Marl in Westfalen

 

Postschein der kaiserlichen Post Thurn und Taxis

 

 

Ein postgeschichtliches Kleinod

 

Marl ist uraltes Siedlungsland im Vest Recklinghausen im vormaligen Erzstift Köln. Die Registerbücher der Abtei Werden erwähnen Marl bereits im 9. Jahrhundert. Patronatsherren der Marler Kirche „St. Georg“  waren von 1419 bis etwa 1830 die Herren des Hauses  „Loe“. Das adlige „Haus Loe“ wurde 1864 abgebrochen.

 

Zur Deutung des Namens „Vest“ Recklinghausen  ist  anzumerken, daß der Name  nicht eindeutig zuzuordnen ist. Der Name bezeichnet seit 1341 einen Teil des Kur - Kölner Territoriums südlich der unteren Lippe als Gogerichts- und Wehrbezirk.  Er ist also eher forensisch zu erklären, denn die Wurzel des Gogerichts ist die karolingische Hundertschaft.

 

Postalisch ist Marl bereits 1649 an die  Postlinie des „Großen Kurfürsten“  Kleve - Berlin angeschlossen worden. Halt machte die Post im Dorf Marl an einem der ältesten Fachwerkhäuser des Ortes (1650 erbaut) und an  der Gastwirtschaft  „Schwatten Jans“  in Richtung Dorsten, die heute noch existiert. Bekannte Postwärter in Marl waren von 1689 bis 1698 Wilhelm Werneri, von 1709 bis 1710 Gerhard Reuter und ein Reuter wird wieder für 1786 genannt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Leseabschrift des Postscheines:

 

Daß ein verschloßenes Schreiben Herrn Von Wechs

zu Cologne (Köln) wohl eingeliefert bescheinet dieses

und wird solches demnach zur guten adresse reco-

mandirt werden

                                      Maerl (Marl) d.  28 Juny  1771

 

                                         Kaiserl.  Post  allhier

 

 

 

 

1765 wurde die Posthalterei von Dorsten nach Marl verlegt und war dem Oberpostamt Maaseik zugeteilt. Maaseik, limburgisch Mezeik, liegt in der Provinz Limburg in der Region Flandern in Belgien zwischen Roermond und Maastricht nahe der deutschen Grenze.  Die Rückverlegung nach Dorsten erfolgte im Jahre 1778. Posthaltereien zur Zeit der kaiserlichen Reichspost waren hauptsächlich wegen Haltung der zum Postwesen benötigten Pferde eingerichtet. Da aber doch manchmal Briefe und Pakete für den Ort der Posthalterei oder dessen Nachbarschaft anfielen, so führten sie eine kleine Brief- und Postwagenexpedition nebenher, wofür sie Rechnung legten.

 

Der Grund der Verlegung der Posthalterei nach Marl lag in den kriegerischen Verhältnissen der damaligen Zeit. Das recht freundliche Verhältnis zwischen Preußen und dem Hause Thurn und Taxis erlitt im Verlauf des Siebenjährigen Krieges schwere Risse. Hauptursache war das Vorgehen der kaiserlichen Reichspost in den von den französischen Truppen besetzten preußischen Territorien am Rhein. Die dortigen preußischen Posten wurden mit kaiserlich österreichischer Hilfe übernommen. Gleichzeitig erklärte man die Landesposten zu verbotenen  Nebenposten, um für das Vorgehen der Reichspost eine rechtliche Grundlage zu haben.

 

Nach den preußischen Siegen von Roßbach, Leuthen und Krefeld erteilte Friedrich II. im Frühjahr 1758 seinem Generalpostmeister Graf von Gotter den Befehl, die Taxisschen Postmeister in den besetzten Gebieten davonzujagen und die Reichspostämter seiner Administration zu unterstellen. Der Friedensschluß von Hubertusburg (15. Februar 1763) setzte die Reichspost wieder in den Besitzstand von 1755 ein.

 

Der abgebildete Postschein trägt den Namen „Maerl“, der auch später noch in preußischer Zeit auftritt. Einen Niederschlag im Stempelbild hat diese Namensführung nie gefunden. Vielerorts werden in unserem Bereich Ortsnamen oder Personennamen mit einem zugefügten Dehnungs- „e“  geschrieben. Ähnliche Postscheine sind auch von Warendorf bekannt. Das Papier ist mit einem Sicherungs-Wasserzeichen durchzogen.

 

 

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