Walter Mehring

 

1896 - 1981

 

 

 

 Briefmarke Stadtwappen von Zürich-

dem Ort seines Exils

 

 

Walter Mehring wurde am 29. April 1896 in Berlin geboren. Sein Vater war Publizist und Übersetzer und seine Mutter eine Prager Opernsängerin. Sie wurde im KZ Theresienstadt ermordet. Während seiner Schulzeit zeigten sich bei ihm schon konträre Anlagen. Wegen unpatriotischem Verhalten mußte er das Gymnasium verlassen und sein Abitur extern ablegen.

 

Seit den 1920er Jahren publizierte Mehring regelmäßig in verschiedenen literarischen Zeitschriften. Über sein Gedichtband "Politisches Cabaret" schrieb Kurt Tucholsky: "Mehring hat ein neues Lebensgefühl, einen neuen Rhythmus, eine neue Technik... Wenn die neue Zeit einen neuen Dichter hervorgebracht hat: Hier ist er".

 

Und in den Gedichten des prominenten Stückeschreibers Bertolt Brecht (eigentlich Eugen Berthold Friedrich Brecht) ist heute nachzulesen, wie Mehring auf diesen Dichter abfärbte. Walter Mehring aber lebte in einer anderen Kompromißlosigkeit als Brecht,   der sich zum Sozialismus bekannte. Mehring band sich an keine Ideologie. Links schlug sein Herz, aber er reagierte allergisch, wenn Kommunisten ihn vereinnahmen wollten.

 

 

1932 fragte er in einem Lied Rotfront-Kämpfer:" Wer hängt wen?"

Und er ließ Rotfront antworten: "Für uns denkt das Zentralkomitee!"

 

Die "DDR" hätte Walter Mehring dennoch gern zu sich geholt.

 

 

Der Philosoph Ernst Bloch, der nach dem Krieg in der "DDR" lebte, sagte bei einem frühen Besuch in der Schweiz zu Mehring: "Sie werden auch noch den Weg zu uns finden." Mehring fand ihn nicht, und Bloch flüchtete ein paar Jahre später aus der Ostzone. Walter Mehring läßt sich nicht klassifizieren. "Die einzigen Helden, die dieses Jahrhundert gehabt hat, waren Carl von Ossietzki und Rosa Luxemburg". Das "DDR Literatur-Lexikon", kommunistischem Kadavergehorsam folgend,  nannte ihn einen "linksbürgerlichen Schriftsteller, der nicht über die individualistisch-oppositionelle Haltung hinausgekommen sei".

 

 

Eine derartige Frontstellung bestätigt Mehring nur in seinen Ansichten. Er hat das bereits früh formuliert:

 

"Jeder Staat ist eine legalisierte Interessengemeinschaft,

die sich gegen das Individuum verschworen hat".

 

Gegen diese Verschwörung kämpfte er ein Leben lang.

 

 

 

 

Mehrings Schauspiel "Der Kaufmann von Berlin", eine Persiflage auf den Inflationsgewinnler Kaftan, knüpft an Shakespeares Shylock-Drama und Lessings "Nathan der Weise" an. Erwin Piscator eröffnete am 6. September 1929 sein Theater am Nollendorfplatz mit diesem Stück, dessen Aufführung wegen angeblicher Verunglimpfung nationaler Ehre einen Skandal erregte. Hatte Mehring das Problem der Ostjuden im westlichen Berlin in den Mittelpunkt gestellt, so inszenierte Piscator das Stück als Klassenstück, in dem der Jude Kaftan nur Ausbeuter, nicht aber auch treusorgender Vater war.  Die Presse fällt über Mehring her, projüdische Agitation wird ihm genauso vorgeworfen wie antisemitische Hetze. SA marschiert vor dem Theater auf; Goebbels schreibt eine Hetzschrift gegen Mehring.

 

Viele seiner Bücher landeten während der Bücherverbrennung am 10. März 1933 auf dem Scheiterhaufen. Im selben Jahr ging Walter Mehring ins Exil. Erst nach Paris, 1941 dann in die USA. Seit 1953 lebte er heimatlos in Europa, starb am 3. Oktober 1981 in Zürich und wurde dort auf dem Friedhof Sihlfeld im Schatten u.a. von Gottfried Keller, August Bebel und Alfred Polgar beigesetzt.

 

Ein größeres Publikum konnte er im Exil nicht mehr gewinnen. Heute aber wagen sich wieder Bühnen an die Werke von Walter Mehring heran.

 

 

 

 

Grab und Gedenkstätte

auf dem Friedhof Sihlfeld in Zürich. 

      

  

 

Quellen

Neues Lexikon des Judentums

Fotos: I. Mainczyk