Landsturm-Infanterie-Bataillon Recklinghausen VII.55

 

VII. Armee-Korps / Münster

 

 

 

Zusammenstellung des Landsturms

 

Die Geschichte der deutschen Landwehren hat eine lange Geschichte aus dem Mittelalter heraus. Wiedergegeben wird hier nur die Zeit des 1. WK. Umfassende Ausführungen zu diesem Thema bieten einschlägige Artikel und Veröffentlichungen.

 

Der Landsturm bezeichnete im Militärwesen seit dem 15. Jahrhundert „das letzte Aufgebot“ aller Wehrpflichtigen, welche weder dem Landheer noch der Marine angehören zur Abwehr eines feindlichen Einfalls.

 

Bei der Gründung des Deutschen Reiches bestand der Landsturm aus allen Wehrpflichtigen vom vollendeten 17. bis zum vollendeten 42. Lebensjahr, sofern sie nicht im Heer oder in der Marine dienten. Der Aufruf hatte durch kaiserliche Verordnung zu erfolgen. Im Kriegsfall konnte der Landsturm zur Ergänzung des Heeres und der Marine herangezogen und auch außerhalb Deutschlands eingesetzt werden. Im weiteren Kriegsverlauf kamen außerdem bereits ab 1915 viele im Frieden dem Landsturm zugeteilte Wehrpflichtige (ungediente Landsturmmänner) vor allem jüngerer Jahrgänge als Personalersatz für die hohen Verluste zu den Front-Truppenteilen.

 

 

 

 

Nachfolgend einige Korrespondenzen aus dem Landsturmbereich Recklinghausen.

Leseabschriften sind, sofern möglich, vollständig oder auszugsweise wortgetreu wiedergegeben.

 

 

 

AK Mons Place de la Gare Bahnhofsplatz

 

 Feldpost

2. Kompagnie Landsturm - Inf. - Bataillon Recklinghausen

Herrn Artur Mosler

Haspe Westf. In der Hülsstr. 4

 

Mons d. 25.7. (1915)

Herzliche Grüße sendet dein Vater. Bin gesund und munter,

sind jetzt in Mons nur auf kurze Zeit. Anfang nächsten Monat kommen wir weg.

Grüße alle von mir auf Wiedersehen.

VS Dringend  dennoch bei euch habt ihr noch viel zu thun.

Wir haben im ganzen Btt. bloß zehn Mann Musik.

Gruß an Familie Henning.

Abs. Anton Mosler

2. Komp. Landst. Inf. Batl. Recklinghausen Mons Belgien

 

 

 

 

 

AK Blandain

 

Blandain ist heute ein Ortsteil von Tournai/Doornik im belgischen Hennegau, Grenzstadt zu Frankreich nahe Lille.

Die Kirche ist dem ersten Bischof von Tournai, Éleuthère, geweiht.

 

 Feldpost

2. Kompagnie Landsturm - Inf. - Bataillon Recklinghausen undatiert

Herrn Artur Mosler Musiker Haspe b. Hagen in der Hülsstr. 4

 

Lieber Arthur,

Deine Karte bei bester Gesundheit erhalten.

Ich bin Anfangs Juni zu Hause gewesen zu 10tägiger  Sitzung. Hier gibt es dicke Luft.

Beste Grüße Vater. Auf Wiedersehen.

Bildseite: Die Engländer bekommen hier unseren ... 

Adresse: Anton Mosler II. Kmp. Landst. Inf. Batl. Recklinghausen 7.55 Belgien

 

 

 

Mit der Mobilmachung am 1. August 1914 wurden Landsturm-Verbände aufgestellt und mobil gemacht. Bei Kriegsbeginn wurden 334 planmäßige Landsturm-Bataillone aufgestellt. Bereits Ende August 1914 waren davon 42 Bataillone mobil. Der Landsturm, der die älteren Jahrgänge erfasste, war ursprünglich nur für Wachaufgaben in der Heimat und im besetzten Gebiet vorgesehen. Kurz nach Kriegsbeginn wurde er jedoch zuerst im Osten, später dann auch im Westen für Grenzschutzaufgaben herangezogen und teilweise sogar an verhältnismäßig ruhigen Frontabschnitten eingesetzt. Einige Bataillone wurden zu Landsturm-Infanterie-Regimenter zusammengezogen. Auch gingen mehrere zunächst als Landsturm aufgestellte Bataillone in neugebildeten Infanterie-Regimentern auf.

 

 

 

 

AK Abb. Soldat Feldpost

 

 

Das wallonische Mons (niederländisch/deutsch Bergen), ist die Hauptstadt der belgischen Provinz Hennegau

und mehrheitlich frankophon.  Der Fluß Henne gab dem Gau seinen Namen.

