B O R I S    P A S T E R N A K

 

1 8 9 0  -   1 9 6 0

 

 

  

 Boris Pasternak

 Sowjetische Gedenkmarke 1990

 

 

 „Bin unsagbar dankbar, gerührt, stolz, erstaunt, beschämt.“

Pasternak Telegramm nach Stockholm zur Nobelpreisverleihung

 

 

Boris Leonidowitsch Pasternak wurde am  10. Februar  1890 in Moskau als Sohn eines russisch-jüdischen Malers geboren. Er entfernte sich früh geistig vom Judentum. Pasternak studierte in Moskau und an der Universität in Marburg Philosophie. Als einer der größten Dichter Rußlands wurde  er weltberühmt. Pasternak  übersetzte mit außergewöhnlichem Talent Goethe, Kleist, Rilke, Shakespeare u.a. In den Jahren des stalinistischen Terrors hatte er Veröffentlichungsverbot.

 

 

Sein berühmter Roman „Dr. Schiwago“ erschien erstmals 1957 in Italien. 1958 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen. Wenige Tage später sah er sich gezwungen, auf die Ehrung zu verzichten. Das geschah „mit Rücksicht auf die Bedeutung, die dieser Auszeichnung in der Gesellschaft beigelegt wird, in der ich lebe“.  Pasternak beschrieb im Roman „Dr. Schiwago“ den Weg eines Arztes und Dichters zwischen den Fronten der russischen Revolution und des Bürgerkrieges - ein Werk mit autobiographischen Anklängen. Die sowjetische Kritik verurteilte die humanistische Grundstimmung des Romans, vermißte bedingungslose Ideologietreue. Pasternak wurde als Verräter gebrandmarkt. Die Zuerkennung des Nobelpreises verschlimmerte seine Lage noch; Hetzartikel erschienen.  „Das Volk“ forderte die Ausbürgerung. Die Schriftstellerkollegen schlossen Pasternak aus ihren Verband aus. Der Dichter Boris Sluzki nannte Pasternak einen Nobelpreisträger gegen den Kommunismus. Der Prosaiker Wladimir Solouchin forderte die Ausbürgerung: „Dieses wird die richtige Hinrichtung für seinen Verrat.“

 

 

Notenblatt der Titelmelodie

 

Es war vor allem die drohende Ausweisung, die Boris Pasternak zur Rückgabe der Ehrung veranlaßte. Sein ganzes Leben und Schaffen sei mit Rußland verbunden, schrieb er an Parteichef Nikita Chrustschow. Deshalb bitte er darum, den Rest seines Lebens in der Heimat zu verbringen. Pasternak blieb in der UdSSR - ein gebrochener Mann. 1989 nahm ein Sohn Pasternaks doch noch die Ehrung für den am 30. Mai 1960 in Peredelkino bei Moskau verstorbenen Vater entgegen.