M A R L

Stammplatz  derer  von  Loe

 

 

 

Wappen

Das Wappen zeigt oben das kurkölnische Kreuz.

Schlägel und Eisen sind Symbole des Bergbaus.

Das Fasseisen/Krampe steht für die Familie von Loe.

 

 

Marl ist uraltes Siedlungsland im Vest Recklinghausen. Allerdings ist für diesen Ort nur wenig Zuverlässiges bekannt. Die Registerbücher der Abtei Werden erwähnen Marl bereits im 9. Jahrhundert. Patronatsherren der Marler Kirche „St. Georg“  waren von 1419 bis etwa 1830 die Herren des Hauses  „Loe“, ihnen folgte der Freiherr von Twickel auf „Haus Lüttinghoff“ bei Polsum (s. Abb.). Das adlige „Haus Loe“, rund zwei Kilometer nordwestlich vom früheren Dorf entfernt, wurde 1864 abgebrochen.

 

  

   

Signatur des Patronatsherren Freiherr Clemens von Twickel,

unterschrieben 1861 auf  Haus Lütgenhof (Lüttinghoff) bei Polsum,

Postaufgabe Recklinghausen.

 

 

Haus Lüttinghof  1911 (Mitte) und 2011

 

 

Buntfotos: Mainczyk 2011

 

 

Postalisch ist Marl bereits 1649 an die  Postlinie des „Großen Kurfürsten“  Kleve-Berlin angeschlossen worden. Halt machten die Posten an der Wirtschaft „Schwatten Jans“, die heute noch existiert.  Postwärter in Marl waren von 1689 bis 1698 Wilhelm Werneri, von 1709 bis 1710 Gerhard Reuter und ein Reuter wird wieder für 1786 genannt. Über die Jahrzehnte danach liefen weitere Postverbindungen von Thurn und Taxis , der fürstbischöflichen Landespost und Botenposten  über Marl.  1765 gar wurde die Posthalterei von Dorsten nach Marl verlegt und war dem Oberpostamt Maaseik zugeteilt. Die Rückverlegung nach Dorsten erfolgte im Jahre 1778.

 

Nach der Säkularisierung 1802 war Marl dann Kaiserliche Reichpostanstalt im Herzogtum Arenberg. Im Großherzogtum Berg wurde die Postannahme Marl geschlossen. Mit dem Ende der Herrschaft von Napoleon wurde das Vest Recklinghausen auf dem Wiener Kongreß Preußen zugeschlagen. Die preußische Post richtete zum 30. Oktober 1817 in Marl wieder ein Postwärteramt ein, welches zum Postamt Dorsten gehörte. Ab 1. Juli 1825 wurde Marl Postexpedition und am 1. Januar 1826 dem Postamt Dortmund zugeteilt. 1847 folgte der Wechsel nach Bochum.

 

Im Jahre 1850, mit der Einführung preußischer Briefmarken, wurde Marl in  den Rang einer Postexpedition II (PE II) erhoben. Seit diesem Zeitpunkt war für Marl die OPD Münster zuständig. Der bisherige Name „Maerl“ wurde nun in „Marl“ geändert. Ein Stempel mit dem Namen Maerl ist nicht bekannt. Es wurden bis zu diesem Zeitpunkt nur Zweizeiler der zweiten preußischen Stempelform mit dem Namen Marl verwendet.

 

Dem folgte ein Kastenstempel. Marl bekam für die Entwertung den preußischen Vierringstempel mit der Nummer „905“ zugeteilt. Den Status einer PE II behielt Marl auch während des Zeit des Norddeutschen Postbezirkes.

 

 

Der Aufsatz zeigt einige weniger oft aufzufindende Postbelege über die Zeiten.

 

Preußische Post

Nummernstempel 905 Marl

 

 

Die Abbildung zeigt die Preußen Nr. 3 schwarz auf  blau,

Kopfausgabe Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861),

Ausgabe  vom 15. November 1850, geschnitten,

Wasserzeichen Lorbeerkranz,

Portostufe für Briefe bis 20 preußische Meilen (2 Sgr.).

 

 

 

Briefmarken des Norddeutschen Bundes

mit nachverwendetem Kastenstempel Marl

 

Freimarke Ausgabe 17.2.1869 und Dienstmarke vom 1.1.1870

 

Das Posthandbuch von 1878 beschreibt den Ort folgendermaßen:

 

Marl. Dorf. In bewaldeter Ebene, mit Sand- und Heideboden, hat 462 katholische Einwohner, welche von Landwirtschaft und Grubenarbeit im nahen Kohlenrevier sich nähren. Vor knapp einem Jahrhundert wirklich nur sehr magere Angaben  über Marl.

 

Eine direkte Eisenbahnverbindung hatte Marl zunächst nicht. Die Eisenbahnlinie Köln-Hamburg berührte nur den östlichen Teil des Amtes Marl seit dem Jahre 1870. Dort wurde 1884 der Bahnhof Sinsen eröffnet und Marl hatte  Möglichkeit, die Bahnpost zu nutzen. Im 19. Jahrhundert war die Umgebung der heutigen Stadt Marl mit kleinen Bauerschaften und vereinzelten Höfen durchsetzt. Zur Gemeinde Marl gehörten die Bauerschaften Oelde, Lippe, Frentrop und Drewer.

 

Im Zuge der kommunalen Neugliederung 1926 kamen noch die Bauerschaften Hüls, Lenkerbeck, Löntrop sowie ein Teil von Sinsen hinzu. Seit 1936 führt Marl die Bezeichnung „Stadt“. 1891 lebten in Marl 1841 Einwohner, 1938 dann rund 34000.

 

 

 

 

 

 

Nachverwendeter preußischer Rechteckstempel Marl ohne Jahresangabe mit auf  zwei Füßen stehender Sechsstrahlrosette als Verzierung auf einer Freimarke 10 Groschen,  Ausgabe vom 1. Januar 1872 für den Innendienst auf Brief - Fragment.

 

Es handelt sich um eine Innendienstmarke, die nicht an das Publikum abgegeben wurde. Vorgesehen war die handschriftliche Entwertung mit Ortsangabe und Datum. Entwertung, wie vorliegend, nur mit Poststempel  sind selten. Signiert ist das Briefstück vom Grafen Westerholt.

 

 

 

 

 

 

 

Deutsches Reich

Postbeleg knapp ein Jahr vor Verleihung der Stadtrechte am 20. April 1936

 

 

Einkreisstempel Marl, UB a, aus dem Jahr 1935.

 

 

 

Notpostkarte

vom 7.11.45 nach Reutlingen. Das Postamtssiegel wurde aptiert;

 das Hakenkreuz entfernt und der Reichsadler abgedeckt.

 

Die Kanonen waren noch nicht ganz abgekühlt und zu essen gab es wenig,

da widmeten sich bestimmte Menschen schon wieder ihrem Steckenpferd.

 

Leseabschrift:

Herrn Schneider Reutlingen Notgeldhandel

P.P.

Nachdem die Postverbindung  wieder aufgenommen werden kann möchte ich anfragen

ob Sie noch Notgeldbestände haben und ob Sie dann Auswahlsendungen abgeben. Bitte deshalb um Preislisten und Nachricht

ob ich Auswahlsendungen beziehen kann. Es unterzeichnet Hochachtend Hans Staudt Marl-Drewer Bitterfelderstr. 22

 

 

Heute ist die Stadt Marl mehr oder weniger eine Industriestadt,

vor allem geprägt durch die Chemischen Werke Hüls.

Kartenausschnitt aus 1954

 

 

 

Bildpostkarte 1972 mit dem neuen Rathaus Marl.

 Werbestempel "Marl soll sauber sein" auf 30 Pfg. Bundespräsident Heinemann,

Ausgabe Berlin. Bei einer Einsatzzeit von einigen Tagen blieben nur wenige Exemplare erhalten!

 

 

 

Absenderfreistempel der Stadt Marl

mit Hinweis auf den renommierten Grimme-Preis

 

 

 

 

 

Ortsteil Hüls

 

Im Ortsteil Hüls findet man auf der Hülsstraße die alte Einkaufszone der Stadt, die bis zum Bau des Marler Sterns der Kern der Stadt Marl war. Im Bereich Hüls-Süd, angeschlossen an das Naturschutzgebiet am Loemühlenbach, befindet sich die historische Wassermühle Loemühle. Sie wird als Hotel-Restaurant genutzt.

 

Links Hülsstraße - rechts Viktoriastraße in Höhe Hülsstraße mit Wegweise zur Loemühle.

Darunter die Loemühle um 1913.

 

 

 

Im Jahre 1925 wurde in der Nähe der Zeche Auguste Victoria ein Blei-, Zink- und Erzlager entdeckt. Zur Förderung dieser Stoffe wurde daraufhin 1926 ein Erzschacht in 806 Meter Tiefe gebaut. Der Schacht wurde bis 1962 benutzt und schließlich stillgelegt, als der Abbau durch fallende Erzpreise nicht mehr rentabel erschien. Im Stadtteil Hüls liegt gegenüber dem  Jahnstadion der Park Gänsebrink mit einer Stier-Skulptur.

 

Zechengründung

 

Im September 1897 wurde in Lenkerbeck und in Drewer jeweils eine Probebohrung nach Steinkohle durchgeführt. Bei den Suchbohrungen fand die Tiefbohrtechniker an beiden Bohrungen in etwa 668 m Tiefe Steinkohlevorkommen. Namensgeberin für das Bergwerk in Marl-Hüls war Auguste Victoria (1858–1921), Gattin des letzten deutschen Kaisers.

 

 

 

Seit dem Verbund mit General Blumenthal führt die Marler Schachtanlage den Namen Auguste Victoria/Blumenthal. Das Bergwerk gehört zu den leistungsfähigsten Förderstandorten in Deutschland.

 

C W H Marl - Hüls

 

Der Chemiepark geht auf die Gründung der Chemischen Werke Hüls GmbH (CWH) 1938 zurück. Vor und während des 2. Weltkriegs  wurde dort synthetischer Kautschuk/Buna für Autoreifen hergestellt. Im allgemeinen Sprachgebrauch heißt das Gebilde nur "Buna". Nach dem Zweiten Weltkrieg firmierte der Komplex unter Chemische Werke Hüls AG, mit dem Hauptaugenmerk auf Kunststoffe, Rohstoffe für Waschmittel und wiederum Buna. Heute firmiert das Werk nach vielen Umbenennungen unter dem Namen Evonik Degussa.

 

 

Post aus Hüls

 

Am 1. Juli 1907 wurde die 1. Postagentur in Hüls in der Gaststätte "Zur Post" eröffnet. 1908 wurde das "Kaiserliche Postamt III. Klasse" zur Hülsstraße 17 verlegt. Dies Postamt hatte Bestand bis 1999. Nachfolgend einige postalische Belege und Stempel.

 

 

 

Links alter Einkreisstempel V-N Type/UB a aus dem Jahr 1923 (Inflation) -

 rechts Einkreisstempel UB b mit 24 Stundenzeitrechnung

auf Ganzsachenausschnitt 6 Pfg. Wertstempel Tannenbergdenkmal.

 

 

 

 

Paketkarte über ein Paket von Marl-Hüls nach Wölmsdorf Krs. Schluckenau in Nordböhmen.

Dorthin und anderen Ortes im Deutschen Reich wurden ab Juli 1943 Kinder und Familien

aus den bombengefährdeten Städten an Rhein und Ruhr evakuiert.

Paketsendungen wurden zur Unterstützung verschickt.

 

75 Pfg. Paketgebühr verklebt mit Freimarken von 1941,

entwertet mit einem Zweikreisstempel Marl-Hüls ohne Postleitgebietszahl.

 

 

Alliierte Besetzung

Notausgabe der Britischen Zone für Marl-Hüls

 

 

 Formlose Postkarte mit Zweizeiler in rot "geld/bezahlt" für das vereinnahmte Porto.

Beigesetzt Poststempel Marl-Hüls ohne Postleitgebietszahl.

 

 

 

Bundesrepublik Deutschland

 

Unterfrankierter Einschreibbrief vom 4.1.52 von

Marl- Hüls nach Düsseldorf und Nachsendung nach Oberkassel

belegt durch Poststempel auf der Briefrückseite.

 

Die Postgebühr für den Brief betrug zum Absendezeitpunkt gem. Tarif vom 1.9.1948  60 Pfg. - 20 Pfg. Briefgebühr

und 40 Pfg. für das Einschreiben. Der Nachgebührvermerk läßt darauf schließen, das der Brief in die nächste Portostufe bis 50g gehörte.

aber in Hüls aus jedwelchen Gründen (Versehen) unterfrankiert angenommen wurde, welches erst auf dem weiteren Post festgestellt wurde.

Normalerweise senden Behörden Nachgebühr Briefe zurück. Hier wurde der Brief aber noch nach Oberkassel weitergeleitet und zugestellt.

Entweder die Behörde bezahlte das Nachporto von 30 Pfg. oder die Post verzichtete gegenüber der Behörde auf die Einziehung.

 

 

Landposten

 

Zur Verbesserung der Landpostversorgung für die Bevölkerung wurden ab 1928  Poststellen eingerichtet. Diese Poststellen II (PSt.) erhielten einen Gummistempel in rechteckiger Form, der lediglich ihren Namen und den des Leitpostamtes (LPA) mit dem Zusatz „über/bei/Land“ trägt. Tages– und Stundentypen enthält der Stempel nicht. Dieser Stempel ist auf allen Sendungen neben der Marke abzudrucken. Die Post wurde dem nächstgelegenen Leitpostamt zugeführt, das die Abstempelung mit Datum und Uhrzeit vornahm. Nur bei innerörtlicher Zustellung konnte die Marke mit dem Gummistempel entwertet werden.

 

 

 

Landpoststempel Haardheim über Marl (Sinsen) Kr Recklinghausen mit Postleitgebietszahl 21a.

Die Poststelle wurde am 1. Juli 1955 eingerichtet.

 

Landpoststempel Hamm 2 (Sickingmühle) über Marl Kr Recklinghausen mit Postleitgebietszahl 21a.

Daneben der recht seltene aptierte Landpoststempel Herne über Marl Kr Recklinghausen aus dem Jahr 1963.

 

 

 

Weiter mit:

 

Marl Postschein Thurn und Taxis