Gewerkschaft   Koenig Ludwig

Recklinghausen

 

 

 

Recklinghausen ist die einzig bekannte Stadt mit einem Ortsteil, welcher den Namen des bayerischen Königs führt. Ein wenig sei hier wiedergegeben über die schon lange Zeit stillgelegte Zeche und den Ortsteil, der immer noch Bestand hat.

 

 

 

Die Zeche König Ludwig auf einer zeitgenössischen

Litho-Ansichtskarte von 1898.

 

 

Hervorgegangen ist die Schachtanlage Gewerkschaft König Ludwig  (GKL) aus dem Steinkohlebergwerk „Vereinigte Henriettenglück“. Das Bergwerk bestand aus drei Grubenfeldern. Die Gewerken Generalinspektor  August Bockholtz aus Frankfurt am Main und Wilhelm Hagedorn aus Essen erbohrten in den Jahren 1856 - 1867 die Grubenfelder und bekamen diese auch verliehen.

 

 

 

 Detailaufnahme einer Ansichtskarte von 1906

 

 

Umbenannt in „König Ludwig“ wurde Henriettenglück am 16. Februar 1872. Ehren wollte man mit der Namensgebung den Bayernkönig Ludwig II. (1845- 1886) und damit dessen Vorgehen bei der Schaffung des deutschen Kaiserreiches nach dem Krieg gegen Frankreich 1870/71. In einem Huldigungstelegramm mit einem untertänigsten und erfurchtsvollen „Glück Auf“ wurde dem König mitgeteilt, daß die Gewerken die Freiheit hatten, der Zeche den hohen Namen „König Ludwig“ beizulegen. Seine Majestät der König von Bayern nahm das Huldigungstelegramm  entgegen und bedankte sich für diese Aufmerksamkeit. Vom Oberbergamt wurde die Namensänderung am 12. März 1872 bestätigt. K. und K., ein König und ein Krieg standen also Pate für die Namensgebung des Recklinghäuser Ortsteils.

 

 

 

Eine bemerkenswerte Adressierung:

 

Zeche Ewald Herten an Zeche König Ludwig Herne

 

Vordruckkarte mit geklebter 1/2 Groschen Marke "Großer Brustschild" Ausgabe

vom 1. Juni 1872. Entwertet mit einem Bahnpost-Dreizeiler Hamburg-Venlo II. Tour. 

Befördert über die Strecke Wanne-Münster (1. Januar 1870 eröffnet)

mit Anschluß an die Hamburg-Venloer Bahn in Haltern.

Portostufe für Correspondenzkarten/Postkarten vom 1.1.1868.

 

Leseabschrift:

Können Sie uns vielleicht auf einige Tage

6´Tannen Masten mindestens 4 Fuß lang & 6 Zoll Durchmesser leihen?

Recklinghausen, 20/1 74

Martens

 

 

 

 

Die Schächte

 

Mit dem Abteufen des ersten  Förderschachtes wurde gemäß einer Aktennotiz am 3. April 1872 auf dem so genannten „Geitenfeld“ auf Amtsgebiet, nicht Stadtgebiet, begonnen. 1873/74 wurde von der GKL das Grubenfeld König Ludwig II erbohrt. Unproblematisch verlief der Grubenbau aber nicht. 1879 traten  Störungen in Form von Wasserbrüchen auf. Mit den damals vorhandenen technischen Hilfsmitteln war das Problem nicht zu beheben. Aufgrund mangelnden Kapitals wurden zunächst die Niederbringungsarbeiten gestoppt. Man beschränkte sich auf die Erhaltung der vorhandenen Anlagen.  1880-1884 gelang es dann aber, der Wasserflüsse Herr zu werden durch den Einsatz einer Woolfschen  Wasserhaltung.

 

Im Jahre 1885 erreichte man bei 442 m die erste Fördersohle und begann mit dem Kohleabbau mit einer Jahresleistung von 5.718 t Steinkohle. 1894-1896 wurde der Wetterschacht III auf 425 m Teufe gebracht, der zeitweise der Seilfahrt und der Förderung diente. Weitere Schächte kamen im Laufe der Jahre hinzu. Am 3. Juli 1900 tat der Gewerke Kommerzienrat Carl Funke den ersten Spatenstich zum Abteufen der Schächte 4/5 des Henrichenburger Feldes in Suderwich. Ende 1901 wurde das Kohlengebirge im Schacht 4 bei einer Teufe von 445 erreicht. Bei 527 m Teufe wurde dann die Steinkohleförderung aufgenommen.

 

 

Jacob Kleynmanns

 

Antwortkarte Einladung zur Kreistagssitzung

signiert von Jacob Kleynmanns

 

 

Jacob Kleynmanns, geb. 1856,  stammte aus Niel bei Kranenburg am Niederrhein. Nach seiner Volksschulzeit absolvierte er eine kaufmännische Lehre auf einer Essener Zeche. 1872 trug man ihm die Leitung der Zeche König Ludwig an. Die dortigen Wasserprobleme löst er entscheidend. Ebenso die in vielen Gremien der damaligen Zeit anfallenden Fragen des Bergbaus, des Kohlehandels und der Kohleschiffahrt. Er war Mitglied des Stadtverordnetenkollegiums und politisch tätig für die damalige Zentrumspartei. 1913 berief man ihn zum Generaldirektor der Gewerkschaft König Ludwig. Er war zweifellos der prägende Mann für diesen Zechenbetrieb. Anläßlich der Vereinigung der Bergwerksgesellschaften "Ewald" und "König Ludwig" Ende der 1920er Jahre trat er in den Ruhestand. Er verstarb 1933 in Recklinghausen.

 

 

 

König Ludwig - Zeche Ewald bei Herten

 

 

5 Pfg. Germania, Postkartentarif in Fernverkehr, entwertet mit einem Einkreisstempel

Recklinghausen-Süd König Ludwig, Gitterbogen im unteren Segment vom 1.8.07,

beigesetzt der sogenannte Ausgabestempel von Herten UB b,

ein Einkreisstempel mit Gitterbogen oben und unten vom gleichen Tag.

 

 

 

 

Leseabschrift:

Sehr geehrte Herr Kollege!

Ich frage ergebenst an, ob ich von Ihnen die Aufschlüsse (Stollen im Untertagebergbau)

von Ewald-Fortsetzung erhalten kann. Erwünscht wären mir Profil d.d. Hauptzuschläge  1:10000

und Grundriß 1:5000 oder 1:10000. Selbstverständlich stehen Ihnen unsere Aufgehilfen

ebenfalls zur Verfügung. Für die Erfüllung unseres Wunsches wäre ich Ihnen sehr verbunden.

Mit kollegialem Glückauf! Paul

 

 

 

 

 Einschreiben Vordruckbrief König Ludwig - Godesberg

 

Retourbrief mit Hinweis:

Adr. befindet sich bis Oktober auf Reisen näheres unbekannt Reuter

 

Frankatur 30 Pfg. Freimarke Germania III Ausgabe 23. Dezember 1905 Wasserzeichen Rauten.

Portostufe 10 Pfg. Briefporto und 20 Pfg. Einschreiben gem. Tarif vom 1. April 1900.

Entwertet wurde die Marke mit einem Einkreisstempel Recklinghausen-Süd König Ludwig

ohne UB mit Gitterbogen unten vom 24.5.11. Rückseitig abgeschlagen ein Einkreisstempel

Eingang Godesberg und Poststempel König Ludwig als Ausgabestempel.

 

 

 

 Einschreiben Vordruckbrief König Ludwig - Nottingham England

 

Vermerk: Ungültig. Versehentlich angenommen (am Postschalter

unter Ignorierung der Kriegsverhältnisse und der unterbrochenen

Postverbindungen nach England) Zurück.

 

 

Frankatur 20 Pfg. Freimarken Germania IV Ausgabe 1915 Wasserzeichen Rauten.

Portostufe 20 Pfg. Briefporto für Briefe bis 20g und 20 Pfg. Einschreiben gem. Tarif vom 1. August 1916.

Entwertet wurden die Marken mit einem Einkreissegmentstempel Recklinghausen-Süd König Ludwig,

UB a im Segment unten. Keine Vermerke auf der Rückseite.

 

 

 

 

 

Wirtschaftlichkeit

 

Ab 1889 verfügte  die GKL über eine Normalkokerei mit 370 t täglicher Kokslieferung. Die Nebenkokerei hatte eine Kapazität von 300 t pro Tag. Mit dem Ertrag der Kokereien konnte das wirtschaftliche Tief der ersten Jahre des 20.Jahrhunderts überstanden werden. Durch die Fertigstellung der Schachtanlage 4/5 (1902) in Röllinghausen/Suderwich wuchs die Förderung auf 832.000 t an und brachte die GKL aus den Schwierigkeiten heraus. 1906 wurde eine Kokerei in Betrieb genommen, die ab 1912 die Stadt Recklinghausen mit Leucht- und Kraftgas versorgte.

 

 

 

 

Foto vom Hafen König Ludwig aus dem Jahr 1921

 

 

Zahlungsmitteilung Gewerkschaft König Ludwig

 

Portostufe 3 Pfg. für Postkarten im Ortsverkehr gem. Tarif vom 1. Januar 1925.

Entwertet mit Einkreisstempel König Ludwig, UB a im unterem Segment vom 20. März 1926

auf Freimarke aus der Serie Reichsadler aus dem Jahr 1924.

 

 

 

 

 

Lochungen

 

Diese Lochungen, englisch perfin für „Perforated Initials“/gelochte Initialen, sind private Lochungen zum Schutz der Portokasse. Im eigentlichen Sinn  sind die privat gelochten Marken für den Sammler wertlos.

 

Die Durchlochungsmaschine wurde 1867 von dem Engländer Joseph Sloper erfunden, patentiert und am 13. März 1868 postamtlich zugelassen. Es folgte 1874 die Schweiz, Frankreich 1876 und Deutschland 1877.

 

Inzwischen sind diese Lochungen untersagt, da von interessierter Seite zum eigenen Nutzen viel Unfug damit getrieben wurde. Diese privaten Lochungen sind nicht zu verwechseln mit amtlichen Lochungen, z.B. der Eisenbahnmarken von Bayern. Diese wurden zwischen 1912 und 1915 durch ein eingestanztes "E" gekennzeichnet. Amtliche Lochungen machen die Marken, im Gegensatz zu den privaten Lochungen, nicht wertlos.

 

 

 

 

Beteiligungen - Fusionen

 

Beteiligt war die GKL u.a. auch an der Reederei und dem Kohlengroßhandel Winschermann & Co. in Mülheim/Ruhr (1914) und an der 1842 gegründeten Eisenhütte Prinz Rudolf AG in Dülmen (1920). Die Ruhrbesatzung durch Frankreich und Belgien hemmte aber erheblich die Entwicklung der GKL. Mit dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 1928/29, dem Rückgang des Kohleabsatzes und der Entlassung vieler Bergleute bildete die Gewerkschaft Ewald in Herten mit der GKL zur Abwendung von weitergehenden Zechenstillegungen 1930 eine Verkaufsvereinbarung. Am 21. Juni 1935 kam es dann zur Fusion beider Gesellschaften unter dem Namen „Bergbau-Aktiengesellschaft Ewald-König Ludwig“ mit dem Firmensitz in Herten.

 

 

 

 

Fusionsaktien aus den Jahren 1935 und 1936

 

 

 

 

Ende der  GKL

 

Mitte der fünfziger Jahre brachte die immer stärker werdende Kohlenkrise die Einstellung der Kohleförderung auf der GKL 4/5 zum 15. Juni 1956 mit sich. Beide Schachtanlagen wurden zur Großanlage König-Ludwig 1/8 vereinigt. Die Förderung wurde über König Ludwig 1/2  abgewickelt. Das endgültige „Aus“ wurde am 7. Januar 1965 vom Aufsichtsrat beschlossen und das Bergwerk stillgesetzt. Die Restbetriebe wurden in die Ruhrkohle AG eingebracht, die auch die Kokerei von 4/5 einige Jahre später stilllegte. Der neuerbaute Förderturm wurde unter Anteilnahme der Bevölkerung gesprengt - Zechensterben hautnah. Damit fiel das letzte Wahrzeichen einer traditionsreichen Zeche. Übrig blieben der gleichnamige Ortsteil und die Verbindung zur Gründung der Ruhrfestspiele.

 

 

 

Vordruckbriefe Ewald - König Ludwig

 

 

Links ein entweder aus Ermangelung von Freimarken oder einer Masseeinlieferung

bar bezahlter Brief (Gebühr bezahlt Brief). Roter Einzeiler "Bezahlt"

und Zweikreisstempel Recklinghausen-Süd 2 vom 9.5.48.

 

 Daneben eine sogenannte 10fach Frankatur aus der Zeit der Währungsumstellung vom 21. Juni 1948.

Altbestände an Freimarken durften zu 1/10 ihres Nennwertes vom 21.6. bis zum 23.6.1948 aufgebracht werden,

Verklebt wurde eine Mehrfachfrankatur mit 10 Freimarken zu 24 Pfg. der II. Kontrollratsausgabe vom 1.3.1947.

Die Marken waren offiziell gültig bis um 22. Juni 1948.

 

 

 

Inflationsnotgeld der  GKL

 

In der Zeit während und nach dem I. Weltkrieg verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage zusehends. Der Verfall der Währung wurde immer stärker. Bis  1922 konnte die Reichsdruckerei nicht mit dem Druck der Banknoten nachkommen. Städten, Gemeinden, Firmen und anderen Institutionen wurde der Druck eigenen Geldes zugestanden, um so den Zahlungsverkehr zu sichern.

 

 

 

 

 

 

Auch die GKL druckte eigenes Geld in verschiedenen Wertstufen und Serien. Die Abbildungen zeigen Ansichten der GKL. Aufgedruckt waren u.a. die Einlösungsvermerke, Unterschriften der Herausgeber und beigesetzte Siegel der Zechenverwaltung. 1922 war der Spuk des Notgeldes beendet. Die Rentenmark 1924 löste dann auch die großen Inflationsgeldscheine ab.

 

 

König Ludwig und Ruhrfestspiele

 

Auf der Zeche „König Ludwig“ finden wir die Ursprünge der „Ruhrfestspiele“. Für die auf „König Ludwig“ beschafften Kohlen in den Jahren nach dem  2. Weltkrieg versprachen die Schauspieler der Hamburger Staatstheater Theateraufführungen vor den Bergleuten. Dieses Versprechen wurde eingehalten und „Kunst für Kohle“ eingetauscht.

 

 

 

Sondermarke "50 Jahre Ruhrfestspiele" 1996

 

Foto und Briefmarkenentwurf zum Ruhrfestspieljubiläum 1996 von Hermann Pölking.

Das Bild zeigt von links u.a. Bernhard Minetti, in der Mitte Heidemarie Hatheyer, rechts Hans Quest

im Kreis der Bergleute und wurde anläßlich der Aufführung des Dramas "Don Carlos" 1951 aufgenommen.

 

 

Der endgültige und verausgabte Entwurf mit den

beiden Sonderstempeln zu Ausgabetag.

 

 

 

 

 

 

 Quellennachweis

 

Festschrift zur Eröffnung der Ruhrfestspiele 1965

König-Ludwig über Stadtarchiv Recklinghausen

Postalische Belege + Ansichtskarten Slg. Mainczyk -

Slg. Mainczyk „Recklinghausen-Heimatgeschichte  Postalisch“