Otto Blau und der Overrather Hof in Haltern

 

 

 

Postkartenausschnitt 1957 Overrather Hof

gegenüber dem Seehof noch eingezeichnet

 

 

 

 

 

Sicherlich kennen die meisten Menschen aus unserer Region den Seehof in Haltern am See. Für das „… am See“  hat die Stadt Haltern lange gekämpft, bis es vor einiger Zeit als offizieller Namenszusatz Realität wurde. Der Seehof aber warb mit diesem Zusatz schon rund 60 Jahre vorher.

 

Interessant für den Heimatbereich ist in diesem Zusammenhang der Pächter eines anderen Etablissements am See, des Overrather Hofes, Otto Blau. Sein Name wurde ohne jede weitere Erläuterung in einem Zeitungsartikel der WAZ vom Dienstag, dem 13. April 1999 im Zusammenhang mit einen Artikel über den  ehemaligen Overrather Hof auf einer Ansichtskarte (s. Abb.) erwähnt. Seit dieser Zeit waren Nachforschungen im Gange, die lange Zeit keine Ergebnisse bezüglich des Lebensweges von Otto Blau brachten.

 

Der Overrather Hof

 

Die Geschichte des Overrather Hofes beginnt nach dem I. Weltkrieg. Aus einfachen Verhältnissen entwickelt sich ein von Karl Rohling eingerichtetes Strandbad an der Einmündung des Mühlenbachs in die Stever zu einem erfolgreichen Unternehmen. Eine Gastwirtschaftskonzession rundet das Geschäft ab. Der Besitzer nannte die Gastwirtschaft Overrather Hof. Das war eine ehemalige Großbauerschaft im Kirchspiel Haltern mit den Unterbauerschaften Antrup, Overrath, Stevermüer und Westrup. Allesamt östlich der Westruper Heide in Richtung Hullern gelegen (siehe Ausschnitt PZU).

 

Nach und nach wurde der Betrieb zu einem Kurhotel ausgebaut. Ortsansässigen gelang nur selten ein Blick hinter die mondäne Kulisse, die vom Luxus der damaligen Zeit geprägt war. Dennoch entwickelte sich rund um den See der Fremdenverkehr auch für den Normalverbraucher. Das gilt für Letztere bis auf den heutigen Tag.

 

 

 

PZU aus 1948 an Sebbel - Overrath 8 in Hullern-

bestätigte Zustellung über den Postfacharbeiter Jos. Brathe.

 

 

 

 

 

Amtliche Bildpostkarte Haltern am See mit ortsgleichem Poststempel-

rechts Landesverkehrsamt Westfalen Werbung 1936.

 

 

1928 verkaufte Rohling seinen gesamten Grundbesitz an das Wasserwerk. Pächter wurde dann der damals über die Grenzen von Essen hinaus bekannte Hotelier Otto Blau. Zu Otto Blau ist festzustellen, daß er nicht nur Pächter des Overrather Hofes, sondern  auch  erster  Pächter  des Seehofes in Haltern war. Nach dem II. Weltkrieg nutzten die Briten das Areal als Erholungsheim für Armeeangehörige. Nach Rückgabe des Geländes wurde der durch die Briten abgewirtschaftete Overrather Hof in den 1960er Jahre zwecks Erweiterung des Stausees abgerissen.

 

 

 

 

 Overrather Hof, Luftpostaufnahme aus 1933:

Kern-Luftbild Nr. 1847, freigegeben d. R.L.M.

 

 

Wer war Otto Blau?

 

Er gehörte zu seiner Zeit zu den bekanntesten Hoteliers Deutschlands; und dennoch ist sein Name in dieser Region ohne Erinnerung. Otto Friedrich Karl Blau wurde am 26. April 1876 in Eilenburg/Sachsen, Verwaltungsbezirk Delitzsch, geboren. Blau war verheiratet mit Friederike geb. Wüchler aus Kaufbeuren, damals noch Württemberg. Aus seiner Ehe sind vier Kinder hervorgegangen.

