R e c k l i n g h a u s e n

 

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Postalisches über den kleinen Kreisstempel (Fingerhutstempel)

 

 

Dieser Stempel ist eine Weiterentwicklung des großen Zweikreisstempels, der als Zwischentype (Sondertype/Versuchsstempel, a.a.O.) nur kurze Zeit Verwendung fand. Infolge der geringeren Abmessungen für Buchstaben und Ziffern konnte dieser neue Stempel ganz erheblich kleiner gehalten werden, zumal auch noch der Innenkreis fortfiel. Die Stempelentwicklung war ja noch sehr jung. Dessen  ungeachtet glaubte die preußische Post mit diesem sparsamen Poststempel zu einem gewissen Abschluß gekommen zu sein. Von Anfang an gehörte diese Stempelform zur Ausrüstung der neueröffneten Postanstalten. Die dreißiger Jahre standen ganz im Zeichen dieser Stempelform.

  

Das frühest bekannte Einsatzdatum dieses Stempel bei der preußischen Post ist aus dem Jahre 1827 bekannt. Wegen seines kleinen Durchmessers wurde der Stempel auch als „Fingerhutstempel“ bezeichnet. Für Recklinghausen ist die  Verwendung für 1834 - 1841  nachgewiesen. Auch bei diesem Stempel waren die Ziffern und der Bruchstrich einzeln einsetzbar, so daß  es immer mal zu Drehern oder fehlendem Bruchstrich kam. Die Schrift ist oft recht dünn und fein (haarschriftähnlich).

 

Der Grund zur Einführung dieser Stempelform  lag  sicherlich  bei den geringen Abmessungen, die meist einen Durchmesser von 17-18 mm hatten. In dieser Kleinheit lag aber auch die Wurzel für die spätere Abschaffung dieses Stempels. Die Abmessungen der ersten Stempel waren so gering, daß bei  nicht ganz deutlichem  Stempelabdruck der Ortsname nur schlecht lesbar war. Auch die fortschreitende Abnutzung trug dazu bei, wie es die Recklinghäuser Stempel dieser Art beweisen.

  

Es war also im Laufe der Zeit nötig, hier Abhilfe zu schaffen. Lange Ortsnamen konnten nur abgekürzt untergebracht werden und führten oft zu Irritationen.  Ohne daß die Form geändert wurde,  sah man nach und nach den Kreis wachsen. Daraus erwuchsen  dann späterhin die weltweit meist gebrauchten Einkreisstempelformen. Da zwischen schob sich aber erst noch der Zweikreisstempel ohne Jahresangabe und der Kastenstempel.

 

  

Historische und postalische Daten

 

Die preußische Regierung erläßt am 17. März 1831 eine Kommunalverfassung für die Stadtgemeinden, die die während der französischen Besatzung 1807 in Kraft getretene Munizipalverfassung ablösen soll. In Recklinghausen wird die Kommunalverfassung am 24. April 1836 eingeführt. Zu Stadtverordneten können Bürger gewählt werden, die Grundbesitz im Werte von 1200 Talern oder ein Jahreseinkommen von mehr als 300 Talern nachweisen können.

 

Im Jahre 1831 kaufte Gottfried Wesener, seit 1810 für die Post in Recklinghausen zuständig, das Haus Nr. 15 am Markt (heute Karstadt). Zu Ende der dreißiger Jahre gab er das Amt auf. Sein Nachfolger wurde 1840 der Steuerempfänger Kettelhack.

 

Das Einläuten und Anschießen des Neuen Jahres war ein auch im 19. Jahrhundert in Recklinghausen verbreiterter Brauch. Am Neujahrstage pflegten Leute, die irgendeinen öffentlichen Dienst versahen, bei den Hausbesitzern einen Rundgang zu machen, die ihnen für ihre Glückwünsche eine Gabe reichten. Nach 1831 wurde in Recklinghausen nur noch den Nachtwächtern und Eseltreibern, die den Bürgern ihr Mahlgut besorgten, dieser Neujahrsumgang erlaubt.

 

Der Deutsche Zollverein tritt am 1. Januar 1834  in Kraft. Ziel der Vereinigung war, zwischenstaatliche Zölle und andere Handelshemmnisse zu beseitigen. Auch Recklinghausen und der Kreis lagen im Zollvereinsgebiet.

