Preston - Postgeschichte

 

 

 

 

 

Übersetzung aus dem Englischen

von K.H. Mainczyk

 

 

Zwar ist den meisten Besuchern Prestons die Geschichte der Stadt selbst in Wort und Schrift nahe gebracht worden. Den interessierten Freunden von Philatelie und Partnerschaft möchte ich aber auszugsweise etwas aus dem weniger bekannten Postleben von Preston näher bringen. Ähnlichkeiten zur eigenen postalischen Vergangenheit sind sicherlich zu erkennen.

 

 

Karte zeigt die Routen der Postkutschen und Zollstationen

(J. Wallis of Soho)

 

 

Ein Ausflug in die Prestoner Posthistorie Lancashire 1810

 

Das Bestehen eines Postdienstes innerhalb Prestons geht weit in die Geschichte zurück. Es ist sicher, daß es 1676 einen Postmaster Thomas Warden in Preston gab. Ununterbrochen können die Postmaster seit dieser Zeit bis heute benannt werden. 1984, zur Zeit unseres Besuchs in Preston, war es Eddie T. Woodfine. Einige Jahre davor, am 19. April 1661, führte der Chief Postmaster Henry Bishop die erste Abstempelung von Briefschaften in England ein.

                                       

 

Die erste nachweisliche Aufzeichnung von einem Postamt, was auch immer man darunter verstehen kann, ist das, welches sich in „The Shambles“ (Schlachthaus) befand. Es war das Haus des Schlachters Mr. J. Winn am Südende des Prestoner Schlachthauses, woran sein Haus angrenzte. Ein Aquarell, welches Haus und Briefkasten zeigt, ist im Harris Museum in Preston zu sehen (siehe Abbildung).

 

 

   

Einrichtung des Prestoner Post Office im Schlachthaus

mit Postkasten nach einem Gemälde von E. Beattle 1892.

 

Da aber das Schlachthaus nicht vor 1715 gebaut wurde, muß irgendwo am anderen Ort in Preston vor dieser Zeit ein Postamt gewesen sein. Es ist möglich, daß sich der erste Platz für das Einsammeln von Briefen am „Unicorn Inn“ in Walton-le-Dale befand. Walton-le-Dale war das Einfallstor für alle Reisenden nach Preston.  Vieles ist in diesem Zusammenhang Vermutung, aber in „Cole Bellingham´s“  Tagebuch aus 1688 - 1690 ist einführend vermerkt:

 

„1689, 4. Januar. Ein frostiger Tag. Ich laufe nach Walton. Die Post kam spät, was ich tadele. Die Witwe Clifton´s ißt Austern, die von London kamen“. Dort sind aber auch andere Hinweise auf die Post, z.B. über eine Fehlleitung nach Knutsford.

 

 

 

 

Frühe Prestoner Poststempel gebraucht zwischen 1750 - 1760

 

 

Nachfolgend dem Schlachthofpostamt, etwas früher als 1806, war ein Postamt in einem Haus in der „Church Street“  (Kirchstraße) zwischen dem „Grapes Inn“  (Gasthof zur Traube) und Ecke Derby Street. Einige Jahre später wurde das Post-Office oberhalb der Church-Street gegenüber Clarks Yard eingerichtet. 1854 wurde dieses Postamt geschlossen und ein größeres Post-Office auf dem Grundstück des Earl of  Derby in der Lancaster Road gebaut.  Dieses Postamt ist erwähnt bis 1870, wo es dann nach Fisher-Gate (Fischer-Stadttor) verlegt wurde. Das war Tür an Tür mit dem alten Gas-Ausstellungsraum, nun abgebrochen für den Neubau des „St.  Georges Shopping Center“. Am 22. und 23. August 1903 wurde das Postgeschäft verlegt auf die noch gegenwärtige Seite des Market Square/Marktplatzes (siehe Abb.). Das Church Street Office wurde 44 Jahre von der Posthalterin  Mrs. Hardman geführt; von April 1805 bis Februar 1849.

