H E R R L I C H K E I T   L E M B E C K

Post- und Heimatgeschichte

 

 

Die Herrlichkeit führt ihren Namen nach dem Wasserschloß Lembeck.  Bereits in einer Urkunde des Jahres 1177 wird Adolphus de Lembecke, ein Ministeriale (Dienstmann) des Bischofs von Münster, genannt. Als Herrlichkeit wurde in der Feudalzeit das Territorium eines Herrn bezeichnet, der in diesem Gebiet die Herrschaftsrechte ausübte. Die Besitzer  von Lembeck  übten früher die Gerichtsbarkeit auch noch aus über Altschermbeck, Erle, Hervest, Holsterhausen, Rhade und Wulfen. Das Wappen wurde von den Herren von Lembeck übernommen. Es zeigt ein silbernes Nesselblatt auf rotem Schild. Das Schloß reicht mit seinen ältesten Teilen bis in  das 15. Jahrhundert zurück. Nach Aussterben der Lembecker 1526 folgte die Familie von Westerholt. 1702 geht das Schloß durch Heirat in die Familie von Merveldt über, die das Haus heute noch bewirtschaftet.

 

 

Briefhülle aus dem Jahre 1716 nach Lembeck mit  achtzeiliger Ergebenheitsadresse:

Mein Herr Freiherr von Plettenberg Persönlicher Ratgeber Erblicher Marschall  S.A.

Monsignore Prinz von Münster und Paderborn Lehnsherr von Nordkirchen

Meinhövel und Ahlrodde in Lembeck.

  

       

Rückseite der o.g. Briefhülle mit Siegel und Präsentationsvermerk

 

 

Zur Gemeinde Lembeck gehörten die Bauerschaften Wessendorf, Beck, Strock, Lasthausen und Endeln. 1810 lebten in Lembeck 1644, 1938 dann 2860 Einwohner. Im Zuge der kommunalen Neuordnung wurde Lembeck 1929 Teil des Amtes Hervest-Dorsten. Das Amt wurde zum 1. Januar 1975 aufgelöst. Lembeck ist heute einer von vielen Ortsteilen der Stadt Dorsten.

 

 

 

 

Postalisch erwähnt wird Lembeck  in erhalten gebliebenen Kämmereirechnungen der Stadt Wesel aus dem 14. Jahrhundert. Dort ist von einem lebhaften Botenverkehr zwischen der Stadt am Rhein und der Hauptstadt Münster die Rede, der über Lembeck führte. Im Oktober 1646 hatte der Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der „Große Kurfürst“, eine mit eigenen Kanzleiboten besetzte Reitpost von Kleve über Xanten - Beeck - Lembeck - Dülmen - Münster - Lengerich nach Osnabrück einrichten lassen, um eine möglichst schnelle und sichere Nachrichtenverbindung zwischen seiner Residenz in Kleve und seinen Gesandten in Osnabrück sicherzustellen. Die Verbindung hat bis zum Ende des Friedenskongresses in Münster im Jahre 1648 bestanden (30jähriger Krieg a.a.O.). Geändert wurde die Linie 1649, und sie nahm nunmehr ab Berlin folgenden Verlauf im Vest Recklinghausen: Lünen - Waltrop - Horneburg - Marl - Dorsten - Schermbeck - Wesel nach Kleve. Aber auch die kaiserliche  Reitpost Thurn und Taxis durchquerte die Herrlichkeit Lembeck, ebenso die fürstbischöfliche Landespost. Gezeigt wird ein Querschnitt an Portostufen, Briefen, Ansichtskarten und Notgeld.

 

 

 

 

Links Schloß Lembeck 1911 Gartenseite und Innenraum.

Daneben St. Michaelis-Kapelle bei Lembeck mit der

Familiegruft der Grafen von Merveldt und Westerholt-Lembeck.

 

 

Luftbild 1974 - Gartenseite 2014©

 

 

Als die Herrlichkeit Lembeck Ende 1810 zum Kaiserreich Frankreich kam, richtete Napoleon, um eine schnelle Verbindung mit Hamburg  zu erhalten, eine täglich verkehrende „Mallepost“  (Briefpost mit einem leichten zweirädrigen Wagen) zwischen Paris und Hamburg über die Trasse der neuen „Napoleonchaussee“ zwischen Wesel und Dülmen ein. Die nachfolgende preußische Post ließ im Jahre 1814 von dieser großen europäischen Verbindung nur den Abschnitt Münster-Wesel als fahrende und reitende Post bestehen. Einige Postlinien und Personenposten führten danach noch durch die Herrlichkeit Lembeck.

 

 

 

Mit der Eröffnung der Eisenbahnlinie Haltern - Wesel am 1. März 1874  brach auch für die Herrlichkeit Lembeck  das Eisenbahnzeitalter an. Anläßlich der Eröffnung der Eisenbahnlinie Oberhausen - Rheine am 1. Juli 1879 wurden die letzten Personenposten in der Herrlichkeit eingestellt. Anstatt des Posthorns ertönten nunmehr die Pfiffe der Eisenbahn durch die Herrlichkeit Lembeck.