 

3. Komp.

Mob. Landst.-Inf.-Bataillons

Recklinghausen

W. Eichler Dortmund 13 Kulm Str. 5

 

Poststempel Mons Belgien 17.4.15 Bhf/Bahnhof

 

Lieber Schwager +  Schwester!

Die herzlichsten Grüße aus der Ferne sendet bestens euer Ludwig.

sonst gesund + munter Essen gut und Dienst zum aushalten.

 

 

 

 

 

AK Charleroi

 

Die Gruben Sacré-Madame und Ste Barbe/Barbara

mit Panoramablick auf die Oberstadt

 

 

3. Komp.

Mob.-Landst.-Inf.-Bataillon

Recklinghausen VII.55.

 

AK Charleroi Maschinenstempel 3 X 1915

 

Resv. Fritz Aller

K. Inf. Regt. 5/145

Paderborn

 

Deine Karte erhalten. Unsere Stellungen sind immer mal wieder angegriffen worden.

Einmal faselst du von der Heimat ein anderes Mal von der Etappe.

Es wird Zeit, daß du nach Hause kommst, damit du dich etwas erholst.

Auf Wiedersehen in der Heimat.

 

 

 

 

 

AK Tournai Kathedrale und Innenstadt

 

Ohne Postaufgabestempel nach Aschersleben südlich von Magdeburg

 

3. Komp.

Mob.-Landst.-Inf.-Bataillon

Recklinghausen VII.55.

 

 

Leseabschrift:  Rennes, 1.4.16 Post Tournai

Lieber Herr Konrad!

Ihre schönen Zigarren u. Brief vorgestern abend erhalten. Ich danke Ihnen herzlichst dafür.

Von Ihnen Zigarren sind ja bekanntlich besonders gut, die alte Erfahrung hat sich nun auch jetzt wieder bestätigt. -

Wir haben jetzt herrliches Frühlingswetter hier. – Hoffentlich kann ich meinen nächsten Geburtstag in Deutschl. verleben,

Ihre Zig. Kamen nämlich als Geburtst. Geschenk gerade richtig. Ist das nicht schön abgepaßt? –

Viele Glückwünsche zu Ottos Konfirmation noch. – Seien Sie alle recht herzlichst gegrüßt von Ihrem Fritz W.

 

 

 

 

 Charleroi Place du Sud

 

 

12 X 1915 Poststempel Charleroy

 

1. Komp.

Mob.-Landst.-Inf.-Bataillon

Recklinghausen VII.55.

 

An W. Bohnebotz Jederitz b. Havelberg i.d. Mark

 

Geehrter Herr Bohnebotz!

Leseauszug: Erlaube mir Ihnen jetzt die herzl. Grüße aus Frankreich zu senden.

 

 

 

In Recklinghausen war ein Landwehrbezirks-Kommando des VII. Armee-Korps (A.K.) stationiert. Dem VII. A.K. war die 14. Infanterie-Division unterstellt, mit der das Landsturm-Infanterie-Bataillon 1915 in Flandern (bei Charleroy) eingesetzt war. Mindestens 3 Kompanien sind aus den Absenderstempeln her bekannt. Die Bezeichnung der Landsturm-Infanterie-Bataillone erfolgte nach dem Ort ihrer Aufstellung. Das Ldst.Inf.Btl.Recklinghausen gehörte zum Korpsbereich VII Münster und hatte als Abzeichen die VII.55 auf dem Kragen. Es war mobil ab dem 12.9.14. Eine Ersatz-Kompanie war dem Landsturm-Infanterie-Bataillon Gelsenkirchen VII.51 (Ldst.Inf.Btl.Gelsenkirchen VII.51) angegliedert (Etappen-Inspektion Nr. 6, 17. Armee, später 6. Armee).

 

Infolge der Demobilmachung und durch Artikel 173 des Vertrags von Versailles (1919) wurde die Landwehr abgeschafft.

 

 

 

 

Kathedrale Notre Dame zu Cambrai

 

Die Stadt liegt nahe der belgischen Grenze im französischen Departement Nord-Pas-de-Calais

 

 

Stummer Poststempel 1.7.18 aus den letzten Tagen des 1. Weltkriegs

 

 

Fräulein Grete Wiese Gasthaus

Kuden b. Edelack

Holstein

(Kreis Dithmarschen nahe der Nord-Ostsee-Kanal)

 

Absender Johannes Dieckmann

Landst. Inf. Ersatz-Komp. Recklinghausen

Deutsche Feldpost Nr. 34

 

Cambrai, den 28. Juni 18

Sende dir hiermit die schönsten Grüße aus Cambrai.

So gehts mir noch immer ganz gut,

so hoffe selbiges auch von dir.

Freue mich jeden Abend wenn ich in Ruhe schlafen kann.

Grüße Johannes

 

 

 

 

AK = Ansichtskarte

g.v. = garnisonverwendungsfähig 

 

 

Quellen

 

Gesetz über den Landsturm 1875

Vorlagen eig. Sammlung