  

 

 

Links undatierter zweizeiliger Preston Mileage Mark, sogenannter Meilenstempel

zur Gebührenberechnung. Die Nummer bezog sich entweder für die Entfernung zur Kapitale London

oder zu einem anderen Referenzpunkt. Verwendungszeit 1807 bis 1810. Daneben Prestons

erster datierter Handstempel, ohne Umrandung aus dem Jahr 1815.

 

 

Ihr halfen zwei Schwestern mit dem Namen Wilson. Sie waren verantwortlich für Preston´s ersten, und zu der der Zeit einzigen Postboten. Er hieß John Jonson und besorgte als Fußbote die Post zwischen Blackburn und Preston. Die Posthalterin  Mrs. Hardman war mit seiner Arbeit sehr zufrieden. Später half er den Söhnen von  Mrs. Hardman, Joshua und Mark bei der Arbeit.

 

 

 

Ein früher Prestoner Poststempel (1820)  für die Einheitspost,

die in einem bestimmten Bezirk für einen Penny Briefe zustellte.

 

 

 

Die ersten Briefmarken der Welt

 

In die Zeit der Posthalterin Hardman fällt auch die Ausgabe der ersten Briefmarken der Welt,

der Penny Black und der 2 Pence Blue am 6. Mai 1840. Beide wurden mit den damals

gebräuchlichen Malteser-Kreuz Stempeln entwertet

 

 

 

1840 bestand das Postamt aus einem Raum ungefährer Größe von sieben Quadratmetern. Die Grenze für die Zustellung der Post innerhalb Prestons bildeten  drei Gasthäuser:

 

„The Horse Shoe“        „Theatre Taverne“                  „Three Tuns“

  am Fishergate           in der Church Street             in der North Road.

 

Eine Gebühr von einem Penny wurde fällig für die Bestellung innerhalb der Grenzen von folgenden vier Gasthäusern, den o.g. drei Gasthäusern und dem vierten, the „Duke of York“. Die für außerhalb dieser Grenzen bestimmte Post mußte selbst abgeholt werden.

 

 

Zeitungsstreifband mit eingedruckter Half-Penny Victoria,

entwertet mit einem  Duplexstempel; kombinierter zweiteiliger

Ortsdatum- und Entwertungsstempel mit Postamtsnummer,

hier 628 für Preston. 1892 nach Neuwied am Rhein mit Retourvermerk.

 

 

Von Interesse ist sicherlich auch die Notierung des Anwachsens der Bevölkerung über die Jahre. In den Tagen vor König Charles I. betrug die Bevölkerung von Preston ca. 3000 Menschen. Nur langsam stieg die Zahl der Bevölkerung auf 33000 an bis 1831.  Zu schreiben gab es in dieser frühen Zeit nur wenig. Das ist darauf zurückzuführen, daß es viele des Schreibens unkundige Menschen gab. Sie korrespondierten meist mündlich oder über Boten, die Nachrichten überbrachten.

 

 

Das Prestoner Postamt (links) wie es heute noch besteht,

daneben das Sessions-House auf einer Ansichtskarte von 1907.

 

 

1830 gab es weniger als ein halbes Dutzend Postbediensteter. 1833 bestand  die Besetzung dann aus einem Postmeister, einem Oberbeamten, vier Unterbeamten, dreißig Sortier- und Telegraphengehilfen, drei Lehrlingen, achtzehn Stadtbriefträgern, dreizehn Hilfsbriefträgern, neun Landbesteller und dreizehn Telegraphenboten. Insgesamt gab es 92 Bedienstete. Bis 1900 wuchs die Zahl (unoffiziell) der Bediensteten auf rund 600 an. Eingeschlossen sind 210 Bedienstete aus dem Kreis Preston und 69 Landbriefträger.

 

 

 

Quellennachweis:

 

Festschrift „50 Jahre Preston Philatelic and District Society/1936-1986 Golden Jubilee

The Postal History of Preston, Garstang and the Fylde of Lancashire by Malcolm T. Mynott,

B.A.; Shamble Photo

Penny Black and Blue Ex- Slg. Peter J. Berends

Postalische Belege: Slg.  „Partnerschaftliches Preston“ Erstveröffentlichung 1991 von K.H. Mainczyk