 

 

 

Chronik in Bildern

 

Einkreisstempel Lembeck 10.5.20 auf  Freimarke "Vereinigung von Nord- und Süddeutschland,

Genius (Schutzgeist) mit Fackel", Ausgabe 15. März 1920. Daneben neuer Einkreisstempel mit 24Stundenzeitrechnung

auf Freimarke Reichspräsident von Hindenburg, Portostufe für Briefe bis 20g im Fernverkehr.

 

Poststellen I (PST I)

Poststellen I hatten im Allgemeinen die gleichen Annahmebefugnisse wie Postämter – sie erhielten Bestände an Briefmarken, Invalidenversicherungsmarken und Formularen je nach Bedarf und dem danach festgesetzten Bestand. Mit dem Abrechnungspostamt (AbrPA) rechneten PST I monatlich ab.  Die Inhaber führen die Amtsbezeichnung Posthalter (PH). Sie waren Beamte im Nebenamt auf Widerruf und wurden vereidigt. PST I führten, wenn sie durch ein Leitpostamt (LPA) versorgt werden, als amtliche Bezeichnung neben ihrem Namen den Namen ihres LPA mit dem voranstehenden Zusatz „Über“ (z. B. "Lembeck/ über Hervest-Dorsten“). Die übrigen PST II erhalten einen anderen Zusatz, durch den ihre Lage gekennzeichnet wird (z.B. "Rhade bei Dorsten" a.a.O. ).

 

 

 Lembeck Poststelle I über Hervest - Dorsten 1942

 

 

Zweikreisstempel der Poststelle I  Lembeck über Hervest-Dorsten auf einer

Neujahrskarte 1942 nach Östrich bei Erle in einen anderen Landzustellbereich in Dorsten, heute Kreis Borken.

 

 Das heutige Östrich im Westen Dorstens war ein Teil von Gahlen und kam erst 1975 im Zuge

der kommunalen Neugliederung aus dem Landkreis Wesel in den Kreis Recklinghausen nach Dorsten.

 

 

 

Endeln Poststelle II

 

Die Bauerschaft Endeln liegt zwischen Lembeck und Rhade südlich der Rhader Straße.

 

Endeln über Hervest-Dorsten 1944 im Reichspostortverzeichnis als Poststelle  II geführt.

Die beiden Freimarken wurden 1942 mit einem Zweikreisstempel ohne Postleitgebietszahl entwertet.

 

Rechts gleicher Landpoststempel Verwendung nunmehr im Bereich der Alliierten Besetzung.

Die Freimarke von 1947 der II. Kontrollratsausgabe mit der Abbildung eines Pflanzers

wurde mit einem recht seltenen Einkreisstempel mit Gitterbogen oben und unten

vom 29.4.48 entwertet. Die Marken waren gültig bis zum 22.6.1948.

 

 

 

Postamt Lembeck

 

Zweikreisstempel mit Postleitgebietszahl (21a) Lembeck Bz Münster (Westf),

UB a, auf Postzustellungsurkunde (Ausschnitt).

 

 

Der letzte eigenständige Poststempel von Lembeck vor der Eingemeindung nach Dorsten am 1. Januar 1975

Alle gezeigten Poststempel mit dem UB a. Der Nachfolgestempel Dorsten 12 hatte ebenfalls UB a.

 

Poststempel Lembeck auf Freimarke der Serie Unfallverhütung,

Portostufe für Briefdrucksachen bis 20g oder Postkarten im Fernverkehr gem. Tarif vom 1.9.71.

Daneben Postkarte 40 Pfg. Freimarke Heinemann-Portostufe Fernverkehr gem. Tarif vom 1.7.1972.

 

 

Post aus der Übergangszeit der Eingemeindung

 

 Links Poststempel und Klebezettel Lembeck 1972, portogerechte Mischfrankatur Bauten und Brandenburger Tor,

beide Marken aus der Zeit vor 1969, zu jener Zeit unbeschränkt frankaturgültig.

Rechts Poststempel Dorsten 12 und Aufbrauch-Klebezettel Lembeck 1977

nach der Gemeindeneugliederung 1975, ebenfalls portogerechte Frankatur.

 

 

 

 

Notgeldmünzen der "Herrlichkeit Lembeck"

mit der Fehme-Eiche in Erle 1919

 

 

Notgeldmünzen aus Eisen gefertigt aus Ermangelung von Buntmetall.

 

 

 

Inflationsnotgeld 1923 Einblattdruck

Druckerei Fleißig Coesfeld

 

Linker Notgeldschein mit Unterschrift des Rendanten (Kämmerers) Heinrich Schwingeheuer.

Beide Scheine mit Namensangaben des Amtmanns Kuckelmann  und des Amtsbeigeordneten Rößmann.

 

 

 

Quellennachweis:

„Notgeld/Münzen u.a.“ von Dr. Keller, Funck, Meyer, Neimann, Pick u.a.                                  

Ausstellungsbelege Slg. M „Recklinghausen -Heimatgeschichte postalisch“

Kreis Recklinghausen: Dr. Joseph Wiedenhöfer-Christian Schneider 1911

Festschrift "100 Jahre Volksbank" 1997 von K.H. Mainczyk

Heinz Jansen: Das Deutsche Notgeld 1915-1923

                              Kreis Recklinghausen Pressemitteilung Wertgutscheine