Die Loemühle im Jahr 1913

 

 

 

 

 

So begeistert beschrieb der Artikelschreiber

der Vestischen Wochenschau 1953 die Loemühle.

 

 

Die historische Wassermühle Loemühle wurde vom Müllermeister Heinrich Breloer aus Recklinghausen-Süd zu einem exklusiven Etablissement, Hotel und Restaurant mit angeschlossenem Parkbad, ausgebaut. Die Hochzeit dieses schönen Hauses lag in den 1950er und 1960er Jahren. Größen aus Wirtschaft, Politik, Kultur, Sport, Film und Bühne logierten im Hotel und besuchten das Restaurant. Die Ruhrfestspiele belegten für ihre Darsteller, z. B. Bernhard Minetti, Hannes Messemer, Hilde Krahl, Gisela von Collande oder Ernst Schröder, das Hotel. Filmstars wie Yule Brynner waren zu Gast. Tourneen für das Theater der Stadt Marl mit Akteuren wie Johannes Heesters und Johann von Koczian wohnten dort ebenfalls wie Gäste der Insel Marl. Die Aufsichträte u.a. der Zeche  Auguste-Victoria (AV) unter der Leitung von  Dr. jur. Helmut Seume, Vorstandsvorsitzender, tagten in den historischen Räumen. Der Orchersterleiter der Philharmonia Hungarica, Dirigent Miltiades Caridis, wohnte in der Loemühle. Die Architekten des neuen Marler Rasthauses, Johannes Hendrik van den Broek und Jacob Berend Bakema (Niederlande)  waren oft gesehene Gäste. Bürgermeister Rudi Heiland feierte hier seine Hochzeit mit Päule Overbeck. Kreisansässige Großfirmen ließen ihre Kunden und hochrangige Vertreter in der Loemühle logieren. Erlesene Veranstaltungen, Hochzeiten, Sylvesterbälle und anderes wurden in adäquaten Räumlichkeiten gebucht. Im Parkbad spielten die Bückeburger Jäger auf oder Will Brandes trug auf einer schwimmenden Bühne u.a. die deutsche Version von Rocco Granatas "Marina" vor. Kenneth Spencer erholte sich dort von seinen Auftritten und viele andere Künstler auch. Der vielfach geehrte Autor und Filmregisseur Heinrich Breloer jun. ist ein Sohn des Hauses.

 

 

 

 

Loemühle im Jahr 1939 auf Grußkarte nach Ludwigshafen mit Hinweis auf das neuzeitliche Parkbad.

Die Briefmarke wurde entwertet mit einem zu dieser Zeit neu eingeführten Zweikreisstempel Marl-Hüls.

Rechts Foto aus dem Jahr 2010.

 

 

Frankotyp Absenderfreistempel mit Futterwerbung des Eigentümers der Loemühle.

Absenderfreistempel mit falsch eingestellter Jahreszahl (19)44 anstatt  (19)54.

 

 

 

Ansichtskarte aus dem Jahr 1953

 

Absenderfreistempel ohne Notopfer nach Berlin

 

 

Erinnerungen an meinen Lehrbetrieb

 

Die Loemühle Gaststätten GmbH war 1960 auch ein Lehrbetrieb für Kellner und Köche unter der Leitung von Frau Maria Breloer. Dort eine Lehrstelle zu bekommen, war schon ein Erlebnis. Das ist nach über 50 Jahren allemal eine Erinnerung wert. Wenn mir jemand aus dem alten Kreis im Gedächtnis bleibt, so ist es der damalige Chefkoch Brenig, der mich zu einer Ausbildung in der Loemühle ermunterte. Ein Ratschlag, den ich nie bereute. Günter Uttig, Kochlehrling, der leider allzu früh verstarb, gehört ebenso dazu. Ihn traf ich dann in Berlin wieder, wo er bei Franz Diener am Savignyplatz in Charlottenburg die Küche leitete. Aus gereifter Distanz betrachtet gehört meine Lehrherrin unbedingt in diese Runde der Erinnerten. 

 

Die Gäste waren international, eloquent, weltgewandt; das Ambiente einmalig. Als Lehrling genoß ich eine adäquate Ausbildung, erlebte dort die vielen Gäste, Veranstaltungen im Hause selbst ebenso wie den Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961. Letzteres habe ich so verinnerlicht, daß ich heute noch das Radio links neben der Theke vor mir sehe, aus welchem die Meldungen am frühen Morgen kamen. Nach Lehrabschluß konnte ich mich bei meiner Tätigkeit in Berlin von der Schrecklichkeit dieser kommunistischen Unmenschlichkeit Tag für Tag überzeugen.

 

 

 

 

Links ein Teil der Bedienungs-Brigade 1960 vor dem Haus, Mitte Frau Ilse Hartwig, rechts daneben der Verfasser.

Buntfoto 1963 vor Haus Loe, von links nach rechts: Friedhelm Druve+, der Autor, Oberkellner Günter Füchtemeier+, Rudolf Koczwara.

 

 

 

Speisenkarten Ostern 1960

 

 

 

 

Innenansichten 

 

 

Die Künstlernische u.a. mit einem signierten Foto des Tenors Peter Anders.

Daneben die Diele bei Haus Loe.

 

 

 

Eingang zum Haus Loe 1939

 

 

 

Das Haus wird auch nach einem Eigentümerwechsel als Hotel und Restaurant weitergeführt. Die alte Mühle wurde zwischenzeitlich umgebaut und dient u.a. dem Marler Standesamt als origineller Trauraum für Heiratswillige. Das Parkbad wurde vor vielen Jahren geschlossen. Dieses wurde vom Haupthaus bewirtschaftet. Die Gäste genossen die Bedienung im Bad. Früher gehörten noch eine Forellenzucht und die  Stadtgärtnerei (heute Ausbildungswiese) zum Areal der Loemühle. Auf dem Teich wurden Bootsfahrten angeboten. Dem historischen Anwesen wäre eine sichere Zukunft zu wünschen. Andernfalls würde der Region etwas fehlen. 

 

 

   

Mitte: Mühle und Restaurant um 1942 - der alte Kamin in der Loemühle, links 1950er Jahre, rechts 2009.

 

 

 

Bilder von dem Bootsteich, der immer noch als Wasserspeicher für den Mühlradantrieb dient.

  

   

Das Mühlrad 2009.

S/W Foto: Mainczyk 1962

 

 

 

Das ehemalige Loemühlenbad mit Restauration und Dachterrasse 1950 - 1961.

Rechte Karte nachkoloriert.

 

 

 

 

Gäste der Loemühle

Auswahl

 

 

Bernhard Minetti, der Wallenstein der Ruhrfestspiele, lernte seinen Text in den Räumen der Loemühle.

 Zur Widmung gab es noch den „Großen Kurfürsten“ aus der Hand von Bernhard Minetti.

 

 

 

 

Hans Hass (eigentlich Hans Heinrich Romulus), bekannter österreichischer Tauchpionier

und Dokumentarfilmer war bei einem seiner Vorträge in Marl Gast in der Loemühle. 

 

 

 

Fußballer in der Loemühle

 

 

Links Autogramme der Mannschaft des Spandauer SV, die im Hotel übernachteten.

Rechts Autogramme der Mannschaft des deutschen Pokalsiegers Werder Bremen von 1961

die vor dem Spiel in der Loemühle wohnte. Das Spiel fand in der legendären "Glückauf-Kampfbahn"

in Gelsenkirchen am 13. September 1961 statt. Gegner war der 1. FC Kaiserslautern, welcher den Bremern 2:0 unterlag.

1963 waren auch der Meidericher SV mit Trainer Rudi Gutendorf und Helmut Rahn Gäste der Loemühle.

 

 

 

Adolf Galland, ehemaliger Jagdflieger im II. Weltkrieg, gebürtig in Westerholt,

nahm 1961 am Deutschlandflug zusammen mit dem Flugzeugkonstrukteur Igor Iwanowitsch Sikorski teil.

 

 

 

    

Autogramm von Rudolf Schock bei einem Auftritt in Marl 1962.

Das alte Gemäuer der Loemühle bebte, als Schock in seinem Zimmer die Stimme anhob.

Auch der Schlagersänger Gerhard Wendland war Gast in der Loemühle,

ebenso Johannes Heesters mit weißem Schal in Begleitung von Johanna von Koczian.

 

 

 

Links Yul Brynners Signatur bei einem seiner Besuche für die UNESCO 1960 in Marl und einem Abstecher in die Loemühle.

   Rechts: Kenneth Spencer erholte sich 1963 im ehemaligen Loemühlenbad.

 

 

Yul Brynner - Filmschauspieler, UNO-Vertreter (UNESCO) 1960, Begleiter des neuen Baus einer Siedlung

der "Philharmonia Hungarica" für ungarische Musiker und ihre Familien  mit 74 Wohneinheiten an der Brüderstrasse.

 

 

 

 

Quellen

 

Archivmaterial

Bebilderung Eigenbestand

Fotos: Mainczyk

 

Auf mein Urheberrecht verweise ich eindringlich!