30 Jahre Partnerschaft Recklinghausen - Preston

Philatelisten besuchen Preston 1986

 

Partnerschaft in Wort und Tat 

 

Anläßlich der Feiern zur 30jährigen Partnerschaft Recklinghausen-Preston weilte eine Abordnung des Briefmarkensammler-Verein Recklinghausen e.V. auf Einladung von Sammlerfreunden aus der Partnerstadt in Preston. Die Unterbringung wurde privat durchgeführt. So ergaben sich mehr vertiefende Verbindungen. Dazu ist zu sagen, daß die philatelistische Verbindung mit Preston sehr gut funktioniert, schließlich ist England ja auch das Mutterland der Briefmarke.

 

 

Preston

 

Die 8 Tage Aufenthalt waren vollgepackt mit Treffen und Fahrten, die Peter J. Berends arrangierte und durchführte.  Preston selbst wurde ausgiebig unter die Lupe genommen. Rund ums Fishergate ging es  auf Entdeckungsreise. Angelpunkt war natürlich die Post am Market Place, wo so manches Stück in Auftrag gegeben wurde, sei es für die eigene Sammlung oder an Freunde und Bekannte. Der überdachte Markt war von Interesse ebenso wie die vielfältigen Einkaufmöglichkeiten rund um das Rathaus. Vor der Guild Hall stand die alte Telefonzelle aus Recklinghausen. Höhepunkt war der Empfang bei der Bürgermeisterin von Preston, die den Philatelisten gegenüber sehr aufgeschlossen war. Der Empfang wurde mit einem gemeinsamen Mittagessen beschlossen.

 

 

 

Empfang bei der Bürgermeisterin von Preston, von rechts nach links: Ray Harwood +,

Peter J. Berends, Frau Joan Lindsworth/Mayor of Preston, Karl Heinz Mainczyk.

 

 

 

Garstang

 

Von den Sammlerfreunden aus Garstang, dem zweiten Partnerverein im Bezirk Preston, wurde in der Woche extra für die Gäste aus Recklinghausen ein Vortragsabend eingerichtet (Display). Gezeigt wurden interessante Briefmarkensammlungen, wie sie in England üblich sind. Die Sammlungen wurden von Ihren Besitzern erklärt, darum -Display- . Abgehalten wurde das Treffen in der städtischen Bücherei von Garstang. Im Rahmen des Vortragsabends konnte dann verdienten Mitgliedern des Gastvereins für Ihre Bemühungen um Partnerschaft + Philatelie Gastgeschenke aus Recklinghausen, die vom Bürgermeister, Stadtdirektor und Briefmarken-Verein zur Verfügung gestellt wurden, überreicht werden. Die Freunde aus Preston und Garstang waren sichtlich überrascht und erfreut zugleich und bedankten sich herzlich für die Zuwendungen.

 

 

 

Blackpool

 

Besucht wurde auch der Badeort Blackpool an der Irischen See. Hier wurde die älteste Urlaubsmetropole der Welt angelaufen. Von Blackpool bis nach Fleetwood ist der Urlaubsstrand rund zehn Kilometer lang. Eine Attraktion jagt die andere. In Blackpool selbst sehr interessant ist der Tower, ein rund 170 Meter hoher Aussichtsturm, der dem Pariser Eiffelturm nachgebildet ist. Im Turm untergebracht sind Vergnügungen auf sieben Ebenen für die ganze Familie, u.a. auch ein faszinierender Ballroom für Tanzfreunde. Bei guten Wetter kann man von der Turmspitze des Towers nicht nur Blackpool und Umgebung, sondern auch die Insel Man in der Irischen See sehen. Das Wetter an diesem Tag war ausgezeichnet. Bei frischer Brise wurde die gute Seeluft getankt und wir waren frisch für neue Unternehmungen. In der Stadt selbst wurde das englische Leben eingehend unter die Lupe genommen. Einen guten Eindruck davon nahmen wir mit nach Hause. Außerdem ist Blackpool Stützpunkt eines philatelistischen Büros der englischen Post. Es war selbstverständlich, daß wir der Post am Orte einen Besuch abstatteten.

 

 

 

 

Links Blackpool-Tower vom Pier - rechts der berühmte Ballroom mit der Wurlitzer-Orgel.

 

 

York

 

Ein anderer Ausflug, den Georg Croft leitete,  führte uns nach York, der alten Bischofsstadt in Yorkshire, rund hundert Kilometer von Preston entfernt. Die Strecke führte durch eine malerisch schöne Landschaft.  Unterwegs wurde noch eine Rast im höchstgelegenen englischen Pub eingelegt. Pub´s sind eine Institution in England. Hier spielt sich ein wesentlicher Teil des Lebens der Bewohner ab. Freunde trifft man dort, Meinungen werden ausgetauscht oder man spielt Darts, Billard oder Domino. All das lernten auch die Besucher aus Recklinghausen kennen. Überall nette, hilfsbereite  Menschen, aufgeschlossen und immer erfreut, Gäste aus der Twintown Recklinghausen begrüßen zu können.

