S A L O M O N   M E N D E L   H E C H T

Tuchgeschäft in Datteln/Westfalen

 

 

 

1814 ließ sich Salomon Mendel in Datteln als Händler nieder. Seit 1846 führt er den Namen Salomon Mendel Hecht zur besseren Unterscheidung zum häufigen Namen Mendel. Von 1831 bis 1860 war er Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Datteln. In seinem Haus befand sich die Betstube. 1858 und 1864 war Hecht  stellvertretender Repräsentant der Synagogengemeinde Recklinghausen.

 

 

 

Das Kaufhaus Hecht Tigg 9

 

 

Salomon Mendel Hecht war verheiratet mit Jette geb. Samuel aus Steele, heute Essen. Ein Sohn, Mendel jun., ging aus der Ehe hervor. Dieser wiederum hatte auch wieder einen Sohn, der den Namen Levi trug. Das Geschäft der Familie Hecht war in dem Haus "Tigg 9" in Datteln (s. Abb. von 1910). Es hat den 2. Weltkrieg überstanden.  Dieses Glück hatten die letzten Eigentümer nicht. Salomon und Henriette Hecht wurden in einem KZ ermordet.

 

 

 

Ansicht der Stadt Sebnitz in Ostsachsen um 1900. Zur Zeit des geschriebenen Briefes

hatte der Ort rund 3000 Einwohner. Das wichtigste Handwerk zu damaliger Zeit

war die Leinenweberei, deren Produkte weltweit exportiert wurden.

Durch die Industrialisierung, insbesondere in England,

kam es aber zum Niedergang der Handweberei.

 

 

Beim vorliegenden Brief aus vormalig besseren Tagen handelt es sich um eine Tuchbestellung nach Sebnitz in Sachsen. Der Brief lief über Bad Schandau und wurde einen Tag nach Aufgabe zugestellt. Aufgabestempel war ein zweizeiliger Rechteckstempel  der preußischen Post mit einer Verzierung in Form einer Sechsstrahlrosette, die auf einem Fuß steht.

 

 

 

 

 Unfrankierter, austaxierter Brief mit zweizeiligem Rahmenstempel Datteln vom 15.3. (1866),

ohne Jahr aber mit Tageszeit 4-5, Rückseite Adresse, Durchgangsstempel Schandau

und Ausgabestempel Sebnitz 16.3. (1866). Die Zustellung erfolgte bereits einen Tag

nach Aufgabe des Briefes. Schneller geht es bei der Post 140 Jahre später auch nicht.

 

 

  

 

Wortgetreue Leseabschrift des Briefes der Firma Salomon Mendel Hecht

 

 

Herren Winkler & Liebscher    Sebnitz

 

                                                                                     Datteln, 15. März 1866

 

Im Besitz Ihres Geehrten vom 13 d.M. theile ich Ihnen mit, daß ich die 11/4 grün und blau Tertia I nicht aufgegeben und diese Waare schlecht verwerten kann. Von 10/4 Tertia und 1 Th. 8/4 grün und rot T. I, womit ich sehr eile, bitte mir doch von ersterer umgehend zu senden, da ich auch hiermit eile.

 

Das mir offerierte Stück 10/4 Drell auf Probe kann ich gebrauchen, wenn Sie selbige zu 13 5/10 abgeben können, sonst nicht, da ich zu 14 Sgr. woanders beziehen kann.

 

Hoffend, daß avisierte Sendung zu meiner Zufriedenheit ist und ich recht bald besagte Stücke erhalte, begrüße ich Sie

 

                                                    Mit aller Achtung

                                                 

SM Hecht


 

 

Quellen

 

Jüdische Heimat Werner Schneider

Juden in Datteln VHS 1988

Bebilderung Eigenmaterial