A D O L F      J A N D O R F

 

* 7. Februar 1870 in Hengstfeld/Württemberg

+ 12. Januar 1932 Berlin

 

 

 

 

Streifband mit eingedruckter 3 Pfg. Germania 1913 nach Südende,

einer ehemaligen Villenkolonie im heutigen Ortsteil Steglitz-Zehlendorf.

 

 

 

Deutsche Kaufhausgründer

Adolf Jandorfs Name begann im Jahre 1891 für Berlin bedeutsam zu werden. Zu diesem Zeitpunkt eröffnete er zusammen mit seinem Bruder Karl ein den damaligen Verhältnissen entsprechendes kleines Warenhaus in der Rosenthaler Straße. Zwei Jahre später errichteten die Brüder am Spittelmarkt das so genannte „Hamburger Engroslager“. Dieses Geschäft wurde der Ausgangspunkt des späteren Warenhauskonzerns Jandorf. Nacheinander gründete Adolf Jandorf Warenhäuser in der Belle-Alliance-Straße, in der Großen Frankfurter Straße, in der Brunnenstraße, der Andreas-Straße und in der Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg. Adolf Jandorf war der Wegbereiter des modernen  Warenhauses.

 

 

 

A. (Adolf) Jandorf & Co, Photo-Ateliers in den Berliner Jandorf Warenhäusern,

zeitgenössische Aufnahme um 1900 mit einer unbekannten Schönheit.

 

 

Sein größter Wurf war jedoch die Gründung des „KaDeWe“ (Kaufhaus des  Westens). Jandorf wurde damit in Berlin zum Vorkämpfer „des Zuges nach dem Westen“. Das im Jahre 1907  eröffnete Haus, entworfen von dem Architekten Emil Schaudt, war für diese Gegend noch als ein gewagtes Unternehmen anzusehen, zumal das Kaufhaus des Westens damals, nach dem Umfange nach, das größte Warenhaus Berlins und Deutschlands war und die Straßenzüge keineswegs als Geschäftsstraßen anzusehen waren. Doch die Tauentzienstraße avancierte rasch zum beliebtesten  Einkaufsboulevard  der Metropole Berlin - mit dem KaDeWe als Mittelpunkt. Ganz Berlin kam und akzeptierte das neue Kaufhaus im Handumdrehen. Der Kunde war König - und Könige waren unter den Kunden. Ins KaDeWe ging man nicht nur, um zu kaufen, sondern auch um zu sehen und gesehen zu werden. Ein Hauch von Exklusivität umgab den neuen Einkaufstempel, der schnell zum Treffpunkt der „Oberen Zehntausend“ wurde.  

 

 

 

KaDeWe Aufnahme aus den 1920er Jahren

 

 

 Briefumschläge mit Reichspost-Wertzeicheneindruck Germania,

Privatganzsachen des KaDeWe, 5 Pfg. Ortsporto vom 7.6.1913

und 10 Pfg. Porto für Fernbriefe vom 28.11.1911.

Die Umschläge wurden den Bestellungen beigelegt zur Förderung des Kaufanreizes.

 

 

 Briefmarken in Germania - Zeichnung ohne deutsches Hoheitszeichen wurden

von der Reichspost eingeführt, um die Bayerische und die Württembergische Postverwaltung

zur Aufgabe ihrer eigenen Posthoheit zu veranlassen.

 

 

Das vom Kommerzienrat Adolf Jandorf gegründete Warenhaus  wurde im Dezember 1926 von der Firma Hermann Tietz  (später Hertie)  übernommen. Beschäftigt wurden zum damaligen Zeitpunkt im Jandorf-Konzern mehr als dreitausend Angestellte. Adolf Jandorf hat über zwei Jahrzehnte dem Großen Ausschuß des Verbandes Deutscher Waren- und Kaufhäuser angehört. Die neuen Inhaber erweiterten die Verkaufsfläche um weitere 2 Etagen und vergrößerten das Waren- und Dienstleistungsangebot. Das KaDeWe wurde auch international zum Begriff für ein außergewöhnliches Einkaufserlebnis.

 

 

Hausansicht um 1935

 

Wie alle jüdischen Unternehmungen in Deutschland geriet auch das Handelsunternehmen Oskar Tietz/Hertie, und somit auch das KaDeWe, bereits 1933 in den "Arisierungsstrudel". Mit aller Macht wurde von den Nazis gesteuert über die Banken jegliche Liquiditätsschwierigkeit ausgenutzt, um auf diesem Wege eine eiskalte Enteignung zu erreichen. Der Kaufmann Georg Karg (a.a.O. Hertie) stieg 1933 mit 50.000 Reichsmark in das Unternehmen ein, um finanzielle Engpässe zu beseitigen. Der Handelsname Hertie wurde aber weiter benutzt. 1939/1940 "kaufte" Karg letztlich den gesamten Konzern von Tietz.

Im 2. Weltkrieg wird  das KaDeWe am 24. November 1943 durch Bomben fast völlig zerstört, und ein amerikanisches Kampfflugzeug stürzt in den Lichthof. 7 Jahre dauert der Wiederaufbau. Am 3. Juli 1950 hat Berlin sein KaDeWe wieder. Allerdings fehlt am Tag der Wiedereröffnung einiges vom Glanz und der Größe früherer Jahre. 180.000 Besucher aber konnten im Erdgeschoß und der 1. Etage sehen, daß es wieder aufwärts ging. 1956 war der Wiederaufbau vollständig abgeschlossen.

 

 

Ansichtskarte des wieder aufgebauten Kaufhauses um 1956

 

 

In der 6. Etage wird die Lebensmittelabteilung eröffnet. Diese wurde innerhalb kürzester Zeit zur Legende. Treffpunkt für Feinschmecker, die früher Kempinski beehrten, wurde nun das „Kaufhaus der unbegrenzten Möglichkeiten“. Die berühmtesten Köche hatten hier ihre Dependancen, von Lenôtre über Fauchon bis Paul Bocuse. Auf 70.000 Quadratmetern Nutzfläche (das Berliner Olympiastadion paßt da 1 ½-mal rein) wurden über 250.000 verschiedene Artikel angeboten. Und die Mode feierte in diesem Hause wahre Triumphe. Heute ist das KaDeWe Teil des Karstadt-Konzerns (über deren Hertie-Beteiligung). Möge des Werk Adolf Jandorfs weiterhin Bestand haben.


 

Chronik in Bildern

 Streifbänder

 

So lautet die amtliche Bezeichnung für einen um einzelne Zeitungen und Zeitschriften gelegten und verklebten Papierstreifen zum Versand als Drucksache. Streifbänder wurden erstmals 1861 von der US-Post dem Publikum zur Verfügung gestellt. Andere Länder und Postverwaltungen folgten. Streifbänder mit eingedrucktem Wertzeichen gehören zu den Ganzsachen. Unter diesem Begriff versteht der Sammler postamtlich verausgabte Briefumschläge, Postkarten, Kartenbriefe, Streifbänder  u.a. mit einem Wertstempeleindruck in Höhe des erforderlichen Portos. Die Deutsche Reichspost gab die Herstellung von Streifbändern bereits 1890 wieder auf. Manche Unternehmen klebten entweder die Marken selbst auf oder ließen Privat-Streifbänder mit Wertzeichen herstellen. Der berühmte rote „Sachsen Dreier“ ist wohl die bekannteste für Streifbänder verklebte Briefmarke, da diese Marke als Drucksachenporto verausgabt wurde. Sehr oft mit der Zeitung verklebt zur festeren Verbindung gibt es wegen Öffnungsschäden nur wenige einwandfrei erhaltene Marken dieser Ausgabe.

 

Das KaDeWe verschickte Werbe- und Hausprospekte per Streifband ins gesamte Reichsgebiet bis in die Kolonien. Den großen Warenhäusern waren meist auch Verlage angeschlossen, so daß das Privilegum der Portersparnis in Anspruch genommen werden konnte.

 

 Privat-Ganzsachen-Streifband nach Bückeburg,

links eingedruckter Nachsendevermerk,

Portostufe für Drucksachen von 100 – 250 g Gewicht

gem. Reichsposttarif vom 1.7.1906.

 

 

  Ähnliches Streifband nach Essen, kurz vor Ausgabe des 1. Weltkrieges

am 28.3.1914 verwendet. Beide Streifbänder wurden mit einem Einkreisstegstempel

des Postamtes Berlin C 2, Bogen oben und unten und Unterscheidungsbuchstaben entwertet.

 

 

 

Kaufhauskundschaft selbst im fernen Südwestafrika

Südwest kurz skizziert 

Das afrikanische Hochland erstreckt sich von der Grenze Angolas bis hinunter an die Republik Südafrika. Es wird im Wesentlichen bestimmt durch die Sand- und Steinwüste Namib  und  durch die trockene Kalahari-Beckenlandschaft. Das Klima zeichnet sich aus durch große Regenarmut und beträchtliche Temperaturunterschiede. Die Pflanzenwelt ist spärlich, die Küstenwüste fast vegetationslos. Der Rand des Hochlandes ist zum Teil von lichten Buschwäldern (Akazien, Mimosen) bedeckt. Die Tierwelt zählt Antilopen, Strauße, Trappen, Rebhühner, Zebras, Giraffen, Elefanten, ferner Leoparden, Schakale und Hyänen.

 

Die Bevölkerung besteht aus Buschmännern und Bergdama, die Sammler und Jäger sind.  Bantu, Herero und Ovambo treiben Viehzucht und Ackerbau.  Daneben leben noch nomadisierende Hottentotten und eine Mischung von Hottentotten und Buren. Weiße (Buren, Deutsche, Engländer)  treten auf als Farmer, Kaufleute, Handwerker und Lehrer. Wirtschaftlich richtet sich das Land aus an der Viehzucht (Rinder/Karakulschafe), dem Bergbau mit Kupfer, Diamanten, Zinn und Vanadium.

 

 

Kundenpost aus Südwestafrika

 

 

Kolonial-Postwertzeichen des Deutschen Reiches

 

 Postkarte mit eingedrucktem 5 Pfg. Wertzeichen mit Kolonial-Schiffszeichnung

Kaiserjacht SMS „Hohenzollern“ und Marken-Inschrift „Deutsch-Südwestafrika,

Ausgabe 1909, katalogisiert unter P 18, mit Rautenwasserzeichen. Der vorderseitig

abgeschlagene blaue Stempel ist ein privater Eingangsstempel des Kaufhauses.

 


Leseabschrift:

 

Keetmanshoop, 28. IV. (19)12

Deutsch-Südwest Afrika

P; P;

Darf ich um Zusendung Ihres neuesten

Kataloges für Blusen u. Kleider bitten.

Hochachtungsvoll

Regier. Baumeister Steiner

 

 

 

Zur Geschichte

 

1883 wurde  von Franz Adolf Eduard Lüderitz  das Gebiet von Angra Pequena, heute Lüderitzbucht, und das dahinter liegende Gebiet, nach ihm „Lüderitzland“ genannt, erworben.  Das Gebiet wurde 1884  unter deutschen Schutz gestellt.  Das Mandat endete während des 1. Weltkrieges  am  9. Juli 1915.  Fünf Wochen später ist ganz Südwestafrika von der Südafrikanischen Union besetzt.  Das vormals Deutsch-Südwestafrika genannte Land wurde 1920 unter Völkerbundmandat gestellt und der Südafrikanischen Union zur Verwaltung überlassen. Diese Treuhandschaft der UNO wurde von der Union, die Südwest-Afrika als Provinz eingliederte, nicht anerkannt.  Auch der Entzug des Mandates ignorierte die Republik  Südafrika. Am 21. März 1990 aber wurde dieses Land als Namibia unabhängig. Hauptstadt ist Windhuk.

 

 

Das Markenland Südwest

 

Die deutsche Post  wurde am 7. Juli 1888 in Südwest eingerichtet. Verwendet wurden zunächst Briefmarken des Mutterlandes Deutschland. Zu erkennen sind diese Verwendungen an den Abstempelungen auf Freimarken „Pfennig“ und „Adler-Ausgabe“. Ab 1897 gab es dann Aushilfsausgaben mit zweizeiligem Aufdruck Deutsch-Südwest-Afrika und ab 1898  Südwestafrika in einem Wort.

 

1900 folgte die Freimarken-Ausgabe „Kolonial-Schiffszeichnung“ mit der Kaiserjacht  SMS „Hohenzollern“ ohne Wasserzeichen. Diese Marken wurden 1906 mit Wasserzeichen Rauten noch einmal verausgabt.  Die Werte zu 1 Mk, 2 Mk, 3 Mk und 5 MK wurden allerdings nur am Sammlerschalter in Berlin verkauft.

 

In der philatelistischen Sprache heißen diese Marken „Schaltersatz“. Insgesamt waren 147 verschiedene Marken der deutschen Auslandspostanstalten und Kolonien nach Kriegs-Ausbruch (1914) und bis zur Schließung der Verkaufsstelle für Kolonialpostwertzeichen in Berlin noch vorrätig und wurden auf  Wunsch geschlossen  an  Sammler abgegeben  und kommen deshalb als Schaltersatz nur ungebraucht vor. Da einige Postämter im Ausland und den Kolonien noch eine Zeitlang weiterarbeiteten, gibt es selbstverständlich verschiedene Werte des Schaltersatzes auch gebraucht.

 

 

Absenderfreistempel des KaDeWe

 

Absenderfreistempel bzw. Postfreistempel, auch kurz Freistempel genannt, wurden 1920 anläßlich des Weltpostkongresses in Madrid für den internationalen Postverkehr zugelassen, wobei rote Stempelfarbe vorgeschrieben war (mit Ausnahmen).

Diese Freimachungsform ist besonders interessant für Firmen mit hohem Postaufkommen (Zeitersparnis) und dient bei sauberen Abschlägen zugleich als Firmenwerbung. Freistempelbelege sind mittlerweile anerkannte Belege zum Sammlungsausbau.

 

Die  Form der Absenderfreistempel hat häufig gewechselt und ist von Land zu Land unterschiedlich. Erfinder der Absenderfreistempelgeräte im Jahre 1897 war J. Baumann aus Regensburg in Bayern. 

 

 

 Francotyp Firmenfreistempel der Reichpost, Ortsporto 5 Pfg. auf Brief

mit KaDeWe - Wappenschiff an die neue Konzernleitung Hermann Tietz,

die 1926 das Jandorf´sche Warenhausimperium übernahm.

 

 

 

Nachkriegs – Absenderfreistempel

 

 

Zwei fast bildgleiche Absenderfreistempel:

-,20 DM Fernverkehr vom 12.5.59 mit Postleitgebietszahl (1) und

-,10 DM Berliner Sonder-Ortsporto vom 2.3.70 mit Postleitzahl 1.


 

 

Luftpost an das KaDeWe

 

Das Jahr 1919 ist der Beginn der amtlichen deutschen Luftpost. Die deutsche Luft-Reederei wird als erste deutsche Fluggesellschaft zugelassen. Im Juli 1919 erscheinen die ersten deutschen Luftpostmarken zu 10 und 40 Pfg. an den Postschaltern. Mit Verfügung  des Reichspostministeriums  vom 26.7.1921 werden allgemeine Flugbestätigungsstempel eingeführt. Im Juli 1922 erscheint die Luftpostmarkenserie mit dem Bild der „Holztaube“. Die Reichspost benützt die Flüge des Deutschen Aero- Lloyd zur Beförderung zuschlagsfreier Luftpostsendungen. Am 6.1.1926 wird die Deutsche Luft Hansa AG gegründet. Damit einher geht der kontinuierliche Ausbau des Streckennetzes auch in benachbarte Staaten und die Zusammenarbeit mit ausländischen Fluggesellschaften.

 

 

Luftpostbrief an das KaDeWe mit Marken der Serie Reichspräsident Hindenburg, 12 Pfg. Briefporto

und 10 Pfg. Luftpostzuschlag. Der rote Luftpostbestätigungsstempel wurde als Nachweis der

Luftbeförderung auf dem Brief abgeschlagen gem. Verfügung des Reichspostministeriums Nr. 632

vom 26. Juli 1921, aufgehoben mit Verfügung Nr. 95 vom 30. Oktober 1934. Die Strecke wurde

am 1.7.1926 eingerichtet von Berlin über Hamburg – Kiel – Flensburg – Westerland. 

 

 Absender war das Modellhaus Rengerbach, Westerland/Sylt.

 

 

 

Reisebüroverzeichnis 1925 mit Kaufhaus des Westens

 

 

 


   Kaufhauswegweiser 1992

 

 

 

 

 

Quellen:

 

Doch das Zeugnis lebt fort/Verlag Leber Berlin 1965

Judaicasammlung M.

KaDeWe Presseinformationen

Die deutschen Kolonien/Graudenz Weltbildverlag 1995