Haus Lüttinghoff

 

Das Haus Lüttinghof ist eine Wasserburg (Niederungsburg) auf Vestischem Gebiet in Gelsenkirchen. Sie steht im Stadtteil Hassel nördlich von Gelsenkirchen-Buer an der Stadtgrenze zu Marl, unweit des Marler Stadtteils Polsum. Der Begriff Niederungsburg (auch Flachlandburg oder Tieflandburg genannt) bezeichnet  Burgen, die im Flachland oder in einer Talsohle liegen.

 

Erbaut wurde die Burg von Dietrich von Flerke, der sich später Dietrich von Luttekenhove nannte. Im Laufe der Jahrhunderte wechselten häufig die Besitzer, u.a. zu Wilhelm von Nesselrode. Ihm folgte sein Enkel, Johann Wilhelm von Nesselrode. Er starb 1693 als Domherr in Münster kinderlos. Sein Neffe, Mathias Johann Bertram Wilhelm von Nesselrode, übernahm die Burg. Er starb 1705, woraufhin seine Witwe Maria Louisa von Brabeck die Belehnung der gemeinsamen Töchter Sebastiana Anna Charlotte Johanna und Maria Antoinetta Theresia Felicitas beantragte. 1718 heiratete Sebastiana den Freiherrn Johann Rudolf Benedikt von Twickel zu Havixbeck. 1729 übernahm ihr gemeinsamer Sohn Clemens (I.) August von Twickel das Haus Lüttinghof.

 

 

 

Haus Lüttinghoff um 1911 und 2011

 

 

Clemens (I.) August übertrug die Burg vermutlich vor seinem Tod 1792 an seinen 1755 geborenen Sohn Clemens (II.) August Maria von Twickel. Der Reichsdeputationshauptschluß hob die Lehnsherrschaft der kurkölnischen Erzbischöfe 1803 auf, und das Haus Lüttinghof wurde Eigentum von Clemens II. von Twickel. Er wohnte dort bis zu seinem Tod 1841, seine Nachkommen sogar noch bis in die 1890er Jahre im Herrenhaus. Das Familienwappen der von Twickel mit einem Kesselhaken als Motiv, ziert heute noch den Eingang des Herrenhauses.

 

1976 veräußerte Clemens VI. von Twickel die Wasserburg an die Stadt Gelsenkirchen. Die Stadt übertrug sie 1986 an den Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL).  Der LWL renovierte das Herrenhaus und ließ die Vorburg abreißen sowie an ihrer Stelle einen modernen Neubau errichten. Die Gebäude wurden am 20. September 1991 als zentrale Restaurierungswerkstatt für  Museen  eingeweiht. Es beheimatete sieben konservatorische und restauratorische Werkstätten (Holz und Möbel, Metall, Skulpturen, Gemälde, Textilien, Papier und Leder, Glas und Keramik), chemische Labors sowie Einrichtungen für Fotografie und Röntgenaufnahmen. Ihre Verwaltung war im Herrenhaus untergebracht. Zum 1. Januar 2004 wurde die Restaurierungswerkstatt aufgegeben, und die Räumlichkeiten werden seither als Büros und seit April 2005 auch als Schulungsräume genutzt. Im Herrenhaus ist eine Burggastronomie und das Standesamt untergebracht.

 

Matrikelsache (Kopie) von Twickel und Devens

 

 

 

 

An den Herrn Landrath Devens hochwohlgeboren Welheim

 

Zur Erledigung Ihrer Verfügung vom 20. d. M. bedaure ich anzeigen zu müssen,

daß ich den notariellen Kaufvertrag nebst Besitztitel Berichtigung über das Gut Hamm

aus dem Gericht zu Dorsten wiederholten Rückgabe Gesuchen ungeachtet

nicht wieder erhalten habe, um hierauf die Umschreibung in der

Ritterschafts Matrikel begründen zu können. Da ich nun für den Augenblick

außer Stande gesetzt bin, einen überzeugenden Beweis

der Besitztitel Berichtigung zu führen, so muß ich um

einige Tage Ausstand ersuchen, um dann über den zweiten Punkt

den mir fehlenden zehnjährigen Besitz dispensation nachzusuchen.

Lüttinghoff den 20. Decb. 1840

Cl.(emens) Fr.(eiherr) von Twickel

 

dispensation = Befreiung

 

Die landständischen Familien waren in einer Matrikel verzeichnet. Nur der immatrikulierte Adel gehörte zur Ritterschaft. Der Ausdruck Ritterschaft bezeichnete im Allgemeinen den niederen Adel in Deutschland, welche rittermäßige Besitzungen besaßen und als Teil der Landstände zu den Landtagen einberufen wurden. Nachfolgend Kopie einer Einladung zu einer Kreistagssitzung.  Im königlich-preußischen Gesetz vom 27.03.1824 betreffend die Anordnung der Provinzialstände in Westfalen wurde die Einrichtung von vier Ständen festgelegt. Der zweite Stand bestand aus der Ritterschaft.

 

Einladung zur Kreistagssitzung

u.a. aufgrund des landtagsfähigen Gutes Lüttinghoff

 

Kastenstempel mit einer auf einem Fuß stehenden Sechstrahlrosette,

Tag und Monat ohne Trennstrich.

Von Freiherr Clemens von Twickel III. auf  Haus Lütgenhof (Lüttinghoff)

bei Polsum doppelt signierte Antwort 1861 -  Postaufgabeort Recklinghausen.

 

 

 

Quellen

Fotos: Mainczyk ©2011

Stadtarchiv