K I R C H H E L L E N

 

Post aus Preußen und Kaiserreich

 

 

 

Die ehemalige Gemeinde Kirchhellen liegt rund 20 km westlich von Recklinghausen. Bis zur kommunalen Neugliederung 1975 gehörte Kirchhellen zum Kreis Recklinghausen, danach wurde es ein Ortsteil von Bottrop. Zum Dorf gehörten die Bauerschaften Ekel, Feldhausen, Overhagen, Holthausen und Hardinghausen. 1850 hatte der Ort 2518 Einwohner - 1938: 6260. Das ehemalige Amt Kirchhellen deckte sich mit dem Gemeindebezirk und wurde nach vorübergehender Vereinigung mit Bottrop 1858 wieder ein selbständiges Amt. Die Zuweisung nach Bottrop bei der kommunalen Neugliederung 1975 geschah unter erheblichen Widerstand der Gemeindemitglieder. Dennoch  hatte die Zuweisung nach Bottrop bei der kommunalen Neugliederung auch historische Zusammenhänge. Im Jahre 1937 erhielt die Gemeinde Kirchhellen ihr eigenes Wappen, welches einen blauen Querbalken und drei schwarze Wolfsangeln auf weißem Grund enthielt. Teile davon finden sich wieder im Wappen der Stadt Bottrop.

 

Kirchhellen war vormals ein kölnischer Oberhof mit 37 Unterhöfen. Eine Kirche wird  im 11. Jahrhundert erwähnt. Außer dem adeligen Gut Vossondern, 1902 von der Gewerkschaft Thyssen übernommen, lagen  früher auf Kirchhellener Gebiet  noch die landtagsfähigen Güter  Brabeck  und Repel ( beide heute Gladbeck), Beck, Dringenburg u.a.

 

 

Postalisches

 

In Kirchhellen wurde von der preußischen Post 1863 eine Postexpedition II eingerichtet. Vorher wurde die Post u.a. über Dorsten oder Bottrop abgeleitet. Den Status PE II behielt Kirchhellen auch zur Zeit des Norddeutschen Postbezirkes ab 1868. 1944 und 1970 wird der Ort mit einem Postamt in den Nachschlagewerken geführt. An die Bahnpost war Kirchhellen 1880 über die Strecke Oberhausen-Rheine und später Wanne-Burlo, Station Feldhausen, angeschlossen. 

 

Aus Kirchhellen stammte der westfälische Bauernführer und Gründer des vestischen Bauervereins (heute Kreisbauernverein), Johannes Breuker (1817-1871); 1870 gründete er die damals führende Zeitschrift „Westfälischer Bauer“. In Recklinghausen steht auf dem Börster Weg 20 das nach ihm benannte und 1927 fertiggestellte „Breukerhaus“. Das Haus überstand den Krieg. Heute sind darin untergebracht der „Landwirtschaftliche Kreisverband Recklinghausen und die „Untere Forstbehörde“.

 

 

Brief  (Kopie) 1861 aus der Zeit vor Einrichtung eines Postamtes in Kirchhellen, abgeleitet über das Postamt Dorsten -

Rechteckstempel des Postamtes Dorsten und rückseitig Ausgabestempel des ausliefernden Postamtes vom gleichen Tag.

 

  

Erster in Kirchhellen verwendeter preußischer Poststempel, Weiterverwendung hier während

der Posthoheit des Norddeutschen Postbezirkes. Obwohl als Ständesache gekennzeichnet,

wurde der Brief mit Nachporto belegt, darum die blaue Austaxierung.

 

 

 

 

 

 

 

Reichspost Einlieferungsschein ohne Ortsvordruck - „Kirchhellen“ wurde handschriftlich vermerkt - über die Einlieferung eines Briefes 1881 nach Anholt an den Grafen Wolf Metternich, Besitzer von Haus  „Beck“  bei Feldhausen.

 

 

 

                                                             Das Kaiserliche Postamt in Kirchhellen an der Provinzialstraße um 1900

 

 

 

 

Quellen

Das Vest Recklinghausen (1948): Dorider, Adolf

Postgeschichtliche Blätter OPD Münster