P A U L          H E Y S E

 

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Schwedische Sondermarke 1970

 

„Als Zeichen der Huldigung für die vollendete und

von idealer Auffassung getragene Künstlerschaft,

die er während einer langen und bedeutsamen Tätigkeit

als Lyriker, Dramaturg, Romanschriftsteller und Dichter

weltberühmter Novellen bewiesen hat“, wird im Jahre 1910

dem 80jährigen Paul Heyse als erstem deutschen Dichter

der Nobelpreis für Literatur verliehen.

 

Paul von Heyse (geadelt 1910) wurde am 15. März 1830 in Berlin geboren.

Sein 100. Todestag jährt sich 2014.

 

 

Heyse besuchte von 1838 bis 1847 das Friedrichwerdersche Gymnasium. Friedrichswerder war vormals eine selbständige Stadt im Zentrum des heutigen Berlin zwischen Zeughaus, Unter den Linden und Leipziger Straße. Erhalten blieb die Friedrichwerdersche Kirche von Karl-Friedrich-Schinkel. Bereits mit 17 Jahren immatrikulierte er sich an der Berliner Universität zum Studium der klassischen und romanischen Philologie. In Bonn setzte er sein Studium fort und promovierte ebendort 1852. Es folgten Studienreisen nach Italien. Nach seiner Heirat übersiedelte Paul Heyse nach München. 1855 publizierte er seine erste Novelle "L´Arrabbiata". Jüdische Figuren schilderte er  insbesondere in der Novelle "Judith Stern".

 

 

 

 Von Paul Heyse eigenhändig geschriebene Dankesadresse an seinen Verleger Heinrich Spiero

(*1876 Königsberg -1947 Berlin) in Hamburg-St. Georg, Lange Reihe 7.

Spiero stammte aus einer jüdischen Familie. Er konvertierte zum Protestantismus

und blieb trotz mehrerer Verhaftungen nach 1933 in Deutschland.

 

Die Postkarte trägt einen Wertstempel zu 10 Cmi.  mit dem Bild des Königs Humbert/Umberto I.

(1889-1903). Die 99 bezeichnet das Druckjahr, hier 1899. Des weiteren ist ein

Ausgabestempel von Hamburg abgeschlagen. Laufzeit der Karte drei Tage.

 

 

Über Jahrzehnte hin - unangefochten von allen literarischen Strömungen - der Lieblingsautor des breiten Publikums, von den führenden Persönlichkeiten seiner Zeit hochgeschätzt, mit äußeren Ehrungen überhäuft, geriet Heyse unmittelbar nach seinem Tode kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges um so rascher und gründlicher in Vergessenheit. Von 1885 bis 1890 war Paul Heyse Präsident der Schillerstiftung in München. Er bekannte sich stets zu seiner westöstlichen Herkunft und Natur. Der Vater war Philologe und Sprachwissenschaftler, die äußerst gebildete Mutter stammte aus der Familie des preußischen Hofjuweliers Jakob Salomon. In München lebte der Dichter lange Jahre. Die bayerische Monarchie und die Stadt München ehrten die lange Erinnerung durch viele Auszeichnungen des Mitbürgers Paul Heyse und durch die Verleihung der Ehrenbürgerwürde. Daß nach seinem Tode die Welle der Verehrungen abklingen  müßte, wußte auch Heyse selbst. München aber hat das Andenken seines Ehrenbürgers wenig hochgehalten. Es hat sich um Werk und Nachlaß nicht gekümmert und das schöne Neureuther Palais in der Luisen-Straße verkommen lassen. Die Benennung einer Straße am Bahnhof mit seinem Namen ist das einzige und zweifelhafte Kompliment an einen Autor, dessen europäischer Ruhm einmal auf München zurückgestrahlt hat. Seine bekanntesten Werke sind:

 

 

Der Jungbrunnen (1850)

Die Braut von Cypern (1856)

Ludwig der Bayer (1862)

Die Göttin  der Vernunft (1870)

Das ding an sich (1879)

Über allen Gipfeln (1895)

 

Viele Städte gaben Straßen den Namen von Paul Heyse. Die Karte links stammt aus der Inflationszeit 1921,

der Brief rechts, noch mit "Paul-Heyse-Straße", ist von 1934. Die zwangsweise Umbenennung von Straßennamen

mit jüdischen Namenträgern hatte hier wohl noch nicht gegriffen.

 

 

 

 

Quellen

Neues Lexikon des Judentums

Heyse, Paul: Miller, Norbert

Bildvorlagen Eigenmaterial