Katz und Michel Bielefeld

KATAG

 

 

 

Aktie mit eingeprägtem Firmensiegel vom 1. Juli 1930,

gedruckt bei der E. Gundlach A.G. Bielefeld 

 

 

Benno Katz gründet am 22. Januar 1923 die Katz Textil-Aktiengesellschaft mit Sitz in Bielefeld. Am 1. April 1923 erfolgt die Gründung einer eigenen Wäschefabrik, deren Erzeugnisse mit dem Warenkennzeichen KATAG versehen werden. Eine Druckerei zur Herstellung von Formularen und Geschäftspapieren war bereits eingerichtet. Der Grundstein in baulicher Hinsicht wird am 1. April 1924 mit dem Einzug in ein fünfstöckiges Gebäude an der Stresemannstraße gelegt. Es werden 1927 Einkaufsniederlassungen in Chemnitz und Plauen/Vogtland eröffnet. Der Name des Einkaufsverbandes wird 1928 laut Generalversammlung in Katz & Michel Textil-Aktiengesellschaft abgeändert. Im gleichen Jahr erwirbt diese das Fabrikgrundstück der Herrenwäschefabrik Gebr. Hirschfeld AG (a.a.O.) in der Sudbrackstraße. Die Katz & Michel Textil-Aktiengesellschaft eröffnet 1929 eine Einkaufszentrale in Berlin am Hausvogteiplatz, ab 1931 in der Leipziger Straße.

 

 

 

Absenderfreistempel vom 24.5.34 der Einkaufszentrale Berlin, welche 1929 eröffnet wurde.

Der Adressat Gebrüder Uebel war eine mechanische Spinnerei und Weberei Plauen i.V.

 

 

 

Die KATAG bot schon frühzeitig dem Textilfachhandel

spezialisierte Beratungsdienste und Verkaufsunterstützung an.

 

Karte an die Fa. Lamparter/Reutlingen, mechanische Weberei. Auf der Rückseite Hinweis auf die Mitgliedschaft

bei Katz & Michel.  Lamparter ist von "Lombardei" abgeleitet und steht als Ersatz/Spitzname für Bankier oder Geldverleiher.

 

 

Im Jahre 1934 verstarb der Firmengründer Benno Katz. Sein Sohn Willy Katz wurde im gleichen Jahr in den Aufsichtsrat bestellt und zum Vorsitzenden ernannt. In den dreißiger Jahren zeigen sich schon die ersten Auswirkungen des nationalsozialistischen Regimes. Als sich die Lage zuspitzt, entschließen sich die Gesellschafter ihren Aktienbesitz zu verkaufen. 1937 erwarben die Familien Banning - Berckemeyer - Terberger im Zuge der Arisierung sämtliche Aktien und änderten den ursprünglichen Firmennamen "Katz und Michel Textil AG" in "KATAG AG". Am Tag des Novemberpogroms 1938 floh Willy Katz vor der drohenden Verhaftung nach Berlin. Von dort emigrierte er über Umwege nach Amerika, wo er am 11. Februar 1941 in Cleveland/ Ohio starb. Ansprüche auf Rückabwicklung des Geschäftes oder Entschädigungen wurden nach dem 2. Weltkrieg, so die heutige KATAG, von der Familie Katz und Michel, nicht gestellt.

 

 

Absenderfreistempel der damaligen Bundespost auf  KATAG-Firmenkarte an den nunmehr in Uetersen

residierenden Großhändler/Dienstleister von Damen-, Männer und Kinderbekleidung Fritz Uebel.

 

 

Während des 2. Weltkriegs wurden sämtliche Gebäude der KATAG AG zerstört. Nach dem Ende des Krieges begann der Wiederaufbau. Bereits im Jahre 1948 beschäftigte die KATAG etwa 250 Mitarbeiter und hatte mehr als 100 Vertragspartner. Im Zuge der Währungsreform in den drei westlichen Besatzungszonen erfolgte im Jahre 1949 die Schließung der KATAG-Niederlassungen in der Ostzone/Sowjetische Besatzungszone. Die KATAG AG ist nach eigener Aussage heute Europas größter Fashion-Dienstleister mit Sitz in Bielefeld.

 

 

Absenderfreistempel der Post AG