststempel ihre Faszination schon früh ausstrahlten. So ist es bis heute geblieben.

 

Zum einen beschäftigt man sich mit dem Stempel und seiner Form selbst. Zum anderen sind da die postalischen Anhaltspunkte für die Marken und Belege, die der Stempel ziert. Zum Schluß kommen dann noch heimat- und zeitgeschichtliche Aspekte, die eine Ausarbeitung abrunden. Ein wenig sei hier über einen der meist verbreiteten preußischen Poststempel, den Kasten bzw. richtiger, den Rechteckstempel, berichtet.

 

Die ersten Poststempel in dieser Form fallen noch in die Zeit der Vorphilatelie, also vor Ausgabe der ersten preußischen Briefmarke 1850. In Recklinghausen taucht dieser Stempel erstmals 1852 auf und blieb der gebräuchliche Stempel bis 1863, abgelöst von dem Zweikreisstempel mit Jahreszahl.

 

Das wesentliche Merkmal dieses Stempels ist die Verzierung in Form einer Rosette. Diese kann sechs- oder achtstrahlig sein, auf einem Fuß stehend oder auf zwei Füßen liegend vorkommen. Auch andere Verzierungen kamen bei der preußischen Post vor. Das wiederum lag an den Stempelschneidern, die in dieser Richtung wohl Spielraum hatten.  Daten, Zahlen und Bruchstriche waren beweglich einsetzbar. Daher kommen auch schon mal fehlende Daten und Bruchstriche sowie Dreher vor. Das waren Ausnahmen, beileibe aber keine Raritäten.  Über zehn Jahre ist festzustellen, das die Rahmenstempel in vielerlei Kombinationen bei der Recklinghäuser Post zum Einsatz kamen.

 

 

Historisches

 

Ein Disziplinargesetz in 1852 ermächtigt die politische Polizei, Beamte auf richtige Gesinnung zu überwachen. Das kommt doch irgendwie bekannt vor! 1853 erläßt Preußen eine Städteordnung für Westfalen und sichert sich das Aufsichtsrecht über die städtische Selbstverwaltung. Im gleichen Jahr wird die Brauerei Scharpenseel, später Schlegel-Scharpenseel, gegründet, die auch in Recklinghausen ansässig war. Arbeitervereine mit sozialistischen Zielen werden am 13. Juli 1854 verboten. Die Kreissparkasse in Recklinghausen öffnet am 1. Januar 1855 ihre Pforten. Der Kurbetrieb im Solbad Grull, dem späteren Stadtteil Grullbad, wird 1857 aufgenommen. Im Amt Datteln, zu dem auch die Gemeinden Ahsen und Flaesheim gehören, leben 1858 4400 Menschen. Im Ruhrrevier fördern 292 Zechen mit einer Belegschaft von über 31000 Mann fast 4 Millionen Tonnen Kohle. 1859 eröffnet die Kreissparkasse Recklinghausen eine Filiale in Dorsten. Es ist zugleich die erste Sparkasse in Dorsten. Bei den Stadtverordnetenwahlen 1861 in Recklinghausen gehen von 605 Stimmberechtigten ganze 53 zur Wahl; eine Wahlbeteiligung unter 9%. Aufgrund der Schulpflicht besuchen 97% aller Kinder 1861 die Elementarschulen. Der preußische König Wilhelm I. besucht Krupp in Essen; läßt dabei Recklinghausen links liegen. 1862 sind in Recklinghausen 258 Erwerbstätige in der Land- und Forstwirtschaft beschäftigt, 535 in Industrie und Handwerk. 160 Tagelöhner haben keine feste Anstellung. So klingt die hier beschriebene Dekade aus.

 

 

 

 

Postexpediteur Randebrock

 

Nach der Trennung der Post von der Steuerstelle im Jahr 1849 übernahm Eduard Randebrock die Verwaltung der Post als Postexpediteur. Er residierte ab 1859 in der Romstraße 4 (heute Im Rom 2), neben dem Landratsamt, wo er das Gasthaus "Römischer Hof" führte.  Bis 1876 verblieb die Post in diesem Haus.  Die Bezeichnung Postexpedition blieb auch nach Schaffung der Oberpostdirektionen im Jahre 1850 bestehen und wurde erst 1871 abgeschafft.

 

Die Fahrpost wurde vom Posthalter Joseph Schipper, Friedhofstraße 1 und 3 betrieben. Das war nur einige Meter von der Post im Randebrock´schen Haus entfernt. Später wird dann Franz Joseph Schipper als Posthalter und Wirt am "Markt 2" genannt. Posthalter stellten der Post Pferde, Wagen und Kutschen zur Verfügung und wurden dafür vertraglich vergütet. Die Posthalterei war der Betrieb des Posthalters, der auch Dienstherr der Postreiter und Postillione war.  Oftmals war dem Betrieb eine Gaststätte oder ein Hotel angeschlossen.

 

 

 

 

 

Links historische Aufnahme 1920er Jahre Polsterei Drüing, Wiethoffstraße 1,

dahinter das Randebrocksche Haus in Richtung Engelsburg. Hier wurde 1894 die Creditbank AG

zu Recklinghausen gegründet. Daneben Posteinlieferungsschein an das Kreis Gericht in Dorsten,

Unterschrift "Randebrock". Der Einlieferungsschein hatte keinen  Ortsvordruck.

