Haus Vogelsang

bei Ahsen an der Lippe

 

 

Einst kurfürstliches Lehnsgut, erstmalig 1374 erwähnt, hatte  „Schloß Vogelsang“ viele Besitzer. Die Gebäude mit Turm und der nebenan liegende Gutshof sind heute noch vorhanden. Um 1780 war einer der bekannten Besitzer der Freiherr Werner von Brabeck.  Zwischen den Familien von Brabeck und von Twickel aus Havixbeck soll eine Erbverbrüderung bestanden haben. Nach dem Tode des letzten  Brabeck berief sich der Freiherr von Twickel auf diesen Vertrag. Aber erst nach gerichtlichen Prozessen bekam die Familie von Twickel die Güter  Rauschenburg und Vogelsang etwa 1850 abgetreten. Die Familie von Twickel hat bis Mitte der 50er Jahre dieses Jahrhunderts auf Schloß Vogelsang gewohnt und ist dann nach Havixbeck verzogen. Ende der  80er Jahre verkaufte die Twickelsche Verwaltung das Gut und Schloß Vogelsang an die Ruhrkohle AG. Das Schloß blieb bewohnt und die Felder werden weiter beackert wie zuvor. Von post- bzw. heimatgeschichtlichen  Interesse ist der Schriftverkehr eines Verwalters von Schloß Vogelsang und der dazugehörenden Güter. 

 

 

 

Ansichtskarten: links 1911 - rechts 1961

 

 

 

Der Postverkehr von und nach Ahsen

 

Nach Schließung der Postexpedition Ahsen 1853 mußten Briefe aus Ahsen in Datteln oder Haltern  aufgegeben werden. Obwohl für Ahsen die Postexpedition Datteln zuständig war, wurde die vorliegende Korrespondenz  allesamt in Haltern aufgegeben und richtet sich nach Rheinberg am Niederrhein an eine Samenhandlung, die erst vor einigen Jahren den Betrieb einstellte. Interessant für den aktuellen Betrachter sind die Angaben über die Eisenbahnverbindung und die damit verbundenen Reisezeiten.

 

 

 

     

Kleiner Kastenstempel „Haltern“ mit Zierstern auf freigemachtem Brief

(blaue Austaxierung) und rückseitigem Trockensiegel sowie Ausgabestempel,

zweiter Bestellgang in Rheinberg, einen Tag nach Aufgabe des Briefes.

 


 

 

Leseabschrift des Briefes:

 

 

Vogelsang, 27. November 1856

 

Lieber Gerhard!

 

Dein uns angekündigter Besuch wird mir sowie Hr. Envens sehr angenehm sein. Gut wird es sein, wenn Du den Zug benutzest, welcher um 10 Uhr 41 Minut. von Oberhausen fährt. Du muß dann Station Castrop aussteigen und werde Dich dort abholen, und bist dann gegen halb 2 Uhr schon hier. Mit dem späteren Zuge kannst Du nicht vor Nachts 11 Uhr hier sein. Von hier aus kannst du dann nach Dortmund machen. Da unsere Uhren sehr in Umstand sind, so wünschte Envens sehr, daß Th. Solm mitkönne, er könnte auch sonst vielleicht hier noch ein Geschäftchen machen, und willst ihm dies gefl. mitteilen. Sehr freute es mich, aus Deinem lieben Briefe zu vernehmen, daß Du noch wohl und munter bist. Ich hoffe von meiner Krankheit auch wieder in 8 bis 14 Tagen ganz hergestellt zu sein. Sehr angenehm wäre es mir, lieber Gerhard, wenn Du bald hierher kommen könntest, da ich vorhabe, sobald ich hergestellt, eine Reise nach Crefeld und Rheinberg zu machen. Ich erwarte also die baldige Nachricht Deiner Ankunft.

 

 

 

Hoffend Dich bald munter und recht wohl zu sehen grüßt und küßt herzlich Dich

Dein

Reinhard

 

An Joseph Lotteken Derpmann und Solm bitte meinen besten Gruß und empfange Du auch die besten Grüße von Herrn und Frl. Envens.

 

 

 

Der Text wurde ohne Korrekturen übernommen.