Erich Klausener

1885 - 1934

 

Ehemaliger Landrat des Kreises Recklinghausen

 

 

 

Alliierte Besetzung Sowjetische Besatzungszone Mecklenburg-Vorpommern,

 Briefmarkenausgabe vom 21. Oktober 1945 aus der Serie "Opfer des Faschismus".

Links Normalmarke - Rechts Fehldruck ohne U in Klausener.

 

 

 

Erich Klausener wurde am 25. Januar 1885 in Düsseldorf geboren. Seine Eltern waren der Geheime Regierungsrat Peter Klausener und seine Ehefrau Elisabeth, geb. Biesenbach. Die Familie war streng katholisch. Daraus entwickelte sich eine individuell abgeschlossene Erziehung der wohlhabenden und gesicherten bürgerlichen Kreise  des kaiserlichen Deutschlands. 1903 Reifeprüfung, anschließend juristisches Studium in Bonn, Berlin, Kiel und Promovierung 1911 in Würzburg mit der Arbeit "Das Koalitionsrecht der Arbeiter". Daran schloß sich eine Verwaltungslaufbahn beim Landratsamt in Neustadt in Oberschlesien an. Klausener war Kriegsteilnehmer am I. Weltkrieg. Nach seiner Entlassung aus dem Heeresdienst erhielt er 1917 eine Ernennung zum Landrat des Kreises Adenau in der Eifel.

 

Zwei Jahre später dann der Wechsel in das Landratsamt des größten, bevölkerungsstärksten preußischen Kreises Recklinghausen. In diesem industriell strukturierten Gebiet knüpfte Erich Klausener enge Kontakte zu führenden Persönlichkeiten des deutschen Katholizismus. Sein soziales Engagement brachte ihm den Ruf eines "roten Landrats" ein – dabei unterstützte er im Frühjahr 1920 den Reichswehr-Einsatz gegen die kommunistische "Rote Ruhr-Armee" ebenso wie den Generalstreik gegen den reaktionären Kapp-Putsch kurz zuvor.

 

Der Ruhrbesetzung vorausgegangen waren Protestschreiben und Entschließungen zusammen mit  Oberbürgermeister Hamm und anderen Vertretern des öffentlichen Lebens. Diese wurden an Regierung und Reichspräsidenten, den englischen und amerikanischen Botschafter versandt. Sie erhoben schärfsten Widerspruch gegen die drohende Besetzung des heimatlichen Bodens durch französische Gewalthaber.

Um Unstimmigkeiten zwischen der Amtsverwaltung Marl und der belgischen Besatzung zu schlichten, begab sich Landrat Dr. Erich Klausener am 25. April 1923 zum Verwaltungssitz des Amtes in Marl. Die Besatzung nahm das Eintreffen des Landrats zum Anlaß, ihn zu verhaften, weil er wegen verschiedener Vorgänge in Marl ein scharfes Protestschreiben an die belgische Ortskommandantur gerichtet hatte. Nach der Festnahme wurde er zum belgischen Hauptquartier nach Sterkrade verbracht, wo er kriegsgerichtlich zu einer Freiheitsstrafe von zwei Monaten verurteilt wurde. Nach Verbüßung der Strafe kam er zur Ausweisung. Seine Familie wurde, wie zu dieser Zeit üblich, mit Einquartierung bedacht.

 

 

Kreishaus Recklinghausen um 1920, Dienststelle von Landrat Klausener.

Klausener-Brücke (1928) über die Lippe bei Ahsen,

benannt nach dem ehemaligen Landrat des Kreises Recklinghausen

 

 

1924 folgte die Berufung in das preußische Wohlfahrtsministerium nach Berlin. Zwei Jahre später wurde Klausener dann Leiter der Polizeiabteilung im preußischen Innenministerium. Dort führte er energisch den Kampf der Polizei gegen die Ausschreitungen der Nationalsozialisten vor 1933. Nach der Machtergreifung der Nazis wurde Klausener dann ins Reichsverkehrsministerium in die Schiffahrtsabteilung abgeschoben.

 

 

   

Kombiniertes Ersttagsblatt (Ausschnitt) zum 50. Todestag von Dr. Erich Klausener

mit Sonderbriefmarke Bundespost Berlin, Sonderstempel Berlin 12 und Ersttagsabstemplung Recklinghausen.

Portogerechter Überseebrief 1988 in Mischfrankatur Klausener und Automatenmarken der Bundespost.

 

 

Erich Klausener war Leiter der Katholischen Aktion in Berlin und Organisator kirchlicher Großveranstaltungen. Ein besonderer Dorn im Auge der Nazis waren Klauseners kirchliche Treubekenntnisse, insbesondere auf dem Katholikentag 1934 in Berlin-Hoppegarten mit 60.000 Teilnehmern. Sechs Tage später ließen die Nazis Klausener in seinem Dienstzimmer erschießen. Alle kirchlichen und öffentlichen Stellungnahmen waren vergeblich und endeten in einer Verschärfung des Kirchenkampfes.

 

Der unmittelbare Mörder Klauseners war der SS-Hauptsturmführer Kurt Gildisch. Er wurde bereits vier Tage nach seiner Tat zum SS-Sturmbannführer befördert. Durch einen Zufall wurde er in Berlin 1949 verhaftet und zu einer Zuchthausstrafe von 15 Jahren verurteilt. Er verbüßte nur einen Teil der Strafe und ist inzwischen verstorben.

 

 

Quellen:

Franz. Besetzung Recklinghausen 1923/25 Klenke/Schnitzler

Druck von J. Bauer Recklinghausen

ETB Bundespost

Bebilderung eig. Belege