 

Nach beendeter Schulzeit begann Blau eine Konditorlehre im Café Kranzler/Berlin. Danach schloß sich eine Ausbildung als Koch im Leipziger Kristallpalast an; von 1891 bis 1896 Anstellungen als Geselle in seinen Berufen in verschiedenen Hotel- und Gaststättenbetrieben in Deutschland. Im Jahre 1896 wurde er Küchenchef in einem großen Hotelbetrieb, 1903 dann die Selbständigkeit mit der Übernahme eines Hotel- und Restaurants in Frankfurt am Main. Von 1910 an bewirtschaftete er die Hotels „Haferkasten“ und „Salzhaus“ in Frankfurt am Main. Anschließend war Blau Besitzer des Sprudel-Hotels und des Auguste-Viktoria-Hotels in Bad Nauheim.

 

Ab 1912 pachtete er das Hotel „Handelshof“ in Essen sowie ab 1928 die Burgplatz-Gaststätten (Löwenbräu); bewirtschaftete ferner das Gruga-Hauptrestaurant, das Postcafé sowie den Overrather Hof am Halterner Stausee. Blau beschäftigte in den 1930er Jahren allein in seinen Essener Betrieben über 600 Personen. Er gehörte zu den bekanntesten deutschen Hotelbesitzern seiner Zeit, war Inhaber mehrerer Auszeichnungen, Mitglied des internationalen Hotelbesitzervereins und der Vereinigung westdeutscher Hotels und verwandter Betriebe. Seine Essener Adresse war Norbertstraße 34. Das Jahreseinkommen belief sich 1939 auf 60 000 RM. Otto Blau war nicht Mitglied der NSDAP, gehörte aber der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV), der Deutschen Arbeitsfront (DAF) und dem Reichsluftschutzbund (RLB) an.

 

Otto   Blau  hat  seiner  Dienstpflicht (Ableistung des Wehrdienstes)  von  1894–1896  genügt. Am Weltkrieg 1914 - 1918 nahm er als Koch in Lazarettzügen teil. Er ist mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse am weißschwarzen Bande, der Roten-Kreuz-Medaille, der Hessischen Verdienstmedaille und dem Württembergischen Verdienstkreuz ausgezeichnet worden. Er verstarb am 31. August 1955 in Essen-Bredeney. Die Grabstätte befindet sich auf dem Südfriedhof  in Rüttenscheid.

 

 

 

Landpoststelle

 

Otto Blau war der Pächter dieses exklusiven Teils des Stausees,

dem sogar eine Landpoststelle von der Reichspost  zugeteilt wurde.

 

 

Die Briefmarke wurde mit einem Werbestempel entwertet:

„Waldreiches Wandergebiet/vorbildliche Strandbäder“.

Daneben Absendereindruck auf der hauseigenen Ansichtskarte

 

 

 

    

Fotoansichtskarten des Overrather Hofes aus den 1930er Jahren

 

 

 

Anschriftseite Leseabschrift:

 

Liebe Lenchen, lieber Willi,

hier entbehrt man Ost- und Nordsee nicht.

Ein ganz herrlicher Betrieb ist hier.

Bei den schönen Tagen sind wir immer

heraus gefahren. Klein Maria möchte ständig im Wasser bleiben.

Das Wetter ist ja für den Strandbetrieb äußerst günstig.

Ich hab auf die Rheinreise verzichtet, denn hier ist es weit schöner.

 

 

 

Vor dem Haus den Stausee,

hinterm Haus die Sandberge.

Was will man noch mehr?

 

Frei nach Kurt Tucholsky

 

 

Anmerkung

 

Einer der Inhaber des Overrather Hofes war Clemens Schmidt.

 

 

 

Overrather Hof - letzte Aufnahme vor dem Abriß

 

CEKADE Luftaufnahme aus dem Jahr 1957