 

Im Jahre 1836 richtete die preußische Post von Dortmund nach Brünninghausen (heute Stadtteil von Dortmund südlich der Westfalenhalle) zweispännige Personen-Fahrposten mit viersitzigen bequemen Wagen ein. Das diente zur Verbesserung der Anbindungen an die Schnellpost Berlin-Paderborn-Cöln. Die Eisenbahnlinie Cöln-Berlin wurde erst 12 Jahre später gebaut. Pro Meile (ca. 7,5 km) mußte der Fahrgast 8 Sgr. bezahlen. Jede Person konnte 30 Pfund Gepäck mitnehmen. Die Veröffentlichung im Kreis-Wochenblatt zeigt, daß diese Verbindung sicherlich auch von Bedeutung für die Anschlüsse in den  Kreis Recklinghausen war. 

 

Am 7. Dezember 1835 tritt die erste deutsche Dampfeisenbahn ihre Fahrt von Nürnberg nach Fürth an. Die ersten Lokomotiven in Deutschland stammen noch aus England. 1839 wird in der Eisenhütte Gute Hoffnung in Sterkrade die erste Lokomotive mit dem Namen „Ruhr“ gebaut. Als erste Kunststraße wurde 1838 die von Haltern über Recklinghausen nach Bochum  führende Chaussee angelegt.

 

August Bebel wird am 22. Februar 1840 in den Kasematten von Köln-Deutz als ältester Sohn eines preußischen Unteroffiziers geboren. Späterhin kämpfte der Sozialdemokrat für „... die Freiheit und Gleichheit all dessen, was Menschenangesicht trägt“.

 

 

 

 

 Recklinghausen - Essen

1834

 

Herrschftl. Domainen Sache, portofreier Dienstbrief mit Fingerhutstempel

Recklinghausen ohne Trennstrich/Bruchstrich im Datum und Ausgabestempel

vom ersten Bestellgang des Postamtes Essen zwei Tage später (s. Abb.).

 

 

  

Recklinghausen, den 26ten July 1834

Königl. Preuß. Land- und Stadtgericht

Reinking                                                                  

   (Landrichter/Paulsörter 7a)

 

An

den Herrn Domänen Rath Keller

                 Wohlgeboren                                          Unger

                                      in                                (Justizfranchise)

Herrschl. Dom S.     Essen                  

         (Herrschaftliche Domainen)

           (Sache)

 

 

 

 

Diese erste Form eines preußischen Ausgabestempels

wurde um 1826/27 eingeführt, rund 10 Jahre nach Inbetriebnahme des ersten preußischen Aufgabestempels.  Der Einringstempel hatte einen Ø von 15-17mm  in Antiqua-Versalien (Großbuchstaben), die Bestellgangsnummer 1-5 und dazwischen das Datum zeigend, mit oder ohne Bruchstrich vorkommend. Oft sind die Datenzahlen oder der Bruchstrich auf der Seite liegend oder anderweitig fehlerhaft eingesetzt. Der Stempel fand Verwendung zumindest bei kleineren Postorten bis in die 1860er Jahre und wurde auf der Briefrückseite abgeschlagen. In Recklinghausen wurde er schon früher durch die zweite Form abgelöst.

 

 

 

 

 

 

Leseabschrift  des Briefes  vom 26 ten July 1834

 

 

Zu Ihrem Schreiben vom 19/25 ten April d.J. die

Verlautbarung des Vertrages mit Krumme gt.

Leps zu Leveringhausen, betreffend, ist der An-

trag alternativ dahin gestellt, den Vertrag von

dem Krumme gt. Leps vorschriftmäßig vollziehen

und zurückgelangen zulassen, oder denselben

ein Exemplar gegen Empfangsbescheinigung aus-

zuhändigen und diese nebst den beiden anderern

Exemplaren zu quittieren.

Wiewohl es hiernach zweifelhaft, ob eine bloße

Empfangsbescheinigung oder eine gerichtliche Verlaut-

barung des Vertrages verlangt werde, haben wir

doch geglaubt, daß letztere beabsichtigt werde, dies

weil sonst die Mitübersendung der beiden anderen

Exemplare keinen Zweck hätte, theils weil in dem

Vertrag angeführt wird, daß derselbe von Krumme

gt. Leps vor Gericht vollzogen sei, hierüber aber kein

Proll (Protokoll) beiliegt, zumeist aber, weil der Krumme gt. Leps

nicht Eigenthümer sondern nur Nutznießer des Hofes ist,

welcher auf  seine drei Töchter verfallen ist, von den-

nen die älteste mit einem Hermann Klein ver-

heiratet, gegenwärtig den Hof bewirtschaftet, die

zweite ihr Miteigenthum ihrer ältesten Schwester

abgetreten hat, und die jüngste noch minderjährig

 

zu 1/3  Miteigenthümerin des Hofs ist.