Der Ortsname wurde mit einen nachverwendetem Einzeiler aus bergischer Zeit angebracht.

Amtliche Bildpostkarte 1.82 aus Richtung Engelsburg mit dem Randebrockschen Haus,

dahinter die ehemalige Polsterei und der Kirchturm von St. Peter . 

 

 

 

Post Insinuations-Dokument an den Freiherrn von Romberg

auf Schloß Bladenhorst bei Castrop.

 

Rechteckstempel Recklinghausen mit Verzierung einer auf einem Fuß stehenden Sechstrahlrosette

vom 28. März 1852. Auf der Rückseite ein Ausgabestempel Castrop vom folgenden Tag.

Portofreie und numerierte Justizsache mit Justizfranchise "Schlathölter".

Damit bestätigte dieser den dienstlichen Belang der Korrespondenz.

 

 

 

 

Rechteckstempel Recklinghausen 1854.

 

A-Type für die Aufgabe der Post am Nachmittag,

auf portofreier Justizfranchise an den Grafen von Herten.

Der versehentlich aufgesetzte Rahmenstempel von Dorsten wurde gestrichen.

 

 

Vermerk des Postexpediteurs Randebrock auf dem Insinuationsdokument.

Das Dokument konnte wegen Abwesenheit des Grafen nicht persönlich überreicht werden.

 

Gegenwärtiges Dokument ist dem Sekretär des Grafen gegeben.

Wie dasselbe in Besitz gelangt, kann nicht angegeben werden.

Randebrock und Negativsiegel des Postamtes Recklinghausen.

 

 

 

Paketbegleitbrief Portofreie Justiz Sache

mit Beamtenstempel Justizfranchise UNGER II

 

 

Zahlenbild in unterschiedlicher Stärke

 

Rückseitig Siegel des Absenders und Ausgabestempel Münster

 

 

 

Einschreiben von Soest nach Recklinghausen

Retourbrief vom 10.3.(18)58

 

Rahmenstempel Soest "A-Abendtype" auf in blau austaxiertem unfreien Brief

an den Justizrath Sauer in Recklinghausen.

 

 

Vermerk in schwarz: Adressat verweigert die Annahme weil der Brief unfrankiert und der Absender unbekannt ist.

Unterschrift Briefträger. Vermerk in blau: Adressat ist nach Münster verzogen - Postlagernd in Recklinghausen

Unterschrift Brüggemann. Ausgabestempel Recklinghausen vom 9.3. und Münster vom 11.3.

 

 

 

Preußische Vierfarbenfrankatur

 

 Paketbegleitbrief Recklinghausen - Letmathe vom 27.6.1859.

Rahmenstempel Recklinghausen - Ankunftstempel Letmathe auf dem Paketklebezettel,

auf der Rückseite Ausgabestempel vom Folgetag und Packkammerstempel für die Auslieferung des Paketes.

Das Gewicht des Paketes wurde mit 14 Pfund 13 Loth angegeben.

 

 

Dem Briefumschlag mit eingedrucktem Wertstempel zu 1 Sgr.

von 1853 wurden folgende Marken zugeklebt:

 

1/2 Sgr./6 Pfg. Ausgabe vom 5. Januar 1851,

4 Pfg. Ausgabe vom 9. Juli 1858 und

2 Sgr. Ausgabe vom 20. November 1858.

 

Alle Marken und der Wertstempel tragen das Kopfbild von König Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861)

 

 

  

Rahmenstempel Recklinghausen auf Pärchen 2 Silbergroschen Ausgabe

vom 20. November 1858 mit gegittertem Markenhintergrund.

Das Pärchen zu 4 Sgr kam für Briefe bis 4 Loth bis 10 preußische Meilen

oder bis 2 Loth für 10-20 preußische Meilen zur Frankatur.

 

 

 

Rahmenstempel Recklinghausen auf Brief nach Darmstadt

in das Postgebiet von Thurn und Taxis

 

Der in blau als unfrankiert austaxierte Brief ging 1859 an Dr. jur. Prosper Bracht.

Auf der Rückseite Thurn und Taxis Poststempel Frankfurt AM vom folgenden Tag.

 

 

Briefausschnitt mit 1 Sgr. Ausgabe 1. Dezember 1861.

1 Sgr. betraf Briefe unter einem Loth Gewicht bis 10 preußische Meilen.

 

 

 

 

Gesetz zur Aufhebung des Orts-Briefbestellgeldes

vom 16. September 1862

 

 

 

L.S. (loco sigilli) bezeichnet in dem Gesetzabdruck die Stelle auf dem Dokument,

an der sich in der Originalurkunde das Siegel befindet.

 

 

 

Siehe auch: Preußen Nummernstempel

 

 

Quellen

 

Anderson, Hans-Joachim: Die Bezeichnung der Poststempelformen

Grobe, Hans: Altdeutschland Spezialkatalog und Handbuch 1975

Marbach: Die Preußischen Aufgabe- und Nummernstempel 1936

Michel Deutschland - Spezial Katalog

Thalmann, Friedrich Wilhelm: Zusammenstellung der Preußischen Poststempel

nach Form und Zeitfolge, Verlag Robert Noske 1925

Vestische Zeitschrift  Häuserbuch/Stadtarchiv

Mainczyk, Karl Heinz: Ausstellungskatalog „175 Jahre Kreis Recklinghausen“ 1991

und Ausstellungskatalog „Vest-Brief 2000“