Alfred  Polgar

 

1873 - 1955

 

Österreichischer Schriftsteller und Aphoristiker

 

 

 

Ich beherrsche die deutsche Sprache, aber sie gehorcht nicht immer...

 

 

 

 

Alfred Polgar, eigentlich Alfred Polak, wurde am 17. Oktober 1873 im Wiener Bezirk Leopoldstadt geboren. Seine Eltern waren Josef und Henriette Polak geb. Steiner, die eine Klavierschule betrieben. Alfred Polgar besuchte die Handelsschule und das Gymnasium. Nach der schulischen Ausbildung wurde er 1895 Redakteur bei der Wiener Allgemeinen Zeitung. Anfänglich arbeitete er als Gerichts- und Parlamentsreporter. Später wechselte er zum Feuilleton.

 

 

Nach der Jahrhundertwende schrieb Polgar ab 1905 für die Zeitschrift Schaubühne, aber auch als Autor für das Kabarett wurde er tätig. Sein erstes Buch "Der Quell des Übels" erschien 1908. Alfred Polgar hielt sich zu dieser Zeit häufig im Café Central im Palais Ferstel auf. Zur Wende des 20. Jahrhunderts war das 1876 erstmals eröffnete Etablissement ein beliebter Treffpunkt für Personen und Persönlichkeiten aus Literatur, Kunst, Politik und Wissenschaft. Hier fand Polgar Material für seine Arbeiten und Analysen. Er betätigte sich auch als Übersetzer von Theaterstücken. Hervorzuheben ist das Stück "Liliom" von Ferenc Molnár im Jahr 1913. Das bislang erfolglose Stück wurde dank eines Prologs von Alfred Polgar zu einem Welterfolg. Während des Ersten Weltkriegs arbeitete er im Kriegsarchiv, schrieb für Zeitungen wie dem Pester Lloyd. Das setzte sich nach Kriegsende fort.

 

 

 

In den 1920er Jahren lebte Polgar überwiegend in Berlin. Artikel von ihm erschienen u.a. im Berliner Tageblatt. 1929 heiratete er mit 56 Jahren die 18 Jahre jüngere Wienerin Elise Loewy. Nach der Machtergreifung des Nazis wurden auch seine Bücher verbrannt. Über Prag kehrte das Ehepaar nach Wien zurück. Abermals zwang der Anschluß Österreichs zur Flucht. Diese ging über Zürich, Paris, Marseille, Spanien, Lissabon 1940 bis in die USA. Hollywood gab ihm Arbeit als Drehbuchautor. Er schrieb für Exilzeitungen wie den Aufbau, für Time u.a. Ab 1943 lebte er in New York und bekam dort die amerikanische Staatsbürgerschaft. 1949 kehre er dann nach Europa zurück und ließ sich in Zürich nieder. Er starb am 24. April 1955 und wurde auf dem Friedhof Sihlfeld begraben.

 

Alfred Polgar erfuhr Zeit seines Lebens kaum eine Ehrung oder Auszeichnung; er, der sich für den Rhythmus der Sprache und ihre Eleganz begeisterte. Seine Werke zeichnen sich durch seinen unverwechselbaren Stil und seine kunstvolle Sprachbeherrschung aus.  Er zählt zu den talentiertesten und kunstfertigsten Schriftstellern seiner Zeit.  Nur wenige andere Autoren verstehen es, so treffend, präzise und fein zu formulieren. In vielen seiner Texte stehen die kleinen Leute und ihr alltägliches Leben im Mittelpunkt. „Meister der kleinen Form“ wurde er angesichts dieses Talents oft genannt.

 

Zwei Aphorismen von Alfred Polgar beinhaltet dieser Artikel, die beide das ausdrücken, was Aphorismus vermitteln möchte: Ein einzelner Gedanke, der in nur einem Satz oder wenigen Sätzen selbständig bestehen kann. Oft formuliert er eine besondere Einsicht rhetorisch kunstreich als allgemeinen Sinnspruch. Das trifft hier vortrefflich zu.

 

 

 

Quellen

Neues Lexikon des Judentums u.a.

Bildvorlage AK Jüd. Museum Wien