Zu dieser Verlautbarung steht der Termin auf

den 2ten August an, und werden wir so-

dann die Requisition näher erledigen.

 

 

 

 

 

 

 

Recklinghausen – Essen

 1834

  

  

Kleiner Einkeisstempel  Recklinghausen mit falsch eingesetztem Datumsstrich,

der nicht die beiden Zahlen zwischen 5 und 11 trennt, sondern sich am

Fuß der Monatszahl befindet. Portofreie Dienstsache ohne Ausgabestempel Essen.   
 

 

 

 

Leseabschrift: 

den 7/11 34 

 

                  

                   Zur Verlautbarung des Vertrages

                   mit Krumme gt. Leps haben sich

                   nicht alle Beteiligte eingefunden

                   weshalb ein anderer Termin anbe-

                   raumt wurde. Darüber sind

                   die obervormundschaftliche Bestä-

                   tigung für die minderjährige Toch-

                   ter des Leps zu erwirken, so wird

                   die Sache noch einige Wochen er-

                   fordern.

 

                   Recklinghausen, 28 Oktobr. 1834

 

                   Königl. Preuß. Land- und Stadtgericht

 

  Arndt                                   

Unterschrift

 

An                                                                      

das Königliche Rentamt                       Unger

                                                         

zu     

Essen

 

Herrschtl. Dom. Sache

 

Die Randanmerkung links betraf

die Verfristung auf  4 Wochen

im Falle der Nichterledigung,

abgezeichnet   7/11 34

 

 

 

Recklinghausen - Buer

 1835

  

Frankobrief mit einer Entscheidung des Königlich Preußischen Land- und Stadtgerichtes in einer Erbschaftsklage. Die Gebühr für den Brief in Höhe von 5 Sgr. wurde vom Absender, dem Gericht bezahlt, erkenntlich an dem Frankovermerk auf der Rückseite. Dieser Haken war die übliche Austaxierung der damaligen Zeit und steht für eine Fünf. Die Beförderungsgebühr war schon in den 15 Sgr. Gerichtsgebühren enthalten, die der Vordruck im Briefbogen auswirft. Andernfalls wäre der Brief vorderseitig austaxiert worden.

 

 

 

Der Brief zeigt den Fingerhutstempel des Aufgabeortes Recklinghausen.

Ein Ausgabestempel wurde in Buer nicht beigesetzt. Möglicherweise war

ein Ausgabestempel bei der Postexpedition in Buer nicht vorhanden.

 


 

 

Leseabschrift des Briefes von 1835

 

                   In Sachen des Kaufmanns Hölting

                   zu Buer, Klägers, wider die Erben

                   des verlebten Theodor Schaenzer nämlich

                   1. die Francisca Stromberg vertreten

                   durch Johann Stromberg zu Datteln,

                   2. dem Joseph Schänzer zu Castrop,

                   3. dem Küster Springorum zu Hen-

                       richenburg, Verklagte,

                            hat die Deputation des könig-

                            lichen Land- und Stadtgerichts

                            zu Recklinghausen, bestehend

                            aus dem Director Reinking,

                            Assessor Piners, und Referen-

                            dar Schultz, in der Sitzung

                            vom 15ten May 1835, folgende

                            Purificatoria erlassen;

                               daß Verklagte jedoch

                               nur nach Kräften der

                               Erbschaft schuldig sei um

                               dem Kläger die einge-

                               klagte Forderung von

                               164 Taler 11Sgr. 6Pf.  zu bezah-

                               len, und die einzelnen

                               Posten und zwar anfäng-

                               lich sechs Monaten nach

                               den respectiven Zinsforderungen

                               mit 5 pCent zu verzinsen und

                               die Kosten dem Kläger zu 2/3,

                               dem  Verklagten zu 1/3 zur Last

                               zu stellen.

                               Die Purificatoria (Erklärung) ist dem Kläger

                               sofort publiciert (verlesen).

                              

Unterschrift   Unterschrift Unterschrift

 

                               Königl:   Preuß:  Land- u. Stadtgericht

                                                        Reinking

Ausfertigung

         für

den Kaufmann Hölting    zu Buer                          Akten Nr.: 7:No  5074.

 

 

 

Recklinghausen - Paderborn

 

 

An

den Hof. Präsidenten des königl. Oberlandes

Gerichts

Herrn von Schlechtendahl

    Hochwohlgeboren

 

frei ! 3.                                     zu

                                                 Paderborn

 

  

  

Kleiner Einkreisstempel auf mit 3 Sgr austaxiertem Brief nach Paderborn;

rückseitig Familien-Siegel, Taxvermerk und Ausgabestempel Paderborn 26/9 N 2,

zweiter Bestellgang, zwei Tage nach Aufgabe des Briefes in Recklinghausen.

 

 

 

 

Briefinhalt

 

     
 

Leseabschrift des Briefinhaltes vom 24. Sept. 1835:

 

Hochwohlgeborener

 

Hochzuverehrender Herr Hof. Präsident!

  

Der erste October ist als der Zeitpunkt bestimmt,

mit welchem ich die Arbeiten bei dem wahrlichen

Oberlandesgericht beginnen soll. Ich war seither

nicht beurlaubt, sondern bis hirhin zu vielfach

beschäftigt, als daß ich hätte genügend Muße ge-

winnen können, meine eigenen Geschäfte abzu-

wickeln und alles zur Übersiedlung einer

zahlreichen Familie vorzubereiten. So sehe ich

mich jetzt sehr bedrängt und nicht die Möglichkeit

vor mir, so zeitig abzureisen, daß ich am 1ten

eintreten könnte. Deshalb bin ich zu der gehorsamsten

Bitte gezwungen es gütig zu entschuldigen, wenn

sich meine Ankunft um einige Tage verzögert,

ich werde mich nach Möglichkeit beeilen. Hoffe,

wenigstens am 10ten bis 12ten da seyn zu können

und werde es mir angelegen sein lassen, das

Versäumte als bald nachzuholen.

  

Mit vollkommenster Hochachtung

     

Euer Hochwohlgeboren

    

ergebenster Diener

 

Recklinghausen, d. 24. Septemb. 1835                       Arndts

 

 

 

 

 

Kreis-Wochenblatt Recklinghausen vom 8. Oktober 1836

mit ausführlicher Angabe des neuen Fahrplanes der Personenfahrposten

 

 

 

       

Recklinghausen - Dorsten

 

 

        

                 7/8 loth

             An

Ein Königliches Land u   Stadt

              Gericht

                                    zu

                                    Dorsten

 

Landes Kultur                               

     Sache                                       

 

   

 

Spät verwendeter Einringstempel von Recklinghausen auf portofreiem Brief

aus dem Jahre 1841, der mit 7/8 Loth ausgewogen war.

Spät deswegen, weil der Zweikreisstempel ohne Jahreszahl

zu der Zeit schon drei Jahre in Gebrauch war (seit 1838).


 

Briefinhalt und Leseabschrift:

 

 

 

 Citentia (Vorladung): Die Eheleute Bernard

 

 Tiehoven  in der Bsch. (Bauerschaft) Resse

 

 zwecks Besitztitelberich-

 

 tigung des

 

 in seinem eigenen  Gerichts-

 

 bezirks belegene 2 ½ Sch. Landes

 

 auf den 2 Maerz um 10 Uhr

 

 machendem Formulare.

 

 D  221/1   41

 

 Fact. 28/1  41 G

 

 Zur Post a. 28/1  41

 

 

 

H. Hypotheken Sache

 Einringstempel wie vorher von Recklinghausen nach Dorsten

auf portofreiem Brief (rote Taxierung) aus dem Jahre 1841.

 

 

 

Teil-Leseabschrift

 

Ein Königl. Stadt & Landgericht ersuchen wir ergebenst

uns gefällige Benachrichtigung über  zur

D.S. (Dienst-Sache) Schröder zu Sinsen vom 10. Febr. u.a. zu geben ...

 

Recklinghausen 21/8 41

 

 

 

 Siehe auch:

 

Friedrich Karl Devens

 

1. Landrates des Kreises Recklinghausen