 

 

 

Die Stadt York wird beherrscht von dem großen Münster, einer christlichen Kirche mit dem vollen Namen:

 

Cathedral and Metropolitan Church of St. Peter in York

 

Es ist die Hauptkirche der nördlichen Provinz der Kirche von England und die größte gotische Kathedrale in England. Auch prägt die gut erhaltene Stadtmauer  das weitere Stadtbild. Ein Rundgang über die Stadtmauer dauert rund 3 Stunden. Die Innenstadt ist noch in ihrer alten Substanz erhalten, viele Fachwerkhäuser und ein historischer Markt, Stadttore und  Geschäfte im Stil der Jahrhunderte gibt es zu sehen.

 

 

Links York Minster mit der Stadtmauer, hinter den Bäumen befindet sich

das Roman Museum - rechtes Bild Karl Heinz Mainczyk neben einem römischen Legionär.

 

Neben dem bekannten Pub „Hole in the Wall“ (dem Loch in der Mauer), wurden wir Philatelisten in einem Stamp Shop nebenan fündig. Der Pub selbst bot uns Speise und Trank. Zum Abschluß des Besuches wurde das „Roman  Museum“ aufgesucht, das vor der Stadtmauer liegt (s. Foto rechts). Hier sind Fundstücke aus römischer Zeit aufgereiht, denn ein Teil der Stadt steht auf der „Principa“, dem Hauptquartier der römischen Legions-Befestigung.

 

Mittelengland mit Lancashire und Yorkshire bieten dem Besucher unvergeßliche Einsdrücke und könne den Reisenden uneingeschränkt empfohlen werden.

 

 

Die Gastfamilien

 

Von den Gastgebern wurden alle Beteiligten liebevoll umsorgt, jeder Wunsch wurde von den Augen abgelesen. Innerhalb der Familien wurde reger Kontakt gepflegt, Unterhaltungen auch anderer Art und nicht nur philatelistisch wurden geführt. Jeder wurde in das Familienleben einbezogen. Kennengelernt wurde auch das Wohnumfeld der Gastfamilien, die Nachbarn und Freunde, Kirchen und viele andere Institutionen am Ort. In dieser Richtung gebührt ein großes Dankeschön dem unermüdlichen Peter J. Berends, der organisierte und dolmetschte. Er war der erste Sammlerfreund aus der Partnerstadt, der in Recklinghausen den Boden betrat und vorfühlte, ob diese Partnerschaft auf die Beinen zu bringen wäre. Sie  steht auf guten Füßen! Weiterer Dank gebührt dem ortskundigen Führer für Preston, Lancashire und Yorkshire, George Croft aus Blackburn, einem Nachbarort von Preston. Er zeigte uns bei diesem Besuch die schönen Landesteile Mittelenglands. Ray Harwood war der gute Geist im Hintergrund, der die Fäden zur Stadt und Bürgermeister knüpfte, das philatelistische Weekend einrichtete und für die Empfänge sorgte. Allen, auch den ungenannten Helfern,  ein herzliches „Vergelt´s Gott“.

 

 

 

The Sirloin Pub & Restaurant

Station Road Hoghdon Preston

 

Drei Freunde beim Umtrunk im "Sirloin", dem Gasthaus, wo zum ersten Mal das

weltbekannte Sirloin-Steak aufgetischt wurde, von links nach rechts:

Georg Croft †, Peter J. Berends, Karl Heinz Mainczyk.

 

 

 

Seminar „For the Philatelists“

 

 

 

Eigentlicher Anlaß der Reise war natürlich die 30Jahrfeiern der Partnerschaft zwischen beiden Städten. Philatelie ist weltumspannend und hat allerorten Freunde. Auch suchen Philatelisten stets neue Freunde. Unser Steckenpferd ist bestens geeignet, Partnerschaften aufzubauen und diese mit Leben auszufüllen. Das zeigte die Veranstaltung am zweiten Wochenende unseres Besuches. Das „Lancashire Education Comitte“ richtete in Zusammenarbeit mit dem „Garstang Stamp Club“ ein philatelistisches Wochenende unter dem Motto „For the Philatelists“ aus. Abgehalten wurde dieses in der zur Stadt Preston gehörenden „Alston Hall“, einem Herrensitz, vergleichbar mit unserer Volkshochschule. Das Haus liegt rund sieben Meilen vor den Toren Prestons und ist im victorianischen Stil erbaut. Vom Garten sieht man in das herrliche Ribble Tal. Das Haus ist eingerichtet für offene und geschlossene Weiterbildungskurse mit Übernachtungs-Möglichkeiten. 18 Frauen und Männer, wobei die Männer in  der Überzahl waren, beteiligten sich an diesem Seminar. Hochkarätige Referenten standen zur Verfügung, die ebensolche Sammlungen vorstellten:

 

J. Crompton FRPS, President North West Federation of Philatelic Societies

Thema: New Hebrides

 

W.F. Rogers, Director House of Questa

Thema:Briefmarkenproduktion

 

Miss Susan Worsley von Christies Robson Lowe/London

Thema: Briefmarken aus dem Papierkorb

 

J.d. Hayhurst, O.B.E.

Thema: Postgeschichte, u.a. Referenten mehr.

 

 

 

 

 

Am ersten Abend wurde den Sammlerfreunden eine Sammlung „Neue Hebriden“ vorgestellt.  Der Referent für das Fachgebiet war Mr. J. Crompton, Präsident der „North West Federation of Philatelic Societies“. Die Sammlung zeigt in hervorragender Art und Weise von der postalischen Seite die von Briten und Franzosen gemeinsam verwalteten  Inseln. Am nächsten Vormittag erklärte Mr. W. F. Rogers, Director des „House of Questas“,  die Produktion von Briefmarken. Stammt er doch aus einer Firma, die für die britische Post Briefmarken druckt. Den Nachmittag gestaltete Mr. J. Crowther aus Manchester mit seiner Sammlung „Olympische Spiele“, deren Schwerpunkt die Olympiade 1936 in Berlin ist.  Der Abend wurde von Miss Susan Worsley gestaltet. Auch sie reiste, ebenso wie Mr. Rogers, extra aus London an und referierte im Auftrag der Firma Robson Lowe London über „Odds and Ends“, Philatelie und Briefmarken aus dem Papierkorb. Genau das, was wir auch vertreten. Nur sieht der Papierkorb bei Robson an Lowe ein wenig anders aus als der bei uns zu Hause.

 

Den zweiten Tag gestaltete Mr. R.E. Clarke über das englische Ausstellungswesen und die Bewertung von Briefmarkensammlungen durch englische Juroren. Festzustellen waren da und dort Übereinstimmungen mit den Praktiken hiesiger Juroren. Probleme bringt jede Bewertung mit sich, dennoch ist man dort von philatelistischer Haarspalterei weit entfernt. Hier müssen die Vereine gegen halten und neue Perspektiven aufzeigen. Fazit des Vortrages:

 

Es wird gesammelt, weil es Spaß und Freude bereitet, nicht ausschließlich wegen des materiellen Vorteils und der Jurorenmeinung!

 

 

 

 

"Tea time" nach  interessanten Vorträgen in Alston Hall 1986 (Volkshochschule Preston)

Im Vordergrund links Peter J. Berends vertief im Studium der Seminarunterlagen.

 

 

Zwischendurch hatte man Gelegenheit, die von den Referenten vorgestellten Sammlungen zu begutachten und so die unterschiedliche Art und Aufmachung zu studieren. Den Abschluß der Veranstaltung bildete die Vorstellung von Sammlungen auf dem Gebiet der Armee Postgeschichte und ein Vortrag von J.D. Hayhurst, O.B.E. (Träger des Ordens „Order of Britisch Empire“), über französische Postgeschichte und die Ballonpost von 1871. Hier gab es einmal mehr einmalige Stücke zu sehen, wie Zinnkugelpost, Taubenpost und die raren Ballonposten. Dieses Seminar brachte ein ganze Reihe neuer Freunde und  neue Erkenntnisse für die eigenen Sammlungen. Wir sind stolz darauf, daß uns die Prestoner Sammler den Zugang zu diesem Seminar geöffnet haben.

 

 

Nachzutragen bleibt, daß selbstverständlich auch die nähere Umgebung Prestons erkundet wurde. Unter anderem ging es zum Bacon Fell in den Bowlands nahe Preston, einem bewaldeten Hügel und beliebtem Ausflugsziel. Hier kann man gut wandern und man hat bei klarem Wetter Sicht bis zur Irischen See und der Isle of Man (Foto links mit Peter. J. Berends/Preston und Karl Heinz Mainczyk). Ein Dinner mit den Gastgebern in einem original englischen Landhaus-Restaurant vermittelte Einblicke in die gepflegte englische Gastronomie.

 

Festzuhalten bleibt, daß die Teilnehmer ihre Fahrkosten selbst zahlten, Zuschüsse gab es von keiner Seite. Dessen ungeachtet ist  Städtepartnerschaft auch keine Sache des Geldes, sondern der Überzeugung. Die Gastgeber zeigten sich von ihrer besten Seite, so daß es uns im September beim Gegenbesuch der Prestoner Freunde schwer fallen wird diese überragende Gastfreundschaft auszugleichen.

 

 

 

 

 

Quellen

 

Reisebericht von Karl Heinz Mainczyk Mai 1986

Fotos Mainczyk