B E R L I N E R  W A R E N H A U S 

 

R.  N A T H A N  in  R A U X E L

 

 

 

 

 

Das Geschäft der Familie Nathan befand sich in der Hauptstraße von Habinghorst, vormals Kronprinzenstraße. Verkauft wurden  Haushalts- und Spielwaren. Simon Nathan wurde 1877 in Czernikau geboren und fiel 1918 als deutscher Frontsoldat. Seine Ehefrau, eine geborene Heymann, wurde am 8. November 1877 in Gnesen/Wartheland, geboren. Im Zuge der Industrialisierung zogen beide in das aufblühende Ruhrgebiet. Das Ehepaar Nathan hatte drei Kinder. Frau Nathan führte das Geschäft unter Entbehrungen durch die schlechten Zeiten während und nach dem I. Weltkrieg.  Später führten die beiden Söhne Herbert und Walter das Geschäft.

 

 

1933 riefen die Nazis zum Boykott jüdischer Geschäfte auf. Darunter litt auch das  Warenhaus Nathan. In der Pogromnacht vom 9. zum 10. November 1938 wurde das Geschäft von einer Nazimeute verwüstet. Die Vertreibung der Familie Nathan nahm ihren Lauf. Herbert Nathan wurde verhaftet und ins KZ Sachsenhausen verschleppt. Das Geschäft mußte an einen „Arier“ verkauft werden. Nach seiner Entlassung aus dem KZ wanderte Herbert Nathan nach Belgien aus.  Frau Nathan und ihre Tochter Irene gelten seit 1940 als verschollen (ermordet von den Nazis im Baltikum?). Walter Nathan stirbt 1939 an Herzversagen und wird auf dem jüdischen Friedhof in Castrop-Rauxel begraben.

 

 

 

 

 

Heute erinnert nichts mehr in der „Lange Straße“ an das ehemalige Geschäft der Familie Nathan aus Habinghorst. Gelegentlich taucht ein Stück aus dem Schriftwechsel der Firma auf und erinnert an die Firma und ihre Inhaber.

 

 

 

Der Schriftverkehr  der Firma Nathan betraf eine Reklamation bezüglich einer unvollständigen Lieferung.

Die Karte war an die Fa. Ferd. Everts & Sohn in Höhscheid, heute Solingen, gerichtet.

 

  

 

   

Leseabschrift:

  

Teile Ihnen auf Ihr gefl. Schreiben mit,

daß ich und mein Fräulein stets sorg-

fältig die Kisten ausgepackt haben und

wir jedes einzelne Papierstück mehrere

Male durchsucht, jedoch waren die Messer

nicht zu finden, aus dem ½ Dutzend

war das Papier aufgerissen und ein

1 Messer herausgezogen. Mithin

ist beim Einpacken bei Ihnen vergessen

worden, die fehlenden Messer beizupacken. 

                          

Rauxel, den 6